Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1885)
- Date
- 1885-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Wonaisschau. Herr Dr. Planer, bisher in Kogasen, wurde als Rabbiner nach Ostroms berufen. — In Berlin starb der Landschaftsmaler Ä. Munk, ein Bruder des verstorbenen berühmten Orientalisten Salomo» Munk. — Am 30. August starb in Posen Herr Kommerzienrat Bernhard Jaffö. — Aus Hamburg berichtet man uns von der am 5. September stattgefundenen Gedächnisfeier für den Präses des Tempel-Verbandes Herrn Morih Fiepman», bei der Herr Prediger Dr. Ftimddrfer unter Zugrundlegung der Worte „Moses ging und ihr steht fest" eine Rede hielt, in welcher die Verdienste des Verewigten gefeiert wurden. — In Lilsa starb ein Jude Namens Lublin im Alter von 92 Jahren, welcher im Jahre 1812 unter Napoleon l. den Feldzug nach Rußland mitgemacht hat. — Aus Danfig schreibt man uns: Hier ist die Errichtung einer neuen Synagoge beschlossen worden, die auch eine Orgel erhalten soll. Die Ausführung des schönen Bauwerkes, welches künftig eine Zierde der Stadt bilden wird, ist einem hervorragenden Architekten übertragen worden. Noch wichtiger als der Bau ist die in ihn« sich verwirklichende Vereinigung der bisher getrennt gewesenen Danziger, Weinberger, Schottländer und Mattenbudener Synagogen-Gemeinden. Diese Vereinigung ist ein wesentliches Werk des Herrn Rabbiners Dr. Denier, dessen mehrjährigen Bemühungen es endlich gelungen ist, das Prinzip der Einheit gegen dasjenige der partikulariftischen Sonderverwaltung siegreich durchzuführen. — Am 21. und 22. August fanden die Einweihungsfeierlichkeiten der neuen Synagoge in Gelsenkirchen statt. Gegen die daselbst zur Hebung des Gottesdienstes aufgestellte Orgel sind eine ganz geringe Zahl von Gemeindemitgliedern bei der König!. Regierung unter Anlage von Gutachten vorstellig geworden, die die Pseudoorthodoxie wegen ihres ebenso unwissenschaftlichen und taktlos gehaltenen Inhalts charakterisieren. Hoffen wir, daß dadurch der Friede in der Gemeinde nicht weiter gestört wird. Was die orgelfeindliche Pseudoorthodoxie in Deutschland für Begriffe von Andacht und Gottesdienst hat, kann man aus folgendem uns aus Aschasfeubiirg zugehenden Berichte ersehen: Am verflossenen Kol-Nidre- Abende wollte ein in Trauer sich befindendes Gemeindemitglied in der Synagoge das übliche Kadisch-Gebet verrichten. Der Rabbiner betrachtete jedoch zuvor die Fußbekleidung des Leidtragenden und verweigerte ihm energisch die Verrichtung des betreffenden Gebetes, weil er lederne Schuhe trug. ( Möchte doch der weise Seelsorger von Aschaffenburg bedenken, daß es int Gottesdienste mehr auf Herz und Geist als auf Schuhe von Leder oder Filz ankömmt. — Neue Synagogen wurden eingeweiht am 29. August in Franlreuthal, am 1. September in Iraustadt und am 2. September in Matz. — Am 29. August beging die Buchhändlerfirma Joseph Aaer und Comp, in Frankfurt a. M. die Feier des hundertjährigen Bestehens. — Die Gemeinde Pleh feierte am 7. September das 50 jährige Bestehen ihres Gotteshauses. Der erst kurze Zeit dort als Rabbiner wirkende Herr Dr. M. ihn tut hielt die Festrede. — Die jüdische Gemeinde in Wittenburg ließ auf ihrem Friedhofe den christlichen Kaufmann Martens begraben und reservierte auch der Frau einen Platz neben ihrem Gatten. Herr Pastor Schmidt hatte nämlich den bei Lebzeiten in eine freie Gemeinde Uebergetretenen nur unter Bedingungen begraben lassen wollen, die die Familie, welche ihren Toten ehrt, nicht annehmen konnte. Als der Kondukt sich vom Sterbehause des Christen nach dem Friedhofe der israelitischen Gemeinde bewegte, begleitete ihn ein so zahlreiches