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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-11-01 · Heft 11 (1.11.1885) · p. Seite 250

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 11 (1.11.1885)
Date
1885-11-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 wo er die Bekanntschaft der scharfsinnigen Talmudgelehrten Samuel Joß oder Krakauer und Jona Bunzel Landsofer machte und öffentliche Vorträge hielt. Nach zweijährigem Aufenthalte verließ er Prag und begab sich nach Hamburg, wo er sich während der Jahre 1713 und 1714 im Hause des Großvaters seiner Frau, Mordechai Kohn, der ein Mäcen der Gelehrten war, aufhielt und die Zeit und Muße dazu benützte, sich in allen Zweigen der rabbinischen Literatur zu vervollkommnen. Als er dann wieder nach Prag zurückkehrte, wurde er zum Prediger einer Synagoge ernannt. Seine Vorträge verfehlten umsoweniger Sensation zu erregen, als er die hohe Gabe besaß, die erhabensten und geistreichsten Ideen in populärer Form zum Ausdrucke zu bringen. Das Amt eines Volksredners allein war noch nicht geeignet, den großen starken nach Heldenthaten dürstenden Geist Jonathans zu befriedigen. Er habilitirte sich daher bald als Schulrector, indem er in seiner eigenen Wohnung ein „Bei; Hamidrasch“, Lehrhaus, errichtete, in welchem er täglich für junge Leute talmudische Vorträge hielt. Seine von ungewöhnlichem Scharfsinn gewürzten Vorträge wirkten so zündend, fesselnd und bezaubernd, daß von allen Seiten der Windrose wißbegierige Jünger schaarenweise herbeiströmten, um nnt gespanntester Aufmerksamkeit auf seine Worte zu lauschen. Jonathan blieb aber nicht blos bei den Studien des Talmuds stehen, sondern war eifrig bemüht, sich auch historische, philosophische, mathematische und geographische Kenntnisse anzueignen. Auch auf dem Gebiete der medicinischen Wissenschaften war er keine Laie. In Folge seiner vielseitigen Bildung kam er auch mit nichtjüdischen Gelehrten in Verbindung, die seinem Scharfsinn und seiner immensen Gelehrsamkeit Anerkennung zu zollen keinen Anstand nahmen. Bei seinen Controversen, die er mit denselben hielt, gelang es ihm nicht selten die boshaften Borwürfe, die sie gegen das Judentum erhoben, glänzend zu wiederlegen und die von ihnen versuchten Angriffe gegen das jüdische Schrifttum entschieden zurückzuweisen. Mit besonderer Vorliebe pflegte er das Studium der „Geheimlehre", Kabbalah, das später für ihn verhängnisvoll geworden. Er ließ sich nämlich verleiten, für Kranke und Leidende Amulette „Kemeot" anzufertigen, deren Inhalt Vielen Veranlassung gab, zu behaupten, Eibenschitz sei ein verkappter Sabbathianer. Bemerkt muß jedoch werden, daß im Jahre 1725 in Prag die Sabbathianer mit dem Bann belegt wurden. Die diesbezügliche Proclamation wurde am Vorabende des Versöhnungsfestes vor Beginn des Lol Märe in allen Synagogen öffentlich verkündet. Der damalige Prager Oberrabbiner David Oppenheim befand sich um jene Zeit gerade in Wien, daher die erwähnte Proclamation nicht von ihm sondern von Jonathan Eibenschitz, der damals bereits als Präses des Rabbinatscollegium fungirte, unterzeichnet wurde. Als Oppenheim im Jahre 1736 das Zeitliche gesegnet, wurde Jonathan von den Rabbinatsassessoren einstimmig zu ihrem Oberhaupt ernannt. Jonathan vertrat also eine Zeit lang, natürlich provisorisch, die Stelle eines Oberrabbiners von Prag. Nach dem Tode Kaiser Karl VI. brach der Successionskrieg aus, der besonders in Böhmen heillosen Schaden anrichtete. Ehe sich noch hier das furchtbare Gewitter entlud, erhielt Jonathan einen ehrenvollen Ruf von der schon damals sehr achtbaren Gemeinde zu Metz, das in ihrer Mitte vacant gewordene Rabbinat zu übernehmen. Jonathan folgte um so freudiger dem an ihn ergangenen Rufe, als er hiedurch Gelegenheit gefunden, Böhmen, das in Folge des Krieges der Schauplatz furchtbarer Verheerungen geworden, verlassen zu können. Die Abreise von Prag er-

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