Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-10-01 · Heft 10 (1.10.1885) · p. Seite 231

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 231 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969726-2969737--1475-2971936
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

231 Ire Ethik Uhtto's in ihrem Werhättniß zu den ethischen Lehren der Wol'ks- und HeseHeskehrer der Juden in Palästina und Maöykonien. (Schluß.) Soweit die Ethik Philos in ihren Hauptzügen. Sie ist ein Produkt der damaligen Zeitrichtung der gebildeten Juden Alexandriens, der Ausdruck jenes Strebens daselbst, in den biblischen Schriften den Quell der philosophischen Ideen der griechischen Weisen nachzuweisen oder bescheidener, diese mit jenen iu Einklang zu bringen. Man ging mit vorgefaßten Meinungen an die Bibel heran und das einfache Schriftwort wurde solange gezerrt und gedeutet, bis es sich scheinbar schmiegte, Alles aufzunehmen, was in dasselbe hineingetragen wurde. Das Bibelwort verlor so sein Objektives, es mußte den Zeitideen dienen und wurde zum Vertreter und Träger der subjektiven Meinungen des ganzen jüdischen Hellenismus gemacht. Der Wert dieser Arbeiten, wenn man ihnen auch ihre Bedeutung für ihre Zeit und später nicht absprechen kann, war ein zeitlicher lind konnten sie sich im Judentume nur vorübergehend als ein Zeitproduckt behaupten. Die Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie wird denselben eine Stellung nicht versagen können. Sie haben dem jüdischen Mystizismus vorgearbeitet, dem entstehenden Christentume Vorschub geleistet und in der Kabbala, besonders im Buche Sohar, ihre Auferstehung gefeiert aber eine Trägerin und Repräsentantin des Judentums ist diese Richtung nicht. Die Ethik Philo's, die wir hier kennen lernten, ist nicht die des Bibelwortes, daher nicht die des auf demselben sich aufbauenden späteren Judentums. Wir haben auch anderweitig die philonischen Ideen über Gott, Schöpfung, Menschen, Offenbarung u. a. m. mit den Aussprüchen aus dem biblischen und talmudischen Schrifttume begleitet und so das Verhältnis derselben zu diesen gezeichnet; dasselbe soll auch hier in Bezug auf die Ethik Philos als dritter Teil dieses Artikels versucht werden. In der Bibel ist das höchste Gut nicht, wie bei Philo, das völlige Heraustreten des Menschen aus sich selbst, die Verachtung alles Leiblichen und das Aufgehen in Gott, sondern nur das Sittliche, die Heiligkeit im Sinne der sittlichen Vollendung, um in ihr mit und für die Welt zu wirken und zu schaffen. Wir zitiren darüber die Aussprüche: „Heilig sollet ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige euer Gott"; „Ihr sollet euch heiligen, daß ihr heilig seid, denn ich bin der Ewige, euer Gott"; „Daß ihr gedenket aller meiner Gebote, sie vollziehet und heilig seid eurem Gotte"; „Denn ich bin der Ewige, euer Gott, so heiliget euch, daß ihr heilig seid." So steht obiger Ausspruch im 3. M., Kap. 19 an der Spitze des Abschnittes von den Pflichten gegen den Staat, die Gesellschaft, die Familie, den Fremden und den Nebenmenschen iiberhaupt. In diesem Sinne spricht auch ein Gesetzeslehrer des 3. Jahrhunderts, Rabh, „die Gebote sind nur zur sittlicheil Läuterung des Menschen da." Deutet der Nachsatz in dem ersten Verse oben: „Denn heilig bin ich, der Ewige euer Gott" an: „Gott als Ur- und Vorbild der Heiligkeit" zu nehmen, so wäre das „Gott ähnlich werden," die Gottähnlichkeit, das höchste Gut, eine Annahme, die von einem Volks- und Gesetzeslehrer im Talmud, wie wir dies schon oben angegeben, geteilt wird. Beziehen wir hierher noch die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.