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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-01-01 · Heft 1 (1.1.1887) · p. Seite 6

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 1 (1.1.1887)
Date
1887-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Dies ist der Ruhm Israels, das große Geheimnis, dessen Hüter es ist, daß in seinem Schooße sich der Uebergang von der primitiven Religion voll ungesunden Aberglaubens zu der reinen, und wie man sagen kann, endgültigen Religion der Menschheit vollzog. Die primitive Religion muß an der Rohheit der frühesten Menschheit Teil genommen haben. Sie war eine vollständig selbstsüchtige Religion. Ihre Anhänger malten sich Gott oder die Götter als mehr oder weniger den Menschen ähnlich und sie versuchten die Gottheit oder die Gottheiten zu gewinnen, wie man Menschen gewinnt, das heißt, durch Gaben und Geschenke. Sie suchten sich in ihre Gunst einzuschmeicheln, indem sie ihnen etwas Angenehmes boten, besonders Opfer, welche sie ihnen willkommen glaubten. Es war vornehmlich eine Jnteressenreligion. Der Mensch war von unbekannten Schrecken umringt und suchte die Gunst dieser unbekannten Ursachen auf listige Weise zu erreichen. Die Inschrift von Mesa im Louvre zeigt uns den Gewissenszustand eines Königs von Moab aus dem Jahre 900 v. Ehr. Mesa bietet Opfer, er versucht dem Gotte Chamos angenehm zu sein, welcher als Entgelt hierfür ihm siegen hilft und ihn beschützt. Warum ist also Mesa der Liebling des Chamos? Weil er moralisch ist? Der Gott Chamos schien nicht durch solchen Beweggrund geleitet zu werden. Mesa scheint nicht sehr moralisch gewesen zu sein. Aber betrachten wir einmal den 15. Psalm, welcher wie die meisten Psalmen keine Zeit angiebt, aber in dem wir sehr alte Ansichten wiederfinden. Der Psalmist fragt, was man thun solle, um von Gott beschützt zu werden, sein „Ger", sein Nachbar, zu sein. Diese Beziehung eines „Gers" zu dem Gotte, welchem er dient, ist sehr klar gemacht durch die phönizischen Inschriften, verglichen mit gewissen arabischen Ausdrücken: Der „Ger", der Nachbar eines Gottes, lebte nahe dem Tempel dieses Gottes; er war sein Tischgenosse, nahm Teil an dem Festmahle, welches von der Opfern herrührte. Der Nachbar Gottes war so von dem Schutze Gottes gedeckt, welcher gleich zwei großen Fittigen sich über den Tempel ausbreitete. Auch bei den Phöniziern sehen wir nicht die „Gerim" sich diese Gunst Gottes durch Moral erwerben. Über die Eigenschaften eines Schützlings und Nachbarn Jahves, des Gottes Israels, sagt uns der 15. Psalm: „O Herr, wer verdient es der „Ger" deines Hauses zu sein? Wer verdient auf deinem heiligen Berge zu leben? Derjenige welcher aufrecht wandelt, Recht ausübt, In seinem Herzen Wahrheit redet. Mit seiner Zunge nicht verleumdet, Nie seinem Nächsten Böses thut, Nicht seinen Mitmenschen schmäht, Nicht Bestechung annimmt, die Unschuld zu verletzen!" Der "Ger" ist hier ein Beschützter Gottes, weiterem redlicher Mensch ist. Israel hat diesen Gedanken zuerst ausgesprochen. Ein anderer Text, der ein Datum besitzt ist das erste Kapitel Jesaias. Hier ist ein ganz verschiedener Gott von demjenigen Mesas und aller Götter des Altertums. Moral tritt in die Religion ein, Religion wird Moral. Das Verlangte ist nicht niehr ein materielles Opfer. Die Richtung des Herzens, Redlichkeit der Seele ist Gottesdienst. Ungefähr 725 v. Ehr. sind diese Worte gesprochen. Sie kündigen die Ankunft der wahren Religion unter den Menschen

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