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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-10-01 · Heft 10 (1.10.1885) · p. Seite 222

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 222 (sequence 6)
Language
German
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222 Ideal, die Menschenheit zur Liebe, zum Frieden, zur Gotteserkenntnis und Sittlichkeit zu leiten, wollenste durch die Losung zustreben: Ein Gott, eine Menschheit — ein Recht für alle! Nicht Israel allein, der ganzen Menschheit gilt ihr Wirken — und je tiefer der sittliche Stand der Welt, in welcher sie leben, ist, desto höher stehen sie da; je schwächer und elender das religiöse Leben ihres Volkes, desto kräftiger und ernster ihre Arbeit. In schwerer Zeit, unter inneren und äußeren Feinden tritt Micha auf, ein Herold des Rechtes. Samaria war durch Ungerechtigkeit gefallen, das Volk vertrieben — den Ueberrest will er retten, und wie Jesaias wirkt er begeistert für Liebe und Gerechtigkeit. Er sieht die Mächtigen im Lande freveln und ruft: „Wehe denen, die Unthat sinnen und Böses entwerfen auf ihren Lagern .... sie gelüsten nach Aeckern und rauben sie, nach Häusern und nehmen sie fort, sie üben Gewalt an Mann und Haus, an Herrn und Eigentum." Er sieht die falschen Propheten, sieht eine verdorbene käufliche Priesterschaft und sagt ihnen frank und frei, daß sie das Volk irre führen, „daß sie, wenn sie zu beißen haben mit den Zähnen, den Frieden verkünden, gegen den aber den Krieg richten, der ihnen nichts giebt in ihren Mund." Er scheut sich nicht, den Häuptern zu sagen, daß sie richten um Bestechung, den Priestern, daß sie Knechte des Lohnes, den Propheten, daß sie wahrsagen um Geld. Ungerechtigkeit und Bosheit allüberall! „Der Sohn schimpft den Vater, die Tochter steht auf wider die Mutter, und die Feinde des Mannes sind seine Hausleute." Wie soll sich das ändern, wie dem messianischen Frieden, den er verkündet vorgearbeitet werden? Soll sein Volk noch ferner den Buchstabenglauben, das Formenwesen, die äußere Werkheiligkeit kultivieren? „Hat denn der Ewige Gefallen an Tausenden von Widdern, an Miriaden von Strömen Oels? soll man hingeben den Erstgebornen für die Missethat, das leibliche Kind für die Sünden der Seele?" Nein! Gott hat dir kund gethan, was recht und gut ist und was er von dir fordert: Recht thun, Liebe üben und in Bescheidenheit wandeln mit deinem Gotte. — Das Recht ist unterdrückt, Ungerechtigkeit, Lug und Trug, Falschheit und Heuchelei überwuchern jede edle Regung — da ruft er mit Donnerstimme in die schlechte Welt: Thuet Recht! Statt der Liebe waltet der Haß; Wohlthun und Menschenfreundlichkeit sind nirgends zu finden, wol aber Selbstsucht und Eigennutz, Zwietracht und Rachgier und wo alles haßt, die Herzen kalt und verödet sind, predigt er: Uebet Liebe! Stolz und Hoffart, Eitelkeit und Dünkel beherrschen Israels Großen, zügellose Frechheit, schamlose Verwegenheit und Gottvergessenheit nagen an den Wurzeln der Gesellschaft — der Prophet mahnt: Wandelt in Bescheidenheit mit eurem Gott! Wann könnte diese Mahnung ernster wiederholt werden, als an dem Tage der Rückkehr vom Unrecht zum Recht. Liegt auf unserm Wege ein Anstoß des Unrechtes, der Lieblosigkeit, des Hochmuts — nehmet den Anstoß fort vom Wege meines Volkes! Wollen wir in der Welt gewissenhafter Thätiykeit Recht, laßt uns Gerechtigkeit üben, verlangen wir nach Liebe, laßt durch Liebe sie uns erwerben; abhold jeder Kriecherei und feilen Unterwürfigkeit, laßt uns bescheiden und demütig vor unserm Herrn sein, dann wird der Gott der Gerechtigkeit unser Recht hervorstrahlen lassen wie das Licht seiner ewigen Gnade. Ein Vorbild unerschütterlichen, festen Glaubens, ein Muster wahrhafter Religiosität ist Daniel. Als Babels Zuchtrute Juda gedemütigt hatte, wanderte er, jung an Jahren, in die große heidnische Weltstadt, wo Versuchungen und Verführungen an ihn herantraten. Durch die höhere Kraft des Glaubens

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