Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1885)
- Date
- 1885-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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205 tief und gründlich, nicht blendend und glitzernd, zwar der farbenreichen Blüten entbehrt, aber durch Früchte ergötzt. Die ganze Nacht hätte ich bei ihm sein können, sagt sein Fremder, so groß war mein Wunsch ihn zu hören, sein Antlitz zu sehen, und da muß der unglückliche Sabbath dazwischen kommen. Das allein erschien ihnen störend, sonst gefiel ihnen Alles an diesem Manne. Und ein solcher Mann, guter Gott, ist ein Jude, von Juden geboren, ernährt, erzogen und unterrichtet, von einem Volke, das von allen Anderen für barbarisch, abergläubig, niedrig, verworfen und fern von dem Glanze aller Wissenschaften gehalten wird^>. Der Sturm gegen den Talmud in den Tagen Reuchlin's ward hervorgerufen durch einen jüdischen Schächter und Wucherer von zweideutigem Rufe, Namens Pfefferkorn, der, um einer angedrohten, gerechten Strafe von Seiten der jüdischen Gemeinde zu entgehen, sich taufen ließ. Aus Rache und verwandten Motiven suchte er die Verbrennung des Talmuds herbeizuführen. In Verbindung mit den Kölner Dominikanern, mit Hilfe der hohen Protektion, der schwermütigen Schwester Maximilian's, Kunigunde, erlangte er ein kaiserliches Mandat, die jüdischen Bücher „zu nehmen und zu unterdrücken." Auch au Reuchlin, den berühmten Kenner der hebräischen Sprache, wandte sich Pfefferkorn um dessen Unterstützung, der ihn indes rundweg abwies. „Es gefalle ihm Pfefferkorns Gesicht nicht," sagte Reuchlin, noch weniger gefiele es ihm dessen Vorgehen gegen das „von Christi nächsten Verwandten geschriebene" Buch. Reuchlin seinerseits verabsäumte nie eine Gelegenheit, die hohe Wichtigkeit der „hebräischen Wahrheit," wie er es nachdrucksvoll nannte, zu verkünden. Als 1510 eine Kommission sachverständiger Männer von den Universitäten Heidelberg, Köln, Mainz, Erfurt eingesetzt worden, die Sache des Talmuds zu prüfen, verfaßte Reuchlin sein berühmtes Gutachten, welches Ranke als „ein schönes Denkmal reiner Gesinnung und überlegener Einsicht" bezeichnet. Er erklärte, von dem Talmud nichts zu verstehen. Er glaube überhaupt nicht, daß es viele gäbe, die etwas davon verständen. Am allerwenigsten dessen wailand jüdischer Verläumder. „Es sei ihm kein jüdischer Täufling bekannt in teutschen Landen, ders habe künden, weder Version noch gar lesen. Aßgenommen der Hochmeister zu Ulm, der gleich danach bald wieder ein Jude in der Turkay worden ist." Auf des Kaisers Anfrage um seine Meinung wiederholte er Klemens' Vorschlag, talmudische Lehrstühle zu gründen. An jeder deutschen Universität sollten zwei Professoren zu dem ausschließlichen Zwecke angestellt werden, es den Studierenden zu ermöglichen, mit diesem Buche, „dem stolzen Hirsche niit viel Enden," bekannt zu werden. Der Talmud sei nicht dazu geschaffen: „Das Jederman mit ungewaschenen Füßen darüberlauf und sag, er kands auch. Wann nur aitz ein unverständiger käme und sprech allergroßmechtigster Keyser allergnedigster Herr ewer majestat sol der alkimin unterdrükken und verbrennen fiir die weil in denselben büchern stond lesterliche schändliche und auch narrechtige farliche Ding geschrieben wider unserm christlichen Glauben. Was sollt die kays. maj. einem solichen biffel oder esel zu antwurt geben andeals das er sagte du bist ein schlechter Mensch vil mer zu verlachen dan zu wil faren .... Die wail nun ain so kleinsinniger Kopf nit mag ergreiffen und erfassen die haimlichkeit ainiger Kunst und ist dero nit wirdig und verstat die Ding anders dan sie an in selber sind wollten ihr raten das man solliche verbrennen *) Die letzte Stelle zu Anfang des 2. Buches lautet: dii boni, homo Judaeus, ex Judaeis ortus, alitus, educatus et edoetus quae natio ubique gentium barbara, supertitiosa, vilis objecta et a spleudore omuium bonarum artium aliena est habita.