Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1885)
- Date
- 1885-11-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Frau gestand der Prinz, daß er ein armes Bauernmädchen liebe, welches beharrlich seine Liebe zurückstoße und selbst nicht seine Gattin werden wolle. Vergebens hatte der König, fürchtend, seinen Sohn an Schwermut untergehen zu sehen, das grausame Wesen an seinen Hof kommen lassen, und sie — die Arme — gebeten, seine Schnur zu werden; ein so ehrenhafter Vorschlag hatte sie nicht gerührt. Jede Hoffnung schien verloren. Gejviß, — an manchem Abende schien sie bei der Zärtlichkeit des Prinzen von der Gleichgültigkeit abzulassen, um aber des folgenden Tages kälter und gefühlloser zu werden. Die Holzhauerfrau zeigte bei dieser Erzählung ein selbstbewußtes Lächeln. Sie rät dem Prinzen, durch allerlei Mittel das arme Mädche am Einschlafen zu verhindern. Denn, wenn die Seele des armen Mädchens verhindert wird, sich im Traume in das himmlische Gefilde zu begeben, wo sie einem viel schöneren, herrlicheren! Prinzen angetrant ist, dann wird sie den Wünschen des unglücklichen irdischen Prinzen Gehör schenken. Der Prinz befolgt die Ratschläge der klugen Alten. In der ersten Nacht stören Musikanten auf allen Instrumenten den Schlaf der Schönen, daß sie nicht in ihr Golkonda hinüber wandelt. Jagdlärm stört sie in der zweiten, Kriegesgeschrei in der dritten Nacht. Nur des Mittags oder am hellen Tag kann sie einige Minuten einschlafen, aber dann kann sie nicht den Weg zum Wunderlande finden, da die Sterne erloschen sind. Sie stößt daher nunmehr die Hand des Prinzen nicht mehr zurück, da kein fremdes Bild seinen Eindruck verwischt. Entzückt bemächtigt sich der Prinz ihrer, und führt sie in den geheimnisvollen Wald, wo unter Liebesgespräch die Zeit verstreicht. Bei der Morgenröte Erscheinen sieht der Prinz seiner Braut in's Gesicht. Ach! Es ist leichenblaß! Er hält eine Todte umfangen! Der Unkluge hatte sie entschlafen lassen, die Seele des Kindes hatte den Sternensteig zur rechten Hand des Paradieses gefunden, und war zum himmlischen Garten zurückgekehrt und ans Furcht, daß man sie verhindere, wieder zurückzukehren, war sie dort geblieben! Ganz wie mit der jüdischen Religion! So lange die Verbindung mit dem himmlischen Vater geblieben ist, so lange die Sterne Israels noch den rechten Pfad leuchten, — so lange wird keine Macht der Welt dem Judentum einen kleinsten Teil zu rauben vermögen! Es bleibt unentweiht und ganz! Aber, raubt ihm die freie, entwicklnngsgemäße Verbindung, den täglichen Verkehr mit seinem Vater, dem himmlischen Gotte, betäubt es durch Schmeicheleien aller Art, durch Weltlust, Jagd nach Gewinn und andere Hindernisse — und seht, ob ihr nicht eine Leiche statt einer lebendigen, wolgebildeten Gestalt im Arme haben werdet? N. Heine. Wabvinische tzapacilälen im Iettaller Mendelssohn'-. Von vr. M. H. Friedländer Der scharfsinnigste Pilpulist und gründlichste Kenner der Kabbala des achtzehnten Jahrhunderts war unstreitig R. Jonathan Eibenschitz, der im Jahre 1690 nach Einigen in Krakau, nach Andern in Pinczow, einem Städtchen im