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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-11-01 · Heft 11 (1.11.1885) · p. Seite 252

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 11 (1.11.1885)
Date
1885-11-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 sehnt" (Psal. 132. 14.). Dieser Herzenswunsch hat sich jedoch nicht bewährt, denn hier verlebte er knmmer- und leidenvolle Tage, die ihm das Leben verbitterten und vergällten. In Altona wohnte um jene Zeit R. Jakob Emden, Sohn des Chacham Zewi, ein Mann, der sich durch gründliche talmudische Gelehrsamkeit wie durch einen scharfsichtigen kritischen Geist vorteilhaft anszeichnete. Als das Rabbinat daselbst durch das Hinscheiden des R. I. Katzenellenbogen in Erledigung gekommen ist, glaubte Emden, der ans Stolz es unter seiner Würde hielt, öffentlich auf dasselbe zu reflektieren, der Erwartung Raum geben zu dürfen, daß die Gemeinde ihn, dessen Vater und Großvater ebenfalls dieses Amt inne hatten, mit Acclamation zum Oberrabbiner ernennen werde. Allein Emden war trotz seiner riesigen Gelehrsamkeit und hohen Fähigkeiten eine durchaus unbeliebte Persönlichkeit, denn Habsucht, Unverträglichkeit und Rücksichtslosigkeit waren die Untugenden, die ihn verunstalteten, daher die Majorität der drei Gemeinden sich nicht für ihn sondern für den menschenfreundlichen, leutseligen, schmiegsamen und geselligen Jonathan Eibenschütz begeisterte. Als nun Emden sich in seinen Erwartungen bitter getäuscht sah, hegte er in seinem Innern einen unversöhnlichen Haß und Groll gegen den ungemein gefeierten Jonathan, auf den er schon von jeher nicht gut zu sprechen war. Jonathan gab sich zwar alle erdenkliche Mühe, um mit ihm auf friedlichem Fuße leben zu können, sprach in seinen ersten Vorträgen auf der Kanzel von ihm mit besonderer Hochachtung und Verehrung, allein Emden blieb starr und kühl bis ans Herz hinan und wünschte nur sehnlichst die Gelegenheit herbei, Jonathan niederschmettern zu können. Diese ließ aber nicht lange auf sich warten. In Altona und Umgebung grassirten zur Zeit als Jonathan dahin kani gefährliche Krankheiten, die zumeist Wöchnerinnen hinwegrafften. Etwa 18 junge Frauen sind innerhalb eines Jahres daselbst in Kindesnöten gestorben. Angst, Furcht, Bangen und Grauen bemächtigten sich aller Gemüter und jede Frau, die in gesegneten Umständen sich befand, sah mit Schrecken der heranrückcnden Stunde entgegen. Kaum hatte Jonathan sein neues Rabbinat angetreten, als man an ihn, den bekannten Kabbalisten, appellierte, den Würgengel zu bannen. Jonathan, der bereits in Prag und in Metz Kemeoth erteilte, nahm keinen Anstand, auch hier dem dringenden Wunsche der Bittsteller zu entsprechen und Amulette zu verteilen. Der Zufall aber wollte, daß ein solches Schutzblättchen, das er einem vom hitzigen Fieber gequälten Menschen verliehen hatte, in Verlust geriet. Ein feiler Söldling der Gegner Jonathans soll diesen Umstand benützt haben, um Jonathan verdächtigen und compromittieren zu können. Er schrieb nämlich auf einen Perganientstreifen einige Worte aus Schemoth, die Anspielungen auf Sabbatai Zewi's Messianität machten, und verbreitete überall das Gerücht, daß er in den Besitz des von Jonathan angefertigten Schutzblättchens (Kamea) gelangt sei. Kaum wurde dieses famose Amulet Jakob Emden, dem erbittersten Feinde Jonathans, zur Beurteilung vorgelegt, als dieser keinen Augenblick Anstand uahni, Jonathan als Sabbathianer und Häretiker zu erklären und zu brandmarken. Alle Versuche Jonathans, mit Emden eine Aussöhnung zu erzielen, scheiterten an dem Starrsinn und Hartnäckigkeit Emdens. Da Emden von der Schwierigkeit seines Vorhabens, Jonathan inoralisch zu vernichten, durchdrungen war, so sah er sich bald um Bundes- und Gesinnungsgenossen um, die er in den Rabbinen Jakob Josua aus Krakau, Oberrabbiner zu Frankfurt a. M., einem Vorgänger Jonathans in Metz, Arjeh Löw, Oder-

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