Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1885)
- Date
- 1885-09-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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396 erloschen waren, da stieg ein Licht aus seiner Mitte empor, das ans seinen verödeten Gefilden einen herrlichen Frühling erwecken sollte. Eine Feuersäule, Vergangenheit und Zukunft mit gleichem Glanze bestrahlend, erhob sich vor seinen Augen, Samuel, der Sohn jener Hanna, die einst als einsame Beterin im Tempel des Herrn gestanden, das Kind, das ihr das lange entbehrte Lebensglück gebracht, Samuel war es, der das todtgeglaubte Israel wieder zu neuem Leben erweckte, das Volk seinem Gotte wieder nahe brachte, wie Moses die Lehre der Wahrheit verkündete, gleich Ahron das echte Priestertum wiederherstellte, und Israel seinen alten Glanz wiedergab, indem er den Quell seines Geisteslebens aufschloß, aus welchem die Ströme unvergänglichen Heiles sich ergießen. So verkündet das Neujahrsfest, das Lichtgestalten wie Abraham und Hanna, Jizchak und Samuel, als Zeugen des stets sich verjüngenden Israel uns vorführt, uns nicht blos die beglückende Botschaft, daß der Herr auch da, wo auf Erden uns alle Hoffnung entschwunden zu sein scheint, mit seinem rettenden Heile und seiner erlösenden Hilfe uns nahe ist, sondern es weist damit auch auf die Bürgschaft unseres unvergänglichen Fortbestandes uns hin, indem es das Bild des in Israel nie ganz erlöschenden Geisleslichtes uns vor Augen stellt. Diese Gewähr und Bürgschaft unseres steten Fortbestandes ist also nicht die äußere Macht, auf die wir uns stützen, und nicht der vergängliche Besitz, dessen wir uns rühmen, sondern einzig und allein die Lehre der ewigen Wahrheit, in deren Erkenntnis und treuer Uebung wir* als Diener des Einen und Ewigen seinen Namen verherrlichen und sein Reich auf Erden begründen. Fürwahr! In diesem Reiche soll die Sonne nie untergehcn! und wenn Finsternis die Erde bedeckt und die Geistesnacht ihre Schatten immer dichter zusammenzieht, in Israel soll die Menschheit das Gotteslicht, das sie verloren, stets wiederfinden, in Israel soll es in reinem, Hellem und ungetrübtem Glanze erstralen. Und so ist denn in der That auch in allen Zeiten in unsrer Mitte dieses Licht von den auserlesensten Geistern treu gehütet worden. Und war es auch manchmal so wie in unseren Tagen, daß gar viele, von dem Glanze äußerer Macht verblendet, es verließen, bald aus Unverstand, bald aus Gleichgültigkeit, bald aus hartnäckigem Trotz und thörichter Selbstüberhebung, oder es gar zu verdunkeln und zu verlöschen suchten, um ihrem Eigensinne zu fröhnen, ihren Eigenwillen geltend zu machen und ihr niedriges eigenes Nichts auf den Thron der göttlichen Ehre zu erheben, untergegangen ist es nie, Gott selbst hat es geschützt und hat zu allen Zeiten seine treuen Hüter sich bestellt, die es erhielten und bewachten als den innersten Lebensgeist Israels und den unverlierbaren Schatz seines Daseins. Darum sehen wir auch, ob auch Feinde von innen und von außen den Fortbestand unserer Lehre auf das schwerste bedrohen, getrost und hoffnungsfroh in unsere fernere Zukunft hinaus. Das Licht unserer Lehre wird nicht erlöschen, der Stamm unserer Glaubensgemeinde nicht untergehen. Wir fürchten den Tod nicht, denn Israel ist zum ewigen Leben bestimmt, und soll von Neuem ihm das Grab bereitet werden, wiederum wird es, von dem ewigen Gottesgeiste verjüngt, sich erheben. Wir aber wollen die Botschaft der Auferstehung und des ewigen Lebens, die unser heiliges Neujahrfest uns verkündet, nicht ungehört verhallen lassen, sondern vielmehr die schlummernde Kraft der geistigen Verjüngung in unseren Herzen von Neuem erwecken, den Gottessinn, der die Wurzel aller Menschentugend ist, uns tief in die Seele hineinpflanzen, das Licht des Glaubens und der Wahrheit hell emporstrahlen lassen, daß es uns reichlich in das Herz hineinleuchte und uns die dunklen Lebenspfade erhelle. Dann haben wir mit dem