Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1885)
- Date
- 1885-11-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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253 rabbiner der deutschen Gemeinde zu Amsterdam, einem Schwager Emdens, und Salomon Helman, dem Nachfolger Jonathans im Rabbinate zu Metz, gefunden hatte. Der Gemeindevorstand nahm sich seines allverehrten Rabbiners Jonathan auf das Wärmste an und es entstand nicht blos in den drei Gemeinden sondern auch innerhalb der ganzen Jndenheit eine furchtbare Zerklüftung, die heillosen Schaden anrichtete. Emden würbe von dem Vorstand der drei Gemeinden in den Bann gelegt, alles mied ihn wie einen Aussätzigen, er sah sich in Folge dessen genöthigt, bei Nacht und Nebel Altona zu verlassen. Er floh nach Amsterdam, wo er längere Zeit verblieb, bis ihm die dänische Regierung die Rückkehr gestattete. Der Kampf hörte noch lange nicht auf, nahm vielmehr größere Dimensionen an. Die hervorragendsten Rabbinen der damaligen Zeit beteiligten sich an demselben, die Einen stimmten pro, die Andern contra Eibenschitz. Als endlich die dänische Regierung in die Situation recht thätig eingriff, wurden die Gegner Jonathans zum Schweigen gebracht. Die polemischen Schriften, die . dieser schmähliche von der geistigen Verkommenheit der damaligen Zeit zeugende Kampf hervorgerufen hatte, beweisen zur Genüge, wie weit selbst die edelsten und würdigsten Menschen von der Bahn der Sittlichkeit, Moral. Tugend, Menschenfreundlichkeit und Brüderlichkeit ablenken können, wenn sie sich von Aberglauben, Vorurteilen und Fanatismus wie vom Neid, Haß und Scheelsucht leiten und bestimmen lassen. In seiner Schrift „Luchot Edut" veröffentlicht Jonathan viele Briefe, in welchen die hervorragendsten und gefeiertetsten rabbinischen Autoritäten des vorigen Jahrhunderts für ihn Partei ergriffen, ihn als völlig unschuldig und das Treiben seiner erbitterten unversöhnlichen Gegner als eine natürliche Folge des Neides und des Hasses erklärt und auf das Entschiedenste, verpönt und verurteilt haben. Am 20. September 1764 wurde Jonathan in einem Alter von 74 Jahren von seiner irdischen Laufbahn abberufen. Sein Tod hatte allgeineine Sensation hervorgerufen. Ueberall wurden Trauerfeierlichkeiten veranstaltet und Jonathans Verdienste wie seine ungewöhnlich große talmudische Gelehrsamkeit in den üblichen Trauerreden gewürdigt und gefeiert. Die bedeutendsten Schriften Jonathans, durch die er sich um die rabbinische Literatur verdient gemacht, sind: „Bne Ahuba", Erläuterungen über jüdische Ehegesetze, „Urim ve Thumim", Abhandlungen über jüdische Rechtslehre, „Krethi und Plethi", Kommentar zu Kodex llore Dsab rc. rc. Sein Antagonist R. Jakob Emden überlebte ihn um volle zwölf Jahre. Er starb, nachdem er einige Jahre als erblindet ein trauriges Dasein fristen mußte, am 19. April 1776. Auch sein Hinscheidcn wurde von seinen Freunden und Gesinnungsgenossen tief betrauert und herzlich bedauert. Jonathan hatte vier gelehrte Söhne, die alle in Dresden domicilirten. Sie hießen: Löw, Nathan Nata, Mordechai und Benjamin Wolf. Letzterer, ein sehr begabter Mensch, führte in der Jugend einen leichtsinnigen Lebenswandel, trreb sich längere Zeit in Wien in unwürdigen Kreisen herum und bereitete dem bereits in Leiden und Kummer ergrauten Vater viel Herzeleid. Jonathan sah sich sogar genöthigt, um seinen Sohn, dem Gefahr drohte festgenommen zu werden, weil er in Schulden gerathen war, aus einer höchst unerquicklichen Calamität befreien zu können, sein Werk „Kreti und Pleti", ehe er es noch vollendet und gehörig geordnet hatte, zu ediren. Wolf gieng dann abermals nach Wien, wo es ihm gelang sich die Gunst eines hochgestellten Staatsmannes zu erringen, und ein nicht unbedeutendes Ber-