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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-01-01 · Heft 1 (1.1.1887) · p. Seite 4

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 1 (1.1.1887)
Date
1887-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 unsterbliche Geist des Judentums schafft sich schon seinen Ausdruck und seine Gestaltung, wenu wir ihn nur in seiner Wahrheit und Reinheit in uns ausgenommen haben. Blicken wir einmal auf die Zeiten zurück, von denen das Chanurah- Fest uns ein Bild und ein Zeugnis giebt. Das war eine merkwürdige Zeit der Wandelung und des Ueberganges im Judentume. Damals übte man die herkömmlichen Satzungen mit einer peinlichen Genauigkeit, mit einer blinden Unterwürfigkeit, mit einer in das Weiteste gehenden Folgerichtigkeit, wie es niemals früher mit ihnen so gehalten wurde. So setzten zum Beispiel Tausende,welche vor den Schergen des Antiochus Epiphanes in Höhlen geflüchtet waren, als sie einmal an einem Sabbate angegriffen worden, dem Feinde keinerlei Widerstand entgegen und weihten sich eher dem Tode, als daß sie hätten am Sabbat das Schwert ergriffen. Als Matatia von dieser schauerlichen Selbstaufopferung hörte, da drang er, derselbe Matatia, der aus Begeisterung für die Lehre der Väter zum Freiheitskampfe aufgefordert hatte, auf die Abstellung solch eines unzeitgemäßen Gesetzes und vereitelte so den Plan der Feinde, stets am Sabbate die jüdischen Schaaren anzugreifen. Diese Thatsache ist sehr belehrend für den Geist, mit dem das jüdische Gesetz gehandhabt wurde, für die Entwickelungsfähigkeit unserer Lehre. Nicht der Buchstabe und der Wortlaut des Gesetzes, sondern sein Sinn, sein Zweck, sein Segen ist in's Auge zu fassen. So eine Satzung mit den Verhältnissen des Lebens entschieden unverträglich, so sie der Entfaltung der Lehre mehr hinderlich als förderlich ist, hat sie auch insoweit ihre Berechtigung verloren, ihre Verbindlichkeit eingebüßt. Die Beschäftigung mit der Lehre, die Vertiefung in den Geist des Judentums, die Erforschung seiner Geschichte und seiner Entwickelung zeigt uns dasselbe erst in rechtem Lichte, lehrt uns dasselbe achten, lieben und erhalten. Erlischt auch sa manche Satzung, welche früher ein Licht auf der Bahn unserer Entwickelung gewesen, so findet der Geist der Lehre stets wiederum neue junge Formen, in denen er sich selbst verjüngt und erneuert. So ist ja das Chanukahfest selbst nur eine spätere Einrichtung, die weder durch die schriftliche noch durch die mündliche Lehre geboten sein konnte, allein sie war in dem Geiste des Judentums getroffen worden, sie war notwendig, um einen großen Gedanken unserer Lehre auszuprägen und festzuhalten. Ist es uns in Wahrheit darum zu thun, daß die Lehre unserer Väter, daß die göttliche Lehre der Wahrheit und der Tugend uns erhalten bleibe, dann darf immerhin manch welkes Blatt von den Stürmen der Zeit davongetragen werden. Wenn wir von der Trefflichkeit dieser Lehre überzeugt, wenn wir für die Erhaltung dieser Lehre begeistert, wenn wir Sinn und Liebe und Verständnis und Teilnahme für sie haben, wenn wir einig, ehrlich und eifrig an ihrer Pflege und Förderung arbeiten, dann wird einst der Segen Gottes unser Werk krönen und in Zukunft der Dank der ganzen Menschheit uns belohnen, dann werden wir selbst das unendliche Heil, das sie in sich trägt, verstehen, empfinden und besitzen. Ja die Lehre Israels trennt eben, weil sie das Licht der Wahrheit in sich trägt, die Religion nicht von dem Leben, sie ist selbst die Lehre des Lebens, des Lebens auch auf der Erde und es soll hienieden ihr Segen sich bewähren, es soll durch sie die Wohlfahrt unseres Daseins geschaffen, erhöht und gefördert werden. Eine Leuchte ist das Gebot und ein Licht die Lehre, sie zeigt uns den Weg des Lebens, sie giebt uns die Weisung zur Tugend. In dem Rechts- und Sittengesetze gipfelt der ganze Inhalt unsrer Lehre und aller Glaube und alle

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