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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-10-01 · Heft 10 (1.10.1885) · p. Seite 223

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 223 (sequence 7)
Language
German
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223 gefeit, beharrte er unentwegt und unbeugsam in der Treue zu Gott, zu seiner Familie, zu seinen Religionsgenossen. Sein Glauben hieß ihn die Leckerbissen von der königlichen Tafel verschmähen, und als er unter Nebukadnezar nach glücklicher Traumdeutung zum obersten Reichsbeamten erhoben war, wandte er nicht in blinder Selbstvergötterung der väterlichen Religion den Rücken, wie das so oft geschieht. Der einflußreiche hochgestellte Jude war das demütige fromme Kind seines himmlischen Vaters, als dessen Bote er dem hochmütigen Spötter Belsazar die Unheil verkündende Flammenschrift deutete. Nur vor seinem Gott wirft er sich nieder, nicht vor dem goldenen Standbild eines irdischen Königs, fest überzeugt, daß die Verheißung (Jes. 43, 2): „Wenn du die Wasser durchschreitest, bin ich bei dir, und wenn Ströme, sie fluten dich nicht weg; wenn du durch Feuer gehest, wirst du nicht versengt und die Flamme brennt dich nicht!" auch an ihm sich erfüllen werde und die Glut des Feuerofens ihn nicht verzehre. Neid und Hinterlist werden auch die Feinde seines Glaubens, der in allen Gefahren ihn schirmt und schützet. — Ja groß ist der Glaube — und wie auf Daniel, so ruhete des Glaubens wegen auf seinem Volke der heilige Geist. Für seinen Glauben gab Israel sein Land und seine Heiligtümer hin und zog arm und elend in die liebeleere Fremde, für seinen Glauben ertrug es die Ungerechtigkeit der Welt, Schmach und Hohn, in seinem Glauben erlitt es den Martertod in hundertfacher Gestalt, in seinem Glauben lebt es und wird den Sieg der Gerechtigkeit dereinst erleben. Liegt auf dem Wege meines Volkes kein Anstoß, welcher den Glauben betrifft? Giebt's nicht jüdische Eltern, welche die vorwurfsvolle Esaufrage hören: „Habt Ihr nur einen Segen?" den Segen materieller, irdischer Güter; giebt's nicht zahlreiche jüdische Jünglinge und Jungfrauen, die mit dem liebäugeln, was unjüdisch, nicht hochgestellte Israeliten, welche ihres Glaubens sich schämen und gar zu gern der alten Last ledig wären. Glaubt ihr, die Mißachtung eurer Religion gewinne euch eure Feinde, erleichtere euch den Verkehr, stelle eure Zukunft sicher! Nur durch die. Hochachtung, die ihr euren Heiligtümern erzeigt, könnt ihr euch Achtung erwerben und zur allgemeinen Versöhnung, zum Frieden auf Erden beitragen. Darum nehmt den Anstoß fort vom Wege meines Volkes, kehrt zu Gott, zum Guten zurück im Glauben. Einen Bußtag wie den heutigen feierte einst in den, das Land Palästina begrenzenden syrischen Gefilden der Schriftgelehrte Esra mit den jüdischen Exulanten, welche er mit Erlaubnis seines Königs aus der Gefangenschaft zur Freiheit führte. Gesühnt und rein wollten sie den geheiligten Boden ihres Stammlandes wieder betreten und darum erbaten sie für die schwere Arbeit, die ihrer wartete, Kraft von Gott. Und der Kraft bedurften sie, bedurfte besonders der Führer. Denn in Jerusalem walteten heidnische Laster, herrschte Götzendienst, leichtsinniges Eheleben und gewissenlose Kindererziehung. Die Entschlossenheit, der Mut eines Esra schuf bald Wandel; er wirkte für Gottesdienst, Gesetzeskunde, Unterricht und bahnte so den Weg zur Rechtskunde und Rechtspflege, besonders aber durch Eröffnung der Quellen des Midrasch zur Wissenschaft und zum universellen Studium. Er, der zweite Moses, führte den Ehrennamen eines Sofer und war als solcher ein gelehrter, erfahrener Mann, welcher, wenn auch nicht im buchstäblichen, so doch im bildlichen und guten Sinne die Gewandheit des späteren Bar Kamzar (babl. Joma 38) besaß und nach verschiedenen Richtungen hin seine Gelehrsamkeit offenbarte. — Auf dem Boden der Wissenschaft hat auch Israel redlich seine Arbeit geleistet. Besser noch als Bar Kamzar, der mit vier Federn zu gleicher Zeit schreiben konnte, wußte es das Wort und die Feder zu

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