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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-09-01 · Heft 9 (1.9.1885) · p. Seite 200

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 9 (1.9.1885)
Date
1885-09-01
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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200 Nur eine Art homöopathischer Kur könnte hier wohl die geeignetste Remedur geben. Unsre Gegner gebrauchen Schlagwörter, wenden in kurze, bündige Fassung gekleidete Lehren an. Wohlan auch wir haben — auf dem Gebiete der Religion besonders —■ eine köstliche, leider wenig benutzte Fundgrube höchst präciser, in trefflicher Abrundung vollendeter Schlagwörter und Sprüche, die ein geeignetes Gegengewicht jener schädlichen Sündflut' gefährlicher Lehren entgegenstellen können. Wenn wir das Gebiet der weltlichen Litteratur — im Gegensatz zu der spezifisch religiösen so bezeichnet — betrachten, so finden wir schon eine reiche, segensvolle, Herz und Gemiit bereichernde Spruchwelt. Giebt es Erhebenderes, Edleres, als die mit wunderbarer Kristallschöne und Festigkeit begabten poetischen Sprüche Schillers, aus seiner „Glocke", seinem „Wilhelm Tell" u. s. w. Göthe hat im „Tasso", im „westöstlichen Divan", eine reiche Auswahl klassischer, lieblicher Blüten, angenehm dem Ohre, lieblich dem sinnenden Geiste, dem fühlenden terzen geboten. Leopold Schefer im Laienbrevier, (nachgeahmt von Ed. Duller) allet, Bodenstedt, kurzum die größten Dichter haben die Macht des Sprichwortes, der Sentenz kennend, herrliche Lehren im schlichten Spruchgewande dem Volke geboten. Mit feinem Sinn die Schönheiten der morgenländischen Dichtung ahnend und den tiefen Gehalt des morgenländischen, künstlichen Sprichwortes enthüllend, steht Herder in den: „Stimmen der Völker." „Geist der hebräischen Poesie." Morgenländische Sagen." Die Krone in der Spruchlitteratnr gebührt aber dem biederen Rückert, bei den: sich eine wahre Fruchtbarkeit und Virtuosität auf diesem Gebiete, gewiß in der Anerkennung seiner großen Wichtigkeit für Erziehung und Hebung des Volkes, findet. Welche weiche. Gefühle inniger Volkspoesie finden wir in den „östlichen Rosen" und in den Übersetzungen und Nachbildungen von Indiens beschaulichen Dichtern „Nal und Damajanti" und in den durch Biegsamkeit unserer Sprache alle Nachbarvölker in Erstaunen setzenden „Makainen" des arabischen Dichters Hariri. In der Uebersetzung der „Hamasa" jener großen Gedichtsammlung aus den Liedern von 421 arabischen Dichtern und 56 Dichterinnen befindet sich auch der jüdische Dichter Samuel ben Adija (Mitte des 6. Jahrhunderts). Es ist hier das erste Aufquellen einer dichterischen Ader aus Israels Urquell. (Vergl. Delitzsch Jüdisch-Arabische Poesieen.) Später beteiligte sich das Judentum mit seinen Geisteskoryphäen auch an der poetischen weltlichen Sprachlitteratur. Salomo ben Gabirol (11. Jahrh.), Jehuda Halevi (12. Jahrh.), Abraham Jbn Esra, waren Nachahmer des berühmten Rabbi Meir der talmudischen Zeit, von dem nian wegen der Kürze seiner Schreibweise sagte, daß „zu seiner Zeit die Tinte teuer gewesen sei," und in dessen Vorträgen die erbauende Exegese (Agada), das Gleichnis, die Fabel und das Sprichwort zwei Drittel ausmachten. Gehen wir auf das Gebiet der allgemeinen religiösen Sprüchwörter über, so gebührt hier gewiß dem Judentum der Vorrang. Schon wegen der tiefen Bedeutung des Wortes für Popularisirung, Vervolkstümlichung der Religion, mußte das Judentum, welches der Feind jeder Geheimlehre, jeder Mystik ist, früh dasselbe liebgewinnen. Eine Geheimlehre im Sinne von geheimzuhaltenden und nur einzelnen, etwa bestimmten, auserwählten Männern mitzuteilenden Lehren über Gott, Welt und Menschen kennt das Judentum nicht. Die Offenbarung seiner Wahrheiten ist für Alle und an Alle, bildet daher kein Geheimnis. Was sie als für den Menschen unerkennbar verschwiegen, davon hat sie auch Moses ausgeschlossen. Daher ist Öffentlichkeit, allgemeine Popularisirung der Religion, Zweck

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