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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-11-01 · Heft 11 (1.11.1885) · p. Seite 246

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 11 (1.11.1885)
Date
1885-11-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 einen Einigungspunkt zu finden und zu wissen. Dorthin trugen alle ihre Zweifel, von dort aus gab man schriftliche Unterweisung. Von dort erfloß Aufklärung über das biblische Wort und die talmudischen Sätze. Dort traf man Entscheidungen, dort ordinierte man Lehrer und Richter. Dort auch wählte man das politische Haupt für die Verwaltung des jüdischen Stammes in Babylons Fluren. So ward die Schule in ihren Häuptern zu einer Macht. Diese Machtbefugnis stellte eine gewisse Gleichmäßigkeit in den religiösen Sitten, in der Gebetordnung und in der religionsgesetzlichen Norm der Israeliten aller Länder her. Diese Machtbefugnis bildete ein umfassendes Band für die Vielverteilten in allen Ländern. Und diese Schulen wurden auch durch Gaben und Geschenke erhalten, welche alle, auch die entferntesten Gemeinden Israels, boten und reichten. Die geonäischen Schulen in Babylon nahmen den Charakter von Akademien an. Ein großer Teil ihrer Thätigkeit bestand darin, über die Anfragen aus nahen und fernen Ländern aller Weltteilen zu verhandeln und sie zu beantworten. Solche Anfragen *) veranlaßten die Schulhäupter Scherira und Hai zu historischen Untersuchungen, zu Sendschreiben von großer Bedeutung. Aehnliche Gutachten enthalten Abhandlungen über religiöse Gebräuche, über Rechtsfragen und sind diese Responsen mit vertiefter Sachkenntnis und eingehender, kritischer Schärfe abgefaßt. Gleichzeitig werden Mystik und Wunderglaube und die dunkeln Falten der Agada-Deutung vor das Forum des Gaon gebracht. (Dabei wird das talmudische Recht systematisch behandelt, Bibel und Mischna werden sprachlich erklärt.) In diesen Verhandlungen und Rescripten nimmt das Arabische seinen Platz neben der hebräischen Sprache ein. Aber Europa war bestimmt, die Gesittung und Bildung des Menschengeschlechtes zu wahren und wunderbar zu erhöhen. Auf der spanischen Halbinsel strahlte im Mittelalter zuerst das Morgenroth der Wissenschaft. Großen Anteil an dieser Kultur, an diesem Fortschritte der Gesittung nahmen die in Spanien heimischen jüdischen Männer. Sie verstanden den Mahnruf des Genius der Menschheit. Es wurden daher bald auf der iberischen Halbinsel auch selbständige jüdische Schulen eröffnet. Die Sterne oes Ostens verglühten, aber helles Licht erglänzte in den Hallen der Lehrer in spanischen Städten. Wenn in der Geschichte der babylonischen Akademien nur vereinzelte Namen der Männer genannt werden, die es verstanden haben, die Kunde des jüdischen Gesetzes mit den allgemeinen Wissenschaften und mit der Bildung der Zeit zu vereinen, so bildete diese Geistesrichtung den Charakterzug der Meister und Jünger der spanischen Schulen. Die Lehrhäuser schienen von der Doppelsäule der theologischen und weltlichen Kenntnis getragen und gehalten. Wie einst die zwei Cherubim oberhalb der Gotteslade, berührten sich die Fittige der zwei Engelboten unter den Menschen, des Glaubens und der Wissenschaft. Samuel ibn Negrela, der Rat des Königs, ein vorzüglicher Kenner des rabbinischen Schrifttums, ein Mann von politischer Schulung und hoher wissenschaftlicher Bedeutung, eröffnete in Granada ein Lehrhaus. Seine Schüler und Jünger wurden die Rabbiner Spaniens. Von ihnen lehrte Jsak ibn Albalia in Cordoba. Er war wohlbewährt in griechischer Weltweisheit und in der Sternkunde. Auch er führte wie sein Lehrer den Titel „Fürst" und stand im Dienste des Landesherrn.") (Schluß folgt.) *) Gutachten Scheriras ed. Goldberg, S. 1. Vgl. Aruch Art. Abaje u. M b. Dav. Temim Deim No. 119. %) Ab. b. Dav. S. Hakabala.

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