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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-12-01 · Heft 12 (1.12.1885) · p. Seite 273

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 12 (1.12.1885)
Date
1885-12-01
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
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273 größer und oft ganz andere wurden, als die Schüler selbst die in den inzwischen halb verödeten, alten Lehranstalten gewonnene Bildung als unzureichend erkannten, da dnrchtönte das Lager Israels der Ruf nach neuen Hochschulen, nach Lehranstalten, welche dem Znge und der Bildung des Jahrhunderts angemessen wären, welche in Form und Lehrweise auf der Höhe der Zeit stünden, welche Rabbiner und Prediger heranzubilden vermöchten, wie sie die Gemeinden wünschten und nötig hätten. Norditalien war das erste Land, welches den Mahnruf verstand und der Aufforderung entsprach. In Folge einer Verordnung der Regierung, welche bestimmte, daß nur Rabbiner anzuste'llen seien, welche philosophische Studien zurückgelegt hätten, traten die Gemeinden der Lombardei und Venedigs zusammen, und gründeten das rabbinische Collegium in Padua. Sie verpflichteten sich, ihre Rabbinen nur diesem Institute zu entnehmen. Dieses hatte die Einrichtung eines sonstigen religiösen Seminares. Die Hörer fanden in demselben auch Verpflegung und Versorgung, welche sich sogar auf die Verabreichung der Gewandung in jeder Jahreszeit, viermal im Jahre, ausdehnte. Die Lehrweise selbst entsprach den Anforderungen der Wissenschaft. Selbst die Lehre der talmudischen Praxis wurde nach dem systematischen Werke Moses Mainiunis vorgenommen. Bei jedem Satze wurde vermerkt, was der Usus und die Weiterbildung der Gesetzeserklärung an jenen Entscheidungen Mainiunis geändert habe. Die Bibelerklärung, die hebräische Grammatik, die jüdische Geschichte, Glaubenslehre und Ethik ruhte in der Hand Samuel David Luzzatos. Das Lehrhaus erschloß sich im Jahre 1829 zuerst 4 Hörern. Diese waren aber mit der Kenntnis der Philosophie und der Naturwissenschaften ausgerüstet und hatten eine gute Vorbildung aus den rabbinischen Fächern. Alles, bis auf die Ordnung der rigorosen Schlußprüfungen, bis auf die Bestimmung, daß jeder entlassene Kanditat, bevor er ins Amt tritt, durch ein Jahr bei irgend einem funktionirendeu Rabbiner assistiren müsse, war genau bestimmt und festgesetzt. x) Wenn das Institut für das Judentum keine zzroße Bedeutung gewann, so ist dies wohl dem Lande, in welchem sich nur wenige jüdische Gemeinden befanden, den geringen Mitteln, welche nur einer kleinen Zahl von Schülern den Zutritt ermöglichten, zuzuschreiben, ebenso der Sprache des Landes, welche die in nördlichen Ländern heimischen Jünglinge von dem Besuche dieses Seminars fernhielt. Für die Wissenschaft erlangte die Schule zu Padua nur durch Luzzato, ihrem großen Lehrer, hohe Wichtigkeit. Was wir diesem Meister verdanken, die gediegenen Erklärungen der heiligen Bücher, welche dem Geiste des Judentums ebenso angemessen sind, wie sie der Forschung der modernen Wissenschaft entsprechen, die eingreifenden lexikalischen Studien auf dem Gebiete der hebräischen und aramäischen Sprache, die grammatischen Darstellungen, welche nicht nur die äußere Bildung der Sprachformen, sondern auch ihre innere Bedeutung hervorheben, das Erschließen von reichen Goldlagern vieler bisher noch nicht zugänglicher Werke der Lehrer, Dichter und Denker des Mittelalters, dies alles ist der bleibende Ertrag der Vorlesungen Luzzato's und seiner Geistesarbeit im Kreise der gebildeten Hörer. Auch in anderer Beziehung steht Luzzato groß und erhaben da, als stiller Dulder, als ein Mann, der bei hartem Kampf und ernster Sorge des Lebens immer ein Held bleibt des Gotteswortes. In seinem stillen Seminar von Kummer und Mangel gebeugt, wird er nicht müde, nach allen ') Briefe Luzzato's Ed. Gräber S. 170. 249.

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