Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1885)
- Date
- 1885-10-01
- Page
- Seite 224 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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224 führen in vierfacher Richtung: in der Theologie, der Philosophie, der Heilkunde und der Rechtswissenschaft, und es adelte seine Arbeit dadurch, daß es alles Wissen dem hergebrachten Glauben unterordnete. Wenn eine Klage in unserer Zeit, in welcher die alte jüdische Liebe zur Wissenschaft sich reger als je zeigt, berechtigt ist, so ist es die über die Mutlosigkeit und Lässigkeit des gelehrten Israel. Esra's Hauptthätigkcit galt der Veredlung des Gottesdienstes, der Verbreitung des Gotteswortes, der Vermehrung der Kenntnisse, der Veredlung der Sitten ... wären das nicht Aufgaben, der Arbeit der Edelsten und Besten wert; würde die versöhnende Kraft der Wissenschaft Einbuße erleiden, wenn ein Lichtstrahl von ihr auch auf den Weg Israels fiele und manchen Anstoß in rechter Beleuchtung zeigen würde. Nehmet den Anstoß fort vom Wege meines Volkes! Wollen wir Versöhnung mit uns, mit der Welt so lasset uns stark sein in der Menschenliebe, gerecht iu unserem Verkehr und Berufe, lasset uns unerschütterlich stehen im Glauben und die Waffen der Wissenschaft führen zur Ehre unsers Gottes, dann wird unser Klaggesang verstummen, und den Gottesfürchtigen wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und auf ihren Schwingen Heilung und Frieden allen Menschen bringen. Amen! Asses hat seine Jett. (Für das Laubhiittenfest.) Es ist für Alles eine Zeit und eine Bestimmung für jegliches Wollen und Streben, für das ganze nach so verschiedenen Richtungen hin sich verzweigende Thun und Verlangen des Menschen, eine Ordnung, die nicht verletzt werden darf, wenn es seinem Zwecke dienen, dem Willen Gottes entsprechen und im Einklang bleiben soll mit dem Gesetze der himmlischen Gerechtigkeit. Diese Lehre wird in dem Buche Kohelet, dem wir sie entnehnien, nicht etwa nur in solch' beziehungsloser Allgemeinheit ausgesprochen und als kurzgefaßtes Ergebnis der Erfahrung und des Denkens hingestellt, sondern auch durch eine lange Reihe von Beispielen erläutert, an welchen wir erkennen sollen, daß sie in den verschiedensten Verhältnissen des Lebens ihre Bestätigung findet, ihre Anwendung fordert. Die Gefühle und Neigungen des Menschenherzens, die in so innigem Zusammenhänge mit einander stehen und in sich so viele Gegensätze enthalten, die Geschicke und Gestaltungen des Menschenlebens, die das Wesen desselben nicht ändern und die dennoch selbst einander so unähnlich sind, die haben, so zwecklos und heillos uns das eine oder das andere auch erscheinen mag, doch alle ihr Gutes, so wir nur für jedes das rechte Verständnis besitzen, die richtige Verwendung wählen, es da bestehen lassen, wo es an seinem Orte ist und in passender Weise in eine nach den Grundgesetzen des Sittlichen geleitete Lebensordnung sich einfügt. Nur durch die falsche Auffassung und den schlechten Gebrauch unserer Fähigkeiten und Eigenschaften können diese schädliche Wirkungen herbeiführen und nur unserem Dünkel und Unverstände haben wir es zuzuschreiben, wenn wir da, wo Gottes Führung unsere Schritte zum Heile leiten will, den Weg desselben