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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-01-01 · Heft 1 (1.1.1887) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 1 (1.1.1887)
Date
1887-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Frömmigkeit ist wertlos, so sie nicht auf die Befestigung unseres sittlichen Bewußtseins, auf die Veredlung unserer Gesinnung und unserer That einen bestimmenden Einfluß übt. Was den ■ Glaubenstreuen zur Heit der Makkabäer einen solchen Widerwillen gegen die ihnen aufgenöttgte heidnische Lehre einflößte, das war der Uebermut und die Hoffart, die geistige Erschlaffung und sittliche Versunkenheit, der Mangel an Zartgefühl und Menschenliebe, wie er durch dieselbe geschaffen' und großgezogen ward. Welch' schöne, herrliche, erhabene, herzerhebende Lehren der Tugend sind aber in dem Judentume der Menschheit verkündet worden! Ja, in wenigen, kurz aneinandergedrängten, tief in das Herz dringenden geisterhellenden Worten wird da eine Lehre des Rechtes und der Tugend gepredigt, die, wenn sie in's Leben dringt und allerseits bethätigt wird, alles Elend bannen und unendliches Heil schaffen muß. Die Lehre des Judentums war ihrem Geiste und Wesen nach immer dieselbe, die einer unveränderlichen Wahrheit, und wenn die Menschheit auch auf allen Gebieten der Erkenntnis neue Erfahrungen gesammelt und weitere Fortschritte gemacht hat, auf dem der Tugend und Sittenlehre ist sie über die Wahrheiten des alten Judentums nie hinausgekommen, da bedeutet vielmehr die Rückkehr zu ihnen den heilsamsten Fortschritt, den verheißungsvollsten Aufschwung. Erwecken wir gleich den Makkabäern in uns den Mut, unseren Glauben zu bekennen, unsere Ueberzeugung zu bewahren, die Lehre unserer Väter zu würdigen, den Namen unseres Gottes zu heiligen! Verachten und verleugnen wir uns nicht! stärken wir das in uns ganz berechtigte jüdische Selbstgefühl! blicken wir mit heiliger Ehrfurcht auf die große Geschichte unserer Vergangenheit zurück! denken wir daran, daß wir der Menschheit Propheten und Psalmisten, Männer von unvergleichlicher Weisheit und Frömmigkeit gegeben haben, daß Israel noch bis auf den heutigen Tag die einzige Glaubensgemeinschaft ist, in der die heiligsten Gedanken der Menschheit in ihrer vollen lichten Reinheit gepflegt und bewahrt werden! Dann wird das Licht unseres Heiles uns erblühen, es wird das Licht der Wahrheit, Gerechtigkeit und Geistesfreiheit weit hinaus strahlen in alle Kreise der Menschheit, daß sie um dasselbe sich schaart und einigt, und geheiligt wird der Name des Ewigen, unseres Gottes, für und für. Gin Ghrist über die ursprüngliche Hkeichhett und allmähliche Trennung des Judentums und Ghrifleniums. Über dieses Thema hielt jüngst der gelehrte Akademiker Renan einen Vortrag in der Gesellschaft für jüdische Studien in Paris, dessen Inhalt weiteren Kreisen zugänglich gemacht zu werden verdient, sowohl wegen der hohen Wichtigkeit des Stoffes als wegen der Art der Behandlung desselben. Folgendes war beiläufig der Inhalt seiner diefdurchdachten mit vielem Beifalle aufgenommenen Rede: Die jüdischen Studien gehören der ganzen Menschheit an. Alle Glaubensrichtungen finden hier das Geheimnis ihres Ursprungs. Die heiligen Schriften Israels bilden die intellektuelle und moralische Nahrung der zivilisierten Menschheit. Auch das Christentum hat seinen Ursprung im Judentum. Sein Anfang sollte eigentlich in das Jahr 750 v. Chr. verlegt werden, in die Zeit da die großen Propheten erschienen, die Schöpfer einer gänzlich neuen Religionsidee.

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