Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1885)
- Date
- 1885-11-01
- Page
- Seite 258 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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258 angeregt fühlen, mit einem jährlichen Beitrag den Unterstiitzungsfond zu bedenken. Auch der D. I. Gemeinde-Bund dürfte solchen Bestrebungen fördernd zur Seite stehen. — Am 24. September beging Herr Rabbiner Dr. Unger in Zglou sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Wir beglückwünschen Rabbiner und Gemeinde nachträglich aus diesem Anlasse. — Herr Dr. M. f. Stern, bisher in Kromau, hat sein Amt als Rabbiner in Triesch angetreten. — Am 16. September wurde in Lemberg der 70 jährige Geburtstag des um die jüdische Gemeinde verdienten Sekretärs Herrn Dr. Lg,iah Massig begangen. — Der Professor des Strafrechtes an der Menet Universität, Herr Dr. Salomon Mayer, wurde zum Regiernngsrat ernannt. — Wie uns aus Ungarn berichtet wird erhielt Herr Alexander Engel in Mnflnrcheu wegen seiner Verdinste um die Industrie den Franz-Josefs-Orden. — In Men starb am 30. August der verdiente Direktor der dortigen Talmud- Thoraschule, Herr Wilhelm Löwit. — Großes Aufsehen erregt in Budapest der aus Odessa an die Rombach-Synagoge berufene Kantor Dachmann, der über seltene Stimmmittel verfügt. — Der Kaiser von Oesterreich hat bei seinem Aufenthalte in Kremstcr, Pilsen und Pozega jüdische Deputierte empfangen und sprach am letzeren Orte die Worte aus: Insbesondere ist es mein Wille, daß jede Konfession ihren Glauben frei ansüben könne und in den ihr zustehenden Rechten von keiner Seite gehindert werde. In Pilsen wurde Herr Rabbiner Dr. Caro zur Hoftafel zugezogen. — Anläßlich der Neujahrsfeier schreibt ein Budapester Blatt: Die geschlossenen Geschäfte, der matte Verkehr, die tote Börse belehren uns wieder einmal, daß der Jude der Sauerteig ist in dem schwerfälligen Teige der christlichen Klasse. — Herr von Mehner, der christliche Oberst des 24. Infanterieregimentes in Wien, hat es beim Korps-Kommando durchgesetzt, daß zwei große 600 Personen fassende Säle in der Rudolfskaserne als Betlokale während der hohen Festtage zur Verfügung gestellt wurden. Der Oberst hat zudem noch 80 Gulden von seinem Gelde zum Ankauf von rituellen Utensilien gespendet. Diese edle That verdient umsomehr hervorgehoben zu werden, als nicht in allen Ländern auf die religiösen Gefühle der Dienenden an diesem Tage Rücksicht genommen wurde. Auch in der Schwei;, in Holland und in Frankreich wurden die Soldaten zu den hohen Festen beurlaubt. — In Papa hat der dortige orthodoxe Rabbiner Dr. Breuer eine Trauung bei einer sehr armen Witwe nicht vollzogen, weil er den durch den der alten Schule angehörenden Herrn Rabbiner Händler von Totis vollzogenen Chalizah-Akt nicht anerkannte. Eine Budapester jüdische Wochenschrift schreibt hiezu: O des orthodoxen Komödiantentums! — In Ungarn sträubt man sich gegen die Einführung jüdischer Mittelschulen, weil man kein neues Ghetto aufführen möchte. — Victor von Astoczy, Dr. Frau; Komlossy und Paul v. Esu;y in Budapest sind zur Gründung einer neuen antisemitischen Partei zusammengetreten und läßt deren im August 1885 in Budapest erschienene Erklärung an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. — Der Generaldirektor der Staatsbahnen Freiherr v. Czedilr in Wien hat einem Stationschef und dessen Assistenten, die in der nächsten Nähe Wiens einen der angesehensten Posten inne hatten und in Antisemitismus machten, durch Versetzung nach Zaivic;, einem elenden Neste in Galizien, Gelegenheit gegeben, durch näheren Umgang mit den Juden, die dort fast allein verkehren, ihre antisemitischen Neigungen abzulegen. — In KulparKow, wo sich die galizische Landes-Jrren-Anstalt befindet, wurde am 1. September ein israelitischer Friedhof durch Herrn Rabbiner Ornstein von Lemberg eingeweiht. — Der Kultusvorstand von Lemberg hat eine Eingabe an das Ministerium gerichtet mit der Bitte, diejenigen Juden von der Einhaltung