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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-11-01 · Heft 11 (1.11.1885) · p. Seite 254

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 11 (1.11.1885)
Date
1885-11-01
Page
Seite 254 (sequence 14)
Language
German
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254 mögen zu erwerben. Später gieng er mit seinem Gönner, der zum österreichischen Gesandten in Sachsen ernannt wurde, nach Dresden, wo er sich in den höchsten Kreisen Eintritt zu verschaffen wußte. Er war in allen seinen Unternehmungen so sehr vom Glücke begünstigt, daß es ihm möglich geworden, sich in Dresden einen prachtvollen Palast erbauen und in der Nähe der Stadt ein schönes Gilt kaufen zu können. Selbst den Freiherrntitel wußte er sich zu verschaffen, der ihm aber später wieder genommen wurde. In späteren Jahren jedoch soll er, und zwar in Folge einer nächtlichen Traumerscheinung, seinen irreligiösen Lebenswandel tief und ernstlich bereut haben. Im Alter von 60 Jahren heiratete er auf Anregung der Dresdener Rabbinen ein frommes und tugendhaftes Mädchen, das ihm drei Töchter geboren hatte. Er besuchte fleißig das Gotteshaus, führte einen streng religiösen Lebenswandel und testierte vor seinem am 19. November 1806 erfolgten Tode . mehrere Stiftungslegate zur Erhaltung und Förderung der Humanitären Anstalten und religiösen Institutionen der Dresdener israelitischen Gemeinde. Ein an Scharfsinn und rabbinischer Gelehrsamkeit Jonathan Eibenschitz ebenbürtiger jüngerer Zeitgenosse war R. Jecheskel Landau, Oberrabbiner zu Prag und Verfasser der berühmten Rechtsgutachten „Noda Bijehuda". Jecheskel, der einzige Sohn des reich begüterten und gelehrten R. Juda Landau, wurde am 6. November 1713 in Opatow geboren. Frühzeitig wurden ihm die Pforten ‘ der rabbinischen Wissenschaften erschlossen, in welchen er es zu einer solch' staunenswerten Fertigkeit gebracht hatte, daß er in seinem zwanzigsten Jahre zum Präsidenten der in Brody damals bestandenen vier rabbinischen Gerichtscollegien ernannt wurde. Ein Decenium später wurde er als Rabbiner nach Jampol in Podolien berufen. Während der Zeit, als er dieses Rabbinat bekleidete, wurde auch an ihn, obgleich er keiner hervorragenden Gemeinde als Rabbiner Vorstand, in der Emden-Eibenschitz'schen Fehde appelliert. Er trat als Vermittler auf und sein in ruhiger, gemessener, dem Zweck entsprechender Sprache abgefaßtes Gutachten verfehlte nicht die erhitzten Gemüther zu besänftigen und zu beruhigen und das Feuer der Zerklüftung, das bereits lichterloh emporflackerte, zu dämpfen. Im Jahre 1754 wurde Landau von der Prager Gemeinde per Acclamation zu ihrem Oberrabbiner ernannt, welches hochwichtige Amt er ungefähr 40 Jahre lang takt- und wiirdevoll bekleidet hatte. Von allen Seiten strömten schaarenweise wißbegierige Jünger herbei, um auf seine scharfsinnigen talmudischen Vorträge mit gespanntester Aufmerksamkeit zu lauschen. Trotz seiner strengen ascetischen Lebensweise war er tolerant und milde und ein entschiedener Feind jedes Obskurantismus und Fanatismus. Wie die Anhänger der Sabbathäer waren ihm auch die Chassidäer oder „Beschter" in der tieften Tiefe seiner Seele verhaßt. Wie Ezechiel Landau in Prag entfaltete ein anderer Zeitgenosse Jonathans in Wilna eine überaus segensreiche Thätigkeit auf dem Gebiete der rabbinischen und religionsphilosophischen Literatur. Es war dies der berühmte und allgemein gefeierte R. Elia Wilna, der gewöhnlich der „Gaon" genannt wurde. R. Elia Wilna (geb. 1720, gest. 1797), der bereits in seiner frühesten Kindheit der Gegenstand allgemeiner Bewunderung gewesen ist, da er mit 13 Jahren schon ein gründlicher Kenner der talmudischen Literatur sowohl als der kabbalistischen Mystik und der Astronomie. Geometrie und Grammatik gewesen sein soll, war kein beamteter Rabbiner, denn er wollte „die Lehre weder als Krone gebrauchen, um sich damit zu schmücken, noch als Scheit, um damit zu graben." Nichtsdestoweniger galt er als die erste rabbinische Autorität seiner

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