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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-01-01 · Heft 1 (1.1.1887) · p. Seite 7

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 1 (1.1.1887)
Date
1887-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 an. Logisch gesprochen, mußte ein solches Ereignis zu der Unterdrückung der Opfer führen, aber selten wird das absolute Ideal erreicht; schwer werden aus einem Volke demselben teuer gewordene Gewohnheiten verbannt, welche national geworden sind. Aber mindestens bleibt der Geist, der Geist der Propheten, der der Geist Israels selbst ist. Nach der Gefangenschaft finden wir ihn noch treffender ausgedrückt als je in den bewundernswerten Autoren des fünften Jahrhunderts v. Ehr-, deren Traum eine der ganzen Menschheit gemäße Religion ist. Solange eine Religion in materieller Praxis besteht, können nicht alle Nationen sie annehmen; jede Nation hat ihre Praxis — warum sie ändern? Aber eine Religion, welche in dem reinen Ideale der Moral und des Guten besteht, eine solche Religion ist gut für die ganze Welt. Und diese Religion zeigt sich unaufhörlich bei den alten Propheten; diese gereinigte Religion Israels wird die Religion des menschlichen Geschlechtes werden. Hier ist nicht von einer besonderen Religion die Rede, hier ist die Rede von einer universellen Herrschaft des Rechtes. Die Herrschaft des Rechtes, ja, das ist der Traum der alten Propheten, das Ideal, welches in ihrem Wirken erscheint. Das Ideal ist nicht vollständig realisiert — das Ideal wird dies nimmer — aber der hartnäckige Glaube, daß, Dank Israel, Recht auf Erden herschen wird, wird in dem Geiste des frommen Juden eine Art eingewurzelter Ueberzeugung. Dies ist es, worin die wunderbare Originalität der Propheten besteht; dies ist der Kern reiner Religion, welche von der ganzen Menschheit angenommen werden muß. In dieser Hoffnung einer Aera des Rechtes für die arme Menschheit, ausgedrückt durch die edlen Propheten des achten Jahrhunderts v. Ehr., liegt der Grund des Christentums. Schon die sibyllinischen Gedichte, diese apokryphischen Werke der alexandrinifchen Schulen, von denen ein mysteriöses Echo den Dichter Virgil erreichte, verkünden eine Zukunft des Glückes, des Friedens, der Brüderlichkeit. Dieses irdische Paradies wird der Welt durch Israels Religion gewonnen werden. Die ersten Gründer des Christentums würden auf die Frage, ob sie sich von dem jüdischen Volke trennen wollten, geantwortet haben: „O, nein! Wir setzen die Reihe der Inspirierten Israels fort, wir sind die wahren Nachfolger der alten Propheten!" Sie wollten das.Gesetz erfüllen, nicht unterdrücken. Paulus, dessen älteste Epistel ungefähr dem Jahre 54 n. Chr. angehört, giebt darüber die positive Gewißheit. Hier wird die Trennung augenscheinlich und doch beteuert er unaufhörlich, daß er die alten Verheißungen für seinen Glauben nicht aufgiebt, daß er nur wünscht, das Judentum zu erweitern, um alle Völker in dasselbe aufzunehmen. In der primitiven Kirche wird Paulus für einen Ketzer gehalten. Nun sind die ersten christlichen Urkunden sämtlich jüdisch-hebräisch geschrieben und sie wurden in den Synagogen auch gelesen. Dasselbe ist mit der Apokalypse Johannis der Fall. Dieses Buch, Ende 68 oder Anfang 69 geschrieben, ist im hohen Grade ein jüdisches Buch. Der Autor ist ein Zelote für jüdische Nationalität. Sein Ideal ist die „geliebte Stadt Jerusalem", die damals nahe vor ihrer Zerstörung stand. Er träumt ein Jerusalem strahlend von Gold, Perlen, und Edelsteinen. Keiner ist mehr Jude als der Autor der Apokalypse. Unmittelbar nach der Zerstörung Jerusalems fand die Zusammenstellung der Evangelisten, Synoptiker genannt, statt. Der Geist dieser Bücher ist in einer Art ein doppelter. In allen christlichen Biichern ist ein Wort, welches eine christliche Idee giebt, von dem moralischer Standpunkt der Evangelisten; es ist das Wort „dypsychos*, „was

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