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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-10-01 · Heft 10 (1.10.1885) · p. Seite 221

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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Leids durchmachen und in schweren Prüfungen sich zur siittlichen Höhe emporarbeiten; er muß, bevor ihm die Macht gegeben wird, über Andere zu herrschen, die Herrschaft über sich selbst gewinnen. Schwer ist die Probe — er besteht sie! Sein Todfeind sucht ihn auf in der Wüste Engedi, weicht vom Heere ab und kommt in eine Höhle, in welcher David mit seiner Mannschaft verborgen war. Da sprachen Davids Leute: „Das ist der Tag, von welchem Gott dir gesagt hat: Siehe, ich gebe deinen Feind in deine Gewalt, thue mit ihm, wie es dir gut dünkt!" Ein Schwertstreich — und der Weg zum Thron ist frei. Wie schwer mag er damals mit seinen Gedanken und Gefühlen gekämpft haben, aber er spricht: „Ferne sei es von mir, das zu thun, Hand anzulegen an meinen Herrn, den Gesalbten Gottes." Den Saul aber, dem er nachrief: „Warum hörst du auf das Gerede der Leute, welche sprechen: David will dein Unglück. Siehe, heute warst du in meiner Gewalt, ich wurde aufgefordert, dich zu tödten, aber ich schonte deiner", zwang er zu dem Geständnis: „Du bist gerechter als ich, denn du hast mir Gutes vergolten, während ich dir nur Böses gethan habe!" Diese Worte Sauls waren ein größerer Sieg für David, als wenn er die Schaaren seines Verfolgers vernichtet hätte. Zum zweiten Male hatte er einen Riesen bekämpft: den Feind in der Menschenbrust, er konnte triumphiren über menschliche Leidenschaft, über Haß und Rachsucht, mit den Waffen der reinen Menschenliebe, der ihm angeborenen Herzensreinheit und Seelenstärke hatte er die höchste Macht erreicht, welche Menschen erreichen können: den Sieg über sich selbst, die Versöhnung mit dem Feinde. Darf man eine Religion, welche solche Charaktere reifen läßt, eine Religion des Hasses und der Rache nennen, darf man den Ewigen, welcher den Menschen die Gedanken eines David giebt, als Rachegott hinstellen, weil man das Bibelwort nicht zu übersetzen, zu lesen verstanden hat. Giebts einen Glauben, der mehr Liebe athmet, als der israelitische, der, fern aller sentimentalen Schwärmereien, reiner das Menschentum verkündet! Folgt, m. Fr., den Weisungen dieses Glaubens, er macht euch fähig und stark, zu erfüllen: „Nehmt den Anstoß fort von dem Wege meines Volkes!" Israel ist nicht und wird nicht zum Haß gegen Nichtisraeliten erzogen, es kennt keinen Groll gegen seine Feinde. Widerlegt Dich nicht, so werden unsere Widersacher sprechen, die Geschichte deines Stammes, so manches bittere Wort in deinen Klaggesängen! Meßt uns zuvörderst, ihr Feinde, mit dem gleichen Maße, welches ihr für euch beansprucht, und dann gestehet: daß Israels Geschichte tausendmal reicher an Seelengröße und Menschenliebe, an Gedankenreichtum und Geisteshoheit als die anderer Nationen ist. Und unsere Klagen? Soll der mit Füßen getretene Wurm sich nicht krümmen, soll das Opfertier ohne Schmerzensschrei verbluten, soll man angesichts der Foltern und Martern seinen Mördern danken? Und trotz alledem hat Israel seine Macht darin gezeigt, zu vergeben, zu verzeihen. Der Versöhnungstag hat stets allen Haß gegen die Feinde getilgt und nie die Unduldsamkeit und Verfolgungswut aufkommeu lassen. „Mögen jene fluchen, du sollst segnen!" Sollte noch irgend eine Spur von Gehässigkeit in deiner Umgangssprache, in deinem Wirken, in deinen Anschauungen liegen — schaffe sie fort, laß keinen Haß sich festsetzen in deinem Innern, werde trotz aller dir zugefügten Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit nicht bitter — Verzeihen, Vergeben sei deine Macht. Die Vorkämpfer für Recht und Gerechtigkeit waren im alten Israel die Propheten. Das Leitmotiv in all ihren Klängen ist das Wort Jesaias (1, 27): „Zion wird durch Recht erlöst und seine Bekehrten durch Gerechtigkeit." Ihrem

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