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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-10-01 · Heft 10 (1.10.1885) · p. Seite 220

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 220 (sequence 4)
Language
German
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220 dem Abendland vermittelt haben, von der Wissenschaft Unterstützung verlangen, mußte sie, die unbestechliche, der es um Wahrheit und nur um Wahrheit zu thun ist, nicht für uns eintreten? Bittere Täuschung! Wie auf der Kanzel, so herrscht auf dem Katheder Vorurteil und Fanatismus. Unter dem Mantel der Wissenschaftlichkeit werden die Arsenale des Judenhasses ausgeplündert und der denkfaulen, sich am Schmutze ergötzenden Menge aufgetischt, unter der Maske ehrlicher Gelehrsamkeit werden die albernsten Theorien und Anschauungen über unsere Abstammung, unser Volkstum, unsere Religion, unsere religiösen Gebräuche u. s. w. Brandfackeln gleich in die Welt geworfen. Erhebend und Trost spendend ist es für uns, daß unter den vielen Feinden auch Freunde erscheinen und vom Geiste der Frömmigkeit und Wahrheit getrieben, uns vertheidigen. - Aber ach, was will die Welle Liebe bedeuten in dem wildtosenden Meere des Hasses? Warum schweigt ihr Männer des Wissens? warum hebt ihr den Anstoß nicht fort, warum beseitigt ihr das Aergernis nicht? Ihr habt die schärfste Waffe gegen die Mächte der Finsternis — erhebt sie für uns! Doch ach ihr laßt uns entmutigt zurückweichen. Entmutigt? Nein! „Durch Gott werden wir Mut uns schaffen!" zu ihm zurück, wenn Menschen uns verlassen. — Nicht auf fremde Hilfe haben wir zu rechnen, wir müssen in fester Zuversicht auf den Beistand Gottes uns selbst helfen, müssen die Zeit der Prüfung zu unserm Heile verwerten, müssen arbeiten, unsere sittliche Kraft zu erhöhen, unfern Mut zu stählen. Man wirft uns vor, daß auf dem Wege unseres Lebens, unserer Arbeit Steine des Anstoßes lägen, die unsere Aussöhnung mit der Menschheit verhindern müßten, den Frieden, den wir sehnlichst suchen, zu stören geeignet wären. Prüfen wir einmal diesen Vorwurf, vielleicht ist er nicht ganz unberechtigt, vielleicht krankt Israel an einzelnen Gliedern. — Diese Prüfung wird uns leicht an der Hand der Vergangenheit, an Geschichtsbildern, die lauter, eindringlicher, wirksamer reden, als Menschenwort es vermag. Wir erwähnen am Schlüße der Bußgebete und des Sündenbekenntnisses vier durch ächt menschliche Tugenden hervorragender israelitischer Männer: David, Micha, Daniel, Esra, in denen Macht, Recht, Glauben und Wissenschaft verkörpert gewesen sind. Ihr Vorbild mahne uns, da, wo es erforderlich ist, zu folgendem Texteswort: „Nehmet den Anstoß sott vom Wege meines Volkes!" Die Macht Israels war einst verkörpert in David, dem edlen König, welcher zur Ehre Gottes, zum Ruhme seines Volkes Harfe und Schwert mit Meisterschaft handhabte. Die allweise Vorsehung, welche den Mose aus der Mitte der Hebräer an die Quellen ägyptischer Bildung führte, um mit seiner Bruderliebe das Wissen zu verknüpfen, nahm aus dem ländlichen Stillleben den anmutigen, kühnen, sangeskundigen David und brachte ihn in die Umgebung Sauls. Bald ward er verehrt als Held, gepriesen iin Liede, geliebt als Freund — er aber bewahrte das Herz vor Stolz und Neid, blieb schlicht und unschuldig, treu seinem Könige, dessen Sohn in Freundschaft, dessen Tochter in Liebe mit ihm verbunden waren. Doch nicht Liebe, nein tödtlicher Haß war der Preis der treuen Anhänglichkeit an König und Staat. Saul, welchen er durch sein Saitenspiel erheitert, dem er den Kriegsruhm gemehrt, den Thron gestützt hatte — Saul, verfolgt vom „bösen Geiste", getrieben von Eifersucht, schwört ihm den Tod und zwingt ihn zur Flucht. Verlassen irrt der umher, der vor Kurzem noch von seinem Volke bejubelt, von den Helden gewürdigt wurde, und, fern seiner Familie und seinem Vaterlande, muß er die herbe Schule des

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