Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-09-01 · Heft 9 (1.9.1885) · p. Seite 207

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 9 (1.9.1885)
Date
1885-09-01
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969726-2969736--1450-2971910
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

207 Und darum dürfte es wol nicht unangemessen sein, einzelne solcher Perlen hie und da ans Licht zu heben, sei es auch daß wir nur eine Sisyphus-Arbeit damit verrichten. Midrasch Bamidbar rab. zu Parascha Balak und ebenso Tanchuma und Jalkut heben zwei Unterschiede hervor zwischen den Propheten Israels und dem heidnischen Propheten Bileam, wovon aber der zweite Unterschied ihnen als vorzüglich wichtig gilt. Während nämlich Bileam ausgezogen war, mit der Absicht, einem Volke, das ihm nie im Leben was Leides zugefügt, dnrch seinen Fluch Verderben zu bringen, sehen wir dagegen die von israelitischem Geiste erfülltes Propheten die gesamte Menschheit — Israeliten wie Nichtisraeliten — mit der gleichen Milde und Barmherzigkeit umfassen, so daß das Mißgeschick selbst solcher Völker, die stets feindlich gegen Israel verfuhren, ihre schmerzliche Teilnahme wachrief. So lesen wir bei Jesaia (16, 11): „Mein Inneres klagt um Mo ab wie eine Harfe". Ganz so auch bei Jeremia (48, 35): „Gleich Trauerflöten töut's aus meinem Herzen wegen Moab's". Und ebenso bei Jecheskel (27, 2): „Menschensohn stimme eine Klagelied an über Tyrus!" Die Autoren der Midrasch, die es somit dem israelitischen Prophetentum als höchsten Vorzug anrechneten, daß es keinen Unterschied zwischen Volk und Volk machte, sondern über die Kluft der Stammes- und Glaubensverschiedenheit hinaus das Erbarmen des Herzens walten lies, legen hiemit ein lautredendes Zeugnis ab, wie weitab sie selber von jeder engherzigen Bemessung der Nächstenliebe nach Stamm und Glauben standen und wie hoch das reine Menschentum auch in ihren eigenen Augen galt. Und dies so lautredende Zeugnis kann von seiner hohen Bedeutsamkeit selbst dadurch nichts verlieren, daß dem Munde derselben Autoren zuweilen ein verbitteteter Aufschrei entfuhr, den ihnen die über alle Beschreibung traurige und angefeindete Lebenslage erpreßte — eine Bemerkung, die auch die gelehrten Mitarbeiter des „Jnstitutum Judaicum" niemals aus den Augen lassen sollten. Pie Klhik Mlo's in ihrem Werhättniß zu den ethischen Lehren der Volks- und chesetzeslehrer der Inden in Palästina und Waöytonien. (Fortsetzung.) Der Weg der Lehre oder des Unterrichts. Auf demselben unterscheidet Philo mehrere Stufen. Die erste ist die des Erwartens und der Hoffnung, die auf das Erwachen des Geistes eintritt; es ist das Licht, das nach den« Verfliegen der Nacht aufsteigt; die Zeit der ahnuugsreichen Erwartung höherer Erkenntnis. Die biblischen Vorbilder hier sind: Enos, Mirjam, die hoffend über Mosis Geschick dasteht, und Therach, der Vater Abrahams. Die zweite beginnt mit der Losreißung von der Sinnlichkeit und Hinneigung zu dem Geistigen, >vo er ein Lernender wird. Er beschäftigt sich mit der Betrachtung der Welt, der Sterne u. s. w., wie seines eigenen Leibes, wie Abraham zu Ur in Chaldäa. Die dritte ist die von den Vorbereitungswissenschaften:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.