Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1885)
- Date
- 1885-10-01
- Page
- Seite 232 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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232 schon zitirte Angabe des Lehrers Hillel's l., R. Akiba, daß die Nächstenliebe das Grundgesetz im Judentum sei, so haben wir die Gottähnlichkeit in ihrer Offenbarung der Liebe und der Heiligkeit als die Bezeichnung des höchsten Gutes im späteren Judentume. Eine Tugendlehre im Sinne der griechischen Philosophie, wie sie Philooben aufstellt, ist dem biblischen Schrifttume fremd. Dasselbe will nur Thaten, seine Lehren sind Anweisungen für das zu bethätigende Leben. Die menschliche innere sittliche Vollendung soll durch dieselben geschaffen werden. „Gott wollte Israel versittlichen, vollenden, daher die Fülle von Lehren und Gesetzen", war der Ausspruch eines späteren Gesetzeslehrers. Erst bei späteren Lehrern im Talmud finden wir einige Anklänge von' Aufstellungen gewisser Tugenden als ethische Grundsätze. So von dem Lehrer Ben Soma (im Anfänge des 2. Jahrhunderts) in folgendem Satze: „Wer ist weise? Der von jedem Menschen lernt (Ps. 119, 99); Wer stark? Der seinen Trieb unterdrückt (beherrscht), denn es heißt: „Der Langmütige ist mehr wie ein Held, und der über seinen Willen (Geist) herrscht, größer als ein Städteeroberer" (Spr. 16, 32). Wer ist reich? Der sich mit seinem Teile freut, denn es heißt: „so du von deiner Hände Mühen issest, heil und wohl dir" (Ps. 128. 2). Wer ist geehrt? Der die Menschen ehrt, denn „die mich ehren, ehre ich, und die mich gerinschätzen, verachte ich (1. S. 2. 30)." Wer denkt hierbei nicht an die oben ausgestellten vier Kardinaltugenden, die hier nur in einer etwas veränderten Gestalt wiedergegeben sind? Wie die philonische Lehre vom „Bösen und Guten" auffallend gegen die biblische verstößt, haben wir schon oben dargethan. Wir bringen als Ergänzung hier nur noch einen talmudischen Ausspruch, der gegen die philonische gerichtet zu sein scheint. „Von der Zeit an, da Gott gesprochen: „Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch, das Leben und das Böse, wählet das Leben!" kommt aus dem Munde des Höchsten weder das Böse noch das Gute, sondern das Böse erfolgt auf dieböse That und das Gute tritt bei denen ein, die das Gute thuu." Die Annahme einer Willensfreiheit ist der Grund dieser Lehre, ihr Zugeständnis führte zu dieser Lehre vom Bösen und Guten, aber Philo erkennt die biblische Lehre von der Willensfreiheit an und doch weicht er in der Darstellung des Ursprunges vom Bösen und Guten von der Bibel ab. vr. I. Hamburger. Wonalsfchau. Am 2. August fand in Uordhause» die Einweihung des neuerbauten Gemeindehauses, in welchem sich auch die herrlich ausgestatteten Räume der Religionsschule befinden, statt. — In der Provinz Pose» wurden, weil die Strafkammer des Landesgerichtes Gnesen durch ein von dem dortigen Rabbiner eingeholtes Gutachten feststellte, daß das Vorlesen aus der Thora in der Synagoge kein Gottesdienst und keine gottesdienstliche Verrichtung sei, zwei Ruhestörer in der Synagoge zu Schwarzenau vom Reichsgerichte freigesprochen. JnKußland sogar wurde jüngst durch die Regierung entschieden, daß das Gotteshaus an und für sich schon eine