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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-01-01 · Heft 1 (1.1.1887) · p. Seite 12

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 1 (1.1.1887)
Date
1887-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Musik, eine ihre Hauptergötzungen, (sie war nicht nur auf dem Klavier sondern auch auf der Harfe sehr fortgeschritten) wurde nun ihr einziger Trost, ihr Ergötzen, aber sie hatte das Vergnügen die rührenden Klänge der Harfe zu erwecken aufgegeben und nur selten konnte sie ihre einst so schöne Stimme noch gebrauchen. Aber ihr Geist rief: Vorwärts! Vorwärts! und jeden Moment, selbst wenn ihre Gesundheit es kann, gestattete, widmete sie ihrer Feder. Eine ihrer Maximen war, daß eine Frau, trotzdein sie Schriftstellerin sei, auch haushälterisch sein könnte und sie bemerkte in einem ihrer Werke, wie ich glaube mit Recht, daß sie Wordsworth liebe, der im Widerspruche zu Moors's seichter Theorie sagt „daß eine Schriftstellerin, welche nicht ihr eigen Haus führen könne, gewiß Geist besitze, — aber nicht Geist genug!" Ihre Werke machten Anfangs mehr Aufsehen in Amerika als in England. Briefe und Glückwünsche kamen ihr zu von jenseits dss Oceans. Nachdem ihr Werk „History of the Jews“ („Geschichte der Juden") veröffentlicht war, entschloß sie sich nach Deutschland zu reisen und sich der Gesellschaft ihres ältesten Bruders zu erfreuen, der zu dieser Zeit in Frankfurt Musik studirte und sich dort auszeichnete. Ihr jüngerer Bruder war auf der See, was sie wohl in den Stand setzte, in einem ihrer Werke mit Natürlichkeit und Schönheit das Leben eines Matrosen zu schildern. Es gab Zeiten, selbst vor ihrer Reise nach Deutschland, wo sie fühlte, daß ihre Tage gezählt seien, aber sie verbarg dies geflissentlich vor ihrer Mutter Zu andern Zeiten glaubte sie ihre Mutter trösten und die ihrem Bruder sichere Auszeichnung sehen zu können. Zur Zeit ihrer Abreise nach Deutschland erklärten ihre Aerzte, daß die Schriftstellerei schädlich für sie sei, aber sie bekämpfte diesen ärztlichen Beschluß und behauptete, daß Schriftstellerei ihre Kopfschmerzen erleichtere, selbst wenn sie bei ihren schwachen Nerven nicht den Ton der Musik ertragen könnte. Aber sie ertrug mit englischer Geduld alle ihre Leiden durch ihr ganzes Leben, ja ihr kurzes Leben war reich an Thaten des Wohlthuns und der Weiblichkeit. Bei ihrer Abreise nach Deutschland konnten viele ihrer Frennde nicht das betrübende Wort: Lebewohl! aussprechen, denn sie sahen nur zu wohl, da sie ihre schattengleiche Hand ergriffen, daß es das letzte Mal sei, daß sie sie sahen. Im Jahre 1847 verließ sie England, verbrachte kränkelnd in Frankfurt einige Wochen und gieng dann in's Bad nach Langenschwalbach, aber die Mineralquellen brachten ihr wenig Erleichterung. Sie ward so krank, daß man sie wieder nach Frankfurt zurückbringen mußte. Ueberzengt, daß Wiedergenesung unmöglich sei, bereitete sie sich auf die majestätische Gegenwart des Todes vor. Ihre größte Sorge war die Mutter zu deschwichtigen. Im Alter von 31 Jahren starb sie, beklagt von allen, die sie kannten. Am 16. September 1847 wurde Grace Aguilar auf dem Friedhofe zu Frankfurt a. M. begraben*), fern von England, welches sie so sehr liebte. Zu früh, wahrlich zu früh, ward das junge Leben fortgerufen. Alle sprachen mit Achtung von ihr, aber für diejenigen, welche sie kannten, reicht jedes Lob nicht an ihr Verdienst. In ihrer besonderen Stelle in der Litteratur hinterläßt sie eine Leere, welche so bald nicht äusgefüllt werden wird. Und *) Der Freundlichkeit des Herrn Elias Ullmann verdanken wir die Abschrift der englischen Grabschrift, die neben Prov. 3l, 3l noch Namen, Geburts-und Todestag der Verstorbenen enthält.

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