Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1885)
- Date
- 1885-12-01
- Page
- Seite 283 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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283 Meldung aus Kischenew fand in Pesin, im Distrikt Orgejew, am zweiten Tage des jüdischen Laubhüttenfestes ein ernster Zusammenstoß zwischen Juden und Moldauern statt. Die Ruhestörungen dauerten den ganzen Tag und es wurden auf beiden Seiten viele Personen verwundet. Nach Wiederherstellung der Ordnung leiteten die Behörden unverzüglich eine Untersuchung des Vorfalles ein. — Wie einige Blätter melden, ist für die polnischen Gouvernements eine besondere Judenkommission unter Vorsitz des Baron Mengden ernannt worden. Dieselbe wird sich vornehmlich mit der Untersuchung über das Recht des Erwerbes von Grund und Boden außerhalb der Städte, der Güterpachtung, des Waldankaufs, des Hausirens und Schankstättehaltens auf dem Lande, der Theilnahme an der Gemeindeverwaltung, der Niederlassung in den Grenzbezirken und einigen anderen Freiheiten zu beschäftigen haben. Die Kommission soll demnächst ihre Thätigkeit beginnen. — Herr Missotzky hat Rechnung über die ihm gelegentlich seines Aufenthaltes in Palästina überlieferten Gelder, sowie über die gemachten Ausgaben gelegt. Im Ganzen verfügte Herr Wisfotzky über 54,560 Francs. Davon hat er 23,826 Francs für die Kolonien verausgabt, 30,000 Francs übergab er vor seiner Abreise dem Obmanne des Executiv-Comit6s in Jaffa, Herrn A. Muyal, während 734 Francs in seinen Händen verblieben. — Großfürst Wladimir Alerrandrowih, der jüngste Bruder des Russischen Kaisers, küsste bei seiner Durchreise in Borisaw die Thora-Rolle, die eine jüdische Deputation ihm entgegenbrachte. Die Zeichen der Huldigung, Brod und Salz, nahm er freundlich entgegen. — In Luck hat eine Schauspielertruppe am zweiten Tage des Laubhüttenfestes „Gestalten aus dem Leben der Juden" zur Aufführung gebracht. Die anwesenden Juden haben durch ihr Lärmen und Zischen es bewirkt, daß die sie beschimpfenden Bilder nicht zn Ende geführt werden konnten. — In Kamiontra beteiligte sich bei dem Begräbnisie des christlichen Arztes Dr. Ignati Glnmbowsky, der edel und wohlthättg, ohne auf die Konfession Rücksicht zu nehmen, wirkte, wie „Hamelitz" berichtet, anch die jüdische Gemeinde. Am Friedhofe sang Herr Benjamin Chersonslry den 39. Psalm in ergreifender Weise. — Der Fürst von Bulgarien hat verfügt, daß die ostrumelischen Juden nicht zum aktiven Militärdienst herangezogen werden, dagegen eine Kriegssteuer leisten sollen. Es leben in Bulgarien unter 2 Millionen Einwohnern 8,959 Juden, welche zumeist spanischen Ursprungs sind. Die Juden der Hauptstadt Sofia bilden die älteste Kolonie des Landes. Witteikunge«. Am 4. Oktober feierte Herr Alexander Iedrrbaum in It. Petersburg sein 25 jähriges Jubiläum als Herausgeber der Zeitschrift „Hamelitz". — Der Schriftsteller M. f. Lilienblum in Odessa hat die Redaktion einer in Jargon geschriebenen zwanglos erscheinenden Zeitung „der Wecker" übernommen. — Der Verein zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in St. Petersburg zählt von 4 Millionen jüdischen Einwohnern in Rußland nur an 400 Mitglieder. Es ist dies der beste Beweis, wie notwendig ein solcher Verein für Rußland und wie groß das zu bearbeitende Feld ist. — Die von Herrn Prof. Hermann L. Strack herausgegebene Zeitschrift „Nathanael" soll zu erscheinen 25*