Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1885)
- Date
- 1885-10-01
- Page
- Seite 233 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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233 geweihte Stätte sei, und ein Rabbiner in Deutschland öffnet dadurch, daß et seine coufusen Ansichten über den jüdischen Gottesdienst der Regierung als Gutachten übergiebt, dem Skandal in den Synagogen, von dem man besonders im Posen'schen noch hie und da zu erzählen weiß, Thür und Thor. Wenn wir selbst unsere Gotteshäuser als Gemeindehäuser zu betrachten beginnen, die der Heiligkeit entbehren — und es hat allen Anschein, daß dem so sei, der Willkür nach zu schließen, mit der Unberufene darin schalten und walten, — dann ist es wahrlich traurig um das Judentum bestellt und wird mit der Selbstachtung auch die Achtung von außen, die man unseren Heiligtümern noch gerne zollt, schwinden. Freilich für die pseudoorthodoxen Juden in Deutschland, die unsere Gemeinden nach Polnischem Muster einrichten möchten, giebt es augenblicklich wichtigere Fragen zu lösen; so kann man im „Israelit" die Butterfrage wieder auftauchen sehen, bei der eine neue Species von Juden „jüdische Käser" auftritt. Auch eine Frage in der „Israelitischen Wochenschrift" verdient höher gehängt zu werden. Ein Prediger richtet an seine Herrn Kollegen eine Anfrage des Inhalts, ob man von einem Juden Wein kaufen dürfe, dessen Sohn am Sabbath im Gymnasium schreibt, da der Knabe ja auch den Wein berühren könne. Herr Scharr in Krody kann seine Sammlung der Kuriosa aus der Responsenlitteratur damit bereichern, wir aber rufen aus: Wann wird endlich die Seit kommen, wo man nicht mehr über Butter¬ und Weinfragen im Judentume discutieren wird? „Was soll das Stroh bei dem Korne?" — In Berlin geht man damit um, den Freitagabend-Gottesdienst durch Predigt und Thoravorlesung auszuzeichnen. — In Korken ist die katholiche Sabbath- Lichtanzünderinn durch eine protestantische ersetzt worden, da erstere sich über ihren Dienst Gewissensscrupel machte, die auch der Herr Pfarrdechant. ein sonst human denkender Mann, teilte, weil hierüber ein päpstliches Verbot bestehe, das bislang noch nicht aufgehoben sei. — Bei der Jubiläumsfeier der Berliner Universität erhielt Herr Kanditat Georg Klemperer den ersten königlichen Preis der medizinischen Fakultät für eine von ihm verfaßte wissenschaftliche Arbeit. Umsomehr mußte es auffallen, daß des greisen Dr. Zun;, der am 10. August das 91. Lebensjahr erreicht hat und der zu den ersten Hörern der Berliner Universität zählte, nicht Erwähnung geschah, während sonst andere deutsche Gelehrte, die die Universität besuchten, rühmend hervorgehoben wurden. — Herr Dr. Ferdinand Cohn, Professor der Pstanzenphysiologie in Breslau, erhielt von der königl. Akademie der Wissenschaften in Holland die Löwenhök-Medaille. — Am 6. Juli fand zu Cschwege die Konferenz der israelitischen Lehrer Hessens und in Fürth am 28. Juli die sechste Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern statt- — In Holzminden wurde ein neuer israelitischer Friedhof eingeweiht und in Niederstetten wurden jüdische Grabdenkmäler zerstört. — In Leipzig starb Herr Äsaak Freiman», bekannt durch Herausgabe des „Sitteillmch von Abraham bar Chija Ha Nassi" und von Responsen und Briefen des Maimonides, am selben Tage und zur selben Stunde wie sein Bruder Dr. Freimann im vorigen Jahre. — Der in Hastet jüngst verstorbene Redakteur des antisemitischen Blattes „Geldmonopol", Herr Hennies, welcher gegen den Wucher und gegen jüdische Aussaugung auftrat, hat selbst den größten Teil seines Vermögens zu 10 Prozent bei dem Kasseler Rückkaufhändler Bräutigam angelegt, der jüngst mit Hinterlassung großer Schulden verduftet ist. Gott behüte Deutschland weiter vor solchen mannhaften wackeren Streitern! — In einer zu Aerli» abgehaltenen geistlichen Konferenz stand auch die Judenbekehrung auf der Tagesordnung. Herr Pastor Häufig, Prediger an Bt. Luca«, meinte, die Juden disputierten gewöhnlich gerne 21