Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1885)
- Date
- 1885-12-01
- Page
- Seite 282 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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282 auf alle mögliche Weise mißhandelt. — Herr Professor Rohling hat den Wahrspruch der Geschworenen nicht abgewartet, sondern durch Zurückziehung seiner Klage gegen den Reichsratsabgeordneten Dr. Mach sich selber das Urteil gesprochen. Mit Recht schreibt Dr. Bloch: „Gleich jenem Delinquenten, der in namenloser Angst vor der öffentlichen Justificirung in der einsamen Zelle sich erhängt, so hat Prof. Rohling, um der moralischen Hinrichtung vor dem Schwurgerichte zu entgehen, selber das Urteil an sich vollzogen!" Es steht nun fest, daß der k. k. Prof, des hebräischen Altertumes zu Prag nicht das wissenschaftliche Vermögen besitzt, eine einzige Zeile hebräisch korrekt zu lesen, daß der fromme katholische Priester thatsächlich falsche Eidesleistungen vollzogen und wiederholt den Meineid dem Gerichte angeboten hat. Auch Rohling's Helfershelfer, Brimanus aus Kostniesti in Rumänien, wurde, nachdem er am 7. September die ihm wegen Betruges zuerkannte zweimonatliche Kerkerstrafe abgebüßt hat, über die Grenze gewiesen. Die Helden des Antisemitismus, die mit den Waffen der Wissenschaft kämpfen wollten, sind gefallen, gehören zu den Toten. — Die Gemeinden Bade», Gndingen, Lu;ern und Lengenau haben Herrn Dr. Ehrmann aus Trier zu ihrem Rabbiner erwählt. Für letztere Gemeinde diirfte dies sich als sehr segensreich erweisen. — Aus Constanline (Algier) wird gemeldet: Bei einem zu Ehren der opportunistischen Deputirten gegebenen Punch griff eine Bande von Intransigenten die opportunistische Versammlung an und bewarf dieselbe mit Steinen unter den Rufen: „Tod den Juden!" — Aus Kopenhagen wird uns mitgeteilt, daß Herr Rabbiner Prof. Dr. A. A. Wolff schon vor 59 Jahren vom Großherzog Ludwig I. zum Rabbiner von Gießen ernannt wurde und daß derselbe in das sechzigste Jahr seines Rabbineramtes eintrete. Gepredigt hat Wolff schon im Jahre 1820 und ist auch seit diesem Jahre als jüdischer Schriftsteller thätig. Er war ^er erste graduirte Doktor, der in Deutschland zum Rabbiner berufen wurde. — Wie aus einer Brochüre „The Conversion of Lydia Montefiore, aunt of the late Sir Mosob Montefiore“ hervorgeht, war jftjbia Montefiore, die Tante Sir Moses, zum Christentum übergetreten. Die Brochüre enthält zwei Briefe der Tante an ihren Neffen, geschrieben in Marseille 16. März und 23. Oktober 1857. — Die Streichung gewisser Gebetstücke in der Dalston-Synagoge zu London hat einige Mitglieder zum Austritte aus dieser Synagoge veranlaßt. — Am nächsten Chanukkah-Feste werden es 25 Jahre sein, seitdem Herr Dr. Simon Leon Schwabacher, früher in Lemberg, als Rabbiner nach Odessa berufen wurde. Er ist der hervorragendste Rabbiner Rußlands, gleich ausgezeichnet als Kanzelredner wie als Schriftsteller. — In Rußland lastet die Fleischsteuer, durch welche die Bedürfnisse der Gemeinden gedeckt werden, sehr auf dem armen Teil der jüdischen Bevölkerung. Einige Journale treten für Aufhebung dieser Steuer ein, unter Hinweis ans die Gemeinde Marschau, welche ihr Budget von 60,000 Rubel jährlich ohne diese Steuer deckt. — In Plonsk wünscht der Gubernator Tscherkafiow eine gr. katholische Kirche. Von allen Seiten regnet es Spenden dazu. Die jüdische Gemeinde steht voran und geht sogar so weit, daß sie den nötigen Baugrund kauft und schenkt; dazu noch 1000 Rubel für die Glocken! Der erbliche Ehrenbürger Koppelmann giebt 300 Rubel, schenkt aus seiner Fabrik alles nötige Eisenwerk, sowie die Kreuze, Säulen und Treppen. — Im Dorfe Poniemun Phasen (Kreise Mariampol) kam es zu argen Judenkrawallen und entspann sich, als die Polize einschreiten wollte, ein Handgemenge zwischen diesen und den Krawallmachern, so daß zuletzt geschossen werden mußte. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet. — Nach einer