Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1885)
- Date
- 1885-09-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Kern aus der Schale, die fromme Lehre aus der Zeremonie zu erhalten suchen? Das ist der Zweck, die Tendenz weiser Reform! Auch der moderne Jude soll die Weisheit seiner Väter kennen, sie anzuwenden wissen als Waffe gegen alle sitten- und religionsgefährlichen Angriffe, soll sein heiliges Spruchbuch besitzen, aus dem er in Stunden der Sammlung und Erbauung Stärkung und Anhaltspunkte für das Leben gewinnt. Die Bildung der neuen Zeit hat sich auf dem Boden der Litteratur auferbaut. Eine Weltlitteratur schlingt schon in schöngeistiger Beziehung ein Band um alle Völker. Es bedarf nur eines allgemeinen Anstoßes, einer Wiederbelebung und Erweckung des religiösen Gefühls, um auf dem Gebiete der Religion durch das Band der gemeinsamen Litteratur hier eine Völkerverbindung hervorzurufen. Es ist das eine Zukunft, wie sie die Propheten im Auge hatten. „Viele Völker werden kommen und aussprechen: Auf, lasset uns hinziehen zum Berge des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs!" Jes. 2, 3. „Mein Haus wird ein Bethaus heißen, für alle Völker." Jes. 56, 7. Der jüdische Glaube als Quell aller gottesgläubigen Ideen wird alles Große und Schöne und Herrliche in sich wieder aufnehmen, das ist die Zukunft, die so sehr ersehnte Zukunft der Menschheit. Derartige herrliche Ahnungen und ein solches erhebendes Prognosticon der Zukunft zieht durch unsere Seele bei der Lektüre eines neu erschienenen Werkes: „Gott und der Mensch, in Aussprüchen der Bibel alten und neuen Testamentes, des Talmud und des Koran, systematisch in Parallellen dargestellt von S. Blumenau, Lehrer und Prediger in Bielefeld." Wir finden hier verwirklicht das von uns aufgestellte Ideal einer Welt- und Menschenverbrüderung auf dem Boden einer aufgeklärten, gebildeten Religion, auf dem Boden des Spruches, der „Sprüche der Väter!" Der dem Werke Anfangs bestimmte Titel „Ethik der Gottgläubigen" würde diese Zusammengehörigkeit aller Völker näher bezeichnet haben. Wir geben hier die Parallelstellen zu dem Kapitel „Offenbarung, Gotteslehre und Gesetz" aus dem zweiten Teil: „Sprichwörter, volkstümliche Redensarten, Sentenzen Geflügelte Worte." Altes Testam. Die Lehre, die Moses uns gegeben, ist ein Erbteil der Gemeinde Jakobs. 5. B. M. 33, 4. Ist nicht mein Wort wie Feuer spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zersplittert? Jer. 23, 29. Lieber ist mir deines Mundes Lehre, als Tausende von Gold nnd Silber. Ps. 119. 72. Das Gebot ist die Leuchte, die Lehre ist das Licht. Spr. 6. 2. 3. Neues Testam. Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. Math. 11,30. Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Röm. 3, 30. Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. 2. Kor. 3, 6. Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote. Joh. 14, 15. Das Wort Gottes ist schärfer denn ein zweischneidig Schwert. Hbr. 4, 12. Talmud. Die Lehre ist wichtiger als die That, denn sie führt zur That. Kiduschin 40. Das Gesetz erziehet und bildet den Menschen. Debarim r. 6. Je mehr Lehre, desto mehr Leben. Ab. 2, 8. Die Ceremonien hören in Zukunft auf. Niddah 61. Kein Prophet hat die Macht, Neues zu schaffen. Joma 80. Koran. Gott will es euch leicht und nicht schwer machen. Sure 2.