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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-09-01 · Heft 9 (1.9.1885) · p. Seite 198

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 9 (1.9.1885)
Date
1885-09-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 und Leben, in Verwaltung, Schule und Synagoge. Hier ist der erste Punkt, wo man zur Hebung der Mißstände den Hebel anzusetzen hat. Aber es gilt nicht blos zunr äußeren Scheine der Einsetzung eines Rabbiners, sondern man gebe ihm auch Einfluß und Autorität, lege die Ordnung und Führung der religiösen Angelegenheiten mit in seine Hand, mache seine Mitwirkung züm inuern Bedürfnis und zur äußern Notwendigkeit. Zweitens: Der Mangel an Rabbinern in den Gemeinden und die Ersetzung derselben durch Lehrer macht für diese eine mehr als elementare Ausbildung notwendig, sowohl in Bezug auf allgemeine, wie auf theologische Fachwissenschaften. Daun wird aber auch die Organisation unserer Seminarien eine andere werden muffen; diese werden nicht mehr einfache elementare Volksschullehrer auszubilden sondern, sondern auch allgemeine und theologische Fachwissenschaft in erweitertem Umfang zu unterrichten haben. Auch die Stellung der Lehrer wird eine andere werden müssen, weil die Ansprüche an ihre Thätigkeit und Person gesteigert worden sind. Auch die Kumulation aller möglichen Schul-, Synagogen- und Gemeindeämter, hoher und niedriger, auf Eine Person, welche alle der Lehrer zu übernehmen und für welche er den höchsten Ansprüchen zu genügen hat, wird für die Zukunft eine Unmöglichkeit. Jetzt geht es nicht, wie es soll, sondern wie es kann; die Gemeinden fordern von ihrem Lehrer, was sie wollen, und die Lehrer thun, was sie müssen, nicht was sie können und diirfen. Dies sind wiederum keine normalen Zustände, sie sind weder den Gemeinden noch dem Judentum zum Vorteil. Auch hier ist ein Punkt, wo zur Hebung der Mißstände der Hebel anzusetzen ist. Drittens: Ein Hauptübelstand, welcher der Abhilfe bedarf und durch welche Rettung für vieles Andere gewonnen wird, ist die Uneinigkeit und Spaltung der verschiedenen Gemeinden und die Zerklüftung und Parteiung innerhalb derselben; es fehlt den Gemeinden der Zusammenhang und darum auch das Zusammenhalten. Jede Gemeinde ist für sich souverain und folgt in der Ordnung nnd Verwaltung religiöser Angelegenheitrn verschiedenen oft entgegengesetzten, auch falschen und irreligiösen Anschauungen und Principien. In der Gemeinde ist der Vorstand souverain den Gemeindegliedern und Beamten, auch dem Rabbiner gegenüber. So sind die Zustände innerhalb und außerhalb der Gemeinde; niemand will sich unterordnen, jeder befehlen. Die Spitze des Baumes will die Nahrung nicht von der untenstehenden Wilrzel.annehmen, und die Wurzel will die obenstehende Spitze nicht dulden und anerkennen. Dafür bedürfen wir eines einigenden und zusammenhaltenden Central-Organs. Warten wir nicht damit, bis die Regierung uns ein solches Organ octroyirt; diese überläßt uns die Organisation, und vielleicht mit größerem Rechte, als man allgemein zugeben möchte. Mögen manche auch ruhig zusehen, wie man das Judentum auf dem Friedhöfe des Jndifferentismus weilen läßt, bis es in's Grab sinkt; zeigen wir lieber, daß noch lebende Triebkraft in dein Glaubensbaume des Judentums vorhanden ist, um bei rich-, tiger Behandlung und Pflege zum üppigen Wachstum gefördert zu werden, reiche Blüten zu treiben und reife Früchte zu zeitigen- Um nur eins hervorzuheben: Wie notwendig ist die gemeinsame Behandlung des Schullebens unserer Kinder in ihrem Verhältnisse zur Teilnahme am Religionsunterrichte und Gottesdienste. Die meisten sind ohne regelmäßigen Besuch des Gottesdienstes während der ganzen Schulzeit. Wie kann da unsre Jugend ein lebendiger Zweig an dem Baume des Judentums werden? Man wird doch nicht glauben, daß die Enthebung vom Schreiben am Sabbat eine hinreichende Nahrung für das religiöse Leben sei. Warten wir nicht zu lang, bis dieser Zweig vollständig abgestorben

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