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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-12-01 · Heft 12 (1.12.1885) · p. Seite 281

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 12 (1.12.1885)
Date
1885-12-01
Page
Seite 281 (sequence 17)
Language
German
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281 % der Synagoge eine Schlägerei stattfand. Der Rabbiner mußte mitten im Vorlage die Kanzel verlassen. — In Prestburg sprach der Herr Oberrabbiner an -tzkn heiligsten Tagen iiber Frauenbad und Aehnliches. — Der Klub der Polen fort Reichsrate hielt jungst in Wie» eine Sitzung ab. Bei dieser Gelegenheit warnte Eanonicus Kuczka in einer wirkungsvollen Rede vor einer jeden, selbst oberflächlichen Verbindung mit den Antisemiten, deren verwerfliche Tendenzen er mit den schärfsten Worten geißelte. Nie und niemals werde er es zugeben — und er hoffe sich diesbezüglich in Uebereinstimmung mit dem Klub zu befinden — daß die bürgerlichen Rechte und Freiheiten für die eine oder andere Nation oder Konfession aufgehoben oder auch nur eingeschränkt werden. — „Als Christ und Geistlicher, — rief der Redner aus — habe ich den Antisemitismrls stets verdammt; denn zwischen den Antisemiten und den echten Christen besteht eine Kluft, die nie und nimmer überbrückt werden kann." — In Kierling, einem zumeist von Juden besuchten Kurorte, versanimelte sich eine Menge, bestehend aus Bauersleuten, vor dem Hause Nr. 130, wo mehrere israelitische Kurgäste am 11. September ihre Andacht verrichteten, und fing an Krawalle zu machen. Im Anfänge blos mit den Worten: „Die Juden müssen alle umgebracht werden, die Juden sind Hunde u. s. w." Zuletzt fingen sie an, mit Steinen zu werfen, und es wäre sehr weit gekommen, wenn nicht in aller Eile der Bürgermeister in Begleitung des Volksschullehrers herbeigeeilt wäre, um mit Energie die Bauern auseinander zu treiben. — In der jüngsten Ausgabe des Lesebuches von Medcrgefiijj für die erste Bürgerschulklasse fehlt in dem" schönen Gedichte „Der Löwenritt" die Strophe „Gleich der Wolke, deren Leuchten Israel im Lande Jemen führte, wie ein Geist der Wüste" u. s. w. Ein Beweis, daß der Antisemitismus auch in Lehrbüchern zu spucken beginnt. — Herr M. Marr bezeichnte jüngst im „Volksfreund" die spanische Nation als eine „semitische Horde", die von „Kleinasiatischer Wildheit" geleitet wird. General Zalamanca und Cakelar werden zu Semiten, zu Spaniern aus Kleinasien gestempelt. Das ist denn doch eine an Narrheit gränzende Marrheit! — Auf eine Interpellation Grocholsky's im Abgeordnetenhause zu Wien wegen der Ausweisung österreichischer Unterthanen aus Preußen erwiderte der Ministerpräsident Graf Taaffe, daß nach eingeholter Auskunft die preußische Regierung die Ausweisung als eine rein interne durch Verschiebung der konfessionellen und sprachlichen Verhältnisse hervorgerufene Maßregel betrachte. Der „Osservatore Romanv" behauptet auf Grund einer Wiener Information, daß die Ausweisungen nicht gegen die Katholiken, sondern gegen die Juden gerichtet seien. — Der Prin; von Wales sprach sich zu Prof. Bamstery in Budapest sehr abfällig über den „WestungarischenGrenzboten" aus, der den Juden jeden Patriotismus abspricht. — Die beiden neuernannten Herrenhausmitglieder, Dr. Hirschler und Karl Zvab in Budapest, sollen in einem Gespräche mit einem hervorragenden Kirchenfürsten im Herrenhause eine derartige Unwissenheit über das Judentum an den Tag gelegt haben, d«ß dieser die Aeußerung gethan haben soll: „Für das Herrenhaus sind Sie aute Vertreter, aber wenn die Regierung Sie erwählen würde um in jüdi- Men Glaubenssachen mitzuraten, dann würde ich Ihre Wahl aus allen Kräften verhindern, weil Ihnen jede Kenntnis in Bezug auf den jüdischen Glauben ab- «ht." Herr Karl Svab soll sogar von einem Herrn Schulchan Aruch gebrochen haben, einem Rabbiner von vor dreihundert Jahren. Diese Thatsache Mnzeichnet das jüdische Laientum, das leider ohne jede Kenntnis und Verständnis auch hierzulande überall das große Wort führen möchte und das Judentum 25

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