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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-10-01 · Heft 10 (1.10.1885) · p. Seite 234

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 234 (sequence 18)
Language
German
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234 mit den Christen über Glaubenssachen und machten sich über so Manches gerne lustig. Durch ihre Fragen suchten Juden oft christliche Geistliche in Verlegenheit zu bringen und nicht jeder Geistliche sei in der Lage, mit einer gebührenden Antwort gleich dienen zu können. Darum solle man sich nicht auf Disputationen einlassen und das Bekehrungswerk nur durch Liebe vollziehen. Pastor Hesse aus Dessau sagte: Die wahren Christen sind eigentlich die besten Freunde der Juden. Was will denn eigentlich Stdckerd Er verlangt von den Juden etwas mehr Bescheidenheit und diese muß auch allen rechtlich denkenden Juden zuerkannt werden. Herr Prof. Strack sagte: Die Juden halten sich für ein verdammtes von den Christen gedrücktes Volk; wir müssen zeigen, daß wir uns um sie bekümmern, wir müssen sie kennen lernen und sie vor falschen Beschuldigungen schützen. Interessant war auch die Mitteilung des Herrn Missionspredigers Aaab, anläßlich des Jahresfestes zur Beförderung des Christentums unter den Juden, am 4. Juni in Berlin, daß eine Anzahl von Juden, die sich zur Taufe gemeldet hatten, als sie hörten, daß dafür keine Bezahlung, verabreicht wird, es vorzogen, in dem angestammten Glauben zu verbleiben. — Der Obmann der Repräsentanz der Böhmischen Landesjudenschaft Herr vr. Morih Lichtenstern, überbrachte dem neuen Erzbischöfe von Drag, Herrn Grafen Schd'nborn, die Glückwünsche der Juden Böhmens. In seinem Danke betonte der Kirchenfürst auch, daß er es für die Aufgabe des Bischofs halte, den religiösen Frieden zu fördern und daß er in diesem Sinne zu wirken beflissen sein werde. Erzbischof v. Schd'nborn handelt damit im Sinne seines Vorgängers, des Cardinals Schwarzenberg, der sich einst zu einem Redakteur, der Judenhetzartikel schrieb, also ausließ: „Das heutige Blatt", fing er an, „enthält etwas, was ich höchlich mißbillige und was nie mehr Vorkommen darf. Sie sind dadurch entschuldigt, daß sie die Verhältnisse in Wien nicht näher kennen. Lassen Sie die Juden in Ruhe. Mein guter Vater (Schwarzenberg besaß außerordentliche Ehrfurcht und Liebe für seinen Vater) hat.die Judenhetzen in Böhmen oftmals bedauert. Handel und Wandel hatten dadurch arg gelitten. Judenhetze ist die Vorläuferin oder Begleiterin einer jeden Revolution. Sie kennen ja die Geschichte. Seit mehr als 2000 Jahren sind die Juden gewissermaßen expropriiert, von Grund und Boden verjagt und ausschließlich auf den Handel angewiesen, indem ihnen auch die Gewerbe verschlossen waren. Nun wird es ihnen zum Vorwurf gemacht, daß sie nicht Ackerbau und Gewerbe betreiben. Aber um Himmelswillen, wie konnten sie das, nachdem man sie an die Luft gesetzt? Die Judenhetze verstößt geradezu gegen die Grundsätze unserer heiligen Religion und bringt niemals Segen, wie Sie aus der Geschichte der Kreuzzüge wissen. Ich bedauere zwar auch die Arroganz und Ueberhebung gewisser jüdischer Schriftsteller und wünsche, daß sie unsere Religion in Ruhe lassen und die Duldung, die wir ihnen gönnen, auch uns gewähren; aber für die Exeesse Einzelner darf nicht das ganze Volk verantwortlich gemacht werden. Niemals darf die Gegenwart verantwortlich gemacht werden für die Vergangenheit. Revanche ist ein heidnisches Wort. Merken sie sich das." Möge sich diese Sätze besonders der Herr Cooperator, Chorherr und Katechet in Morisdorf, Herr Uudolf Eichhorn, merken, der gegen den greisen Bischof von Königgräh Joseph Johannes in heftiger Weise auftritt, weil derselbe in einem vom 20. April 1883 datirten Rundschreiben an den Clerus sich gegen den Antisemitismus aussprach. In diesem Rundschreiben steht auch der Satz: Wir Katholiken haben aber besonders in unseren Tagen alle Ursache, der göttlichen Vorsehung zu danken, daß dieses überall zerstreute jüdische

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