Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1885)
- Date
- 1885-09-01
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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203 Mohamed ist nichts anders als ein Gesandter. Sure 3. Alles, was hier nicht verboten ist, ist erlaubt. Sure 2. Verlasse die, welche mit ihrer Religion Scherz und Spott treiben. Sure 6. Der Koran ist nichts anders als eine Ermahnung für alle Welt. Sure. 38. So finden wir hier nebeneinandergestellt, die ehrwürdige Sprache des alten Testamentes neben der schwärmerischen Koransprache, die liebeschwelgenden Aussprüche des neuen Testamentes neben der bedächtigen Talmudsprache, ein wahrer Quell von Sittensprüchen und Sentenzen für alle Verhältnisse und Lebenslagen, alle Ausflüsse eines einzigen Glaubens, Strahlen einer einzigen Sonne, der jüdischen! Uns in sie vertiefend stimmen wir gewiß ein in die Worte des Dichters: „Will noch tiefer mich vertiefen, In den Reichtum, in die Pracht! Ist mir's doch als ob mich riefen Väter aus der Grabesnacht!" N. Heine. Joyarrn Hleuchtin und der Hakmud. Bon A. Föwit. Seit den Zeiten der Kirchenväter erstarrten alle wissenschaftlichen Bestrebungen und erstarren die hebräischen Studien innerhalb der Christenheit. Die Bücher der Bibel blieben in der lateinischen Uebersetzung des Hieronymus auch nur den Geistlichen bekannt; dem Laien war's verboten sie zu lesen. Die Unwissenheit stieg und steigerte sich von Tag zu Tag, während die Juden unterdes zum leichteren Verständnis die Bibel mit Vocalen und Accenten versahen, mit einer großen Reihe von Coinmentaren bereichert, die beiden Talmuden, die gesummte Midrasch- und hagadische Literatur gesammelt und zur Schrift gebracht hatten. Die Christen begehrten ihre Unterweisung nicht mehr. Die Unwissenschaftlichkeit des Zeitalters, welches in einem barbarischen Latein genügenden Behelf erblickte, war zu groß, um Sehnsucht nach der heiligen Sprache zu erwecken, dazu kam der Haß gegen die Juden. Man wollte von Denen, die man im Leben verachtete und bedrückte, auch wissenschaftlich keine Förderung erfahren. Ergieng es also den Büchern der Bibel, welche auch die Kirche als heilig verehrte, und deren authentischer Text mit sieben Siegeln verschlossen blieb, um wie viel schlimmer mußte das Geschick des Talmud sich gestalten! Was man in der Christenheit von ihm hörte und wußte, schien den Verdacht der Zauberei wohl zu begründen. Mehr als hundertmal ist er in Acht erklärt, konfiszirt, vernichtet und verunstaltet worden, er schmachtete in den Kerkern, lag auch im Bann und wurde unzählige Mal öffentlich verbrannt. Schon im Jahre 553 soll er von Jnstinian durch eine spezielle Novelle, an den Präfektus Pretorio Areobindus gerichtet, verboten worden sein. Im späteren Mittelalter beginnen die Verdammungsbullen der Päpste sich zu häufen, die Confiscations- und Verbrennungsdekrete