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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-09-01 · Heft 9 (1.9.1885) · p. Seite 194

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 9 (1.9.1885)
Date
1885-09-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 hat. Israel welkt nicht und altert nicht! Mit den Wurzeln seines Stammes in den Boden der ältesten Vergangenheit hineingepflanzt, schreitet es in unverwelklicher Jugendblüte durch die Zeiten dahin, bis es einst an das Ziel seiner Wanderung gekommen und die Frucht der allgemeinen Gotteserkenntnis herangereift ist, die der gesammten Menschheit den ersehnten Frieden bringt und das dauernde Heil. Zur Zeit seiner Einsetzung war allerdings diese Bedeutung des Neujahrsfestes noch nicht ausgesprochen, da sollte es blos der Erinnerung geweiht sein, die Gewordenes und Vergangenes uns vor Augen stellt, einer Erinnerung, die an den ersten Schöpfungstag anknüpft und von da aus durch die lange Reihe vergessener Zeitalter sich fortleitet. Ein Neujahrstag, ein Zukunftsfest ist es erst geworden, als dem aus seiner Heimat vertriebenen, in die Nacht des Elends hinausgestoßenen Israel, das als welkes Todtengebein über die Gefilde Babylons ausgeftreut war, der Morgen einer neuen Zukunft aufgieng, der erweckende Hauch des Geistes, die belebende Kraft des Gotteswortes, an ihm Wunder gewirkt unh das Bewußtsein seiner Unvergänglichkeit zum nie versiegenden Quell seiner Hoffnung und zur unerschütterlichen Grundlage seines Fortbestandes geworden war. Seitdem hat es in den Schofarklänaen deu Ruf der Auferstehung vernommen, der die Toden zu neuem Leben erweckt, und der Tag, der nur ein Denkmal am Grabe einer entschwundenen Vergangenheit sein sollte, ist ihm zugleich zum Wahrzeichen seiner ewigen Zukunft geworden. Nicht im Frühling, in welchem die Erde aus ihrem winterlichen Grabe sich erhebt und durch ihre Berge und Thäler das Jubellied der Auferstehung klingt, sondern im Herbste, der ihr den Todengesang anstimmt und ihr den welkenden Blütenkranz zerpflückt und in alle Winde verweht, feiert Israel sein Neujahrsfest, die Zeit, die ihm eine neue Zukunft verkündet und ein ferneres Dasein in Aussicht stellt. Denn das Leben Israels hat nichts mit jenen irdischen Gestaltungen gemein, die heute bestehen und morgen vergehen, es ist nicht durch zeitliche Entwicklungen bedingt, die so wie sie gekommen wiederum verlaufen, es ist erhaben über alle Wandlungen der Zeit und des Geschickes, es welkt nicht hin und hört nicht auf und geht nicht unter, weil es in dem Gottesgeiste seinen festen Halt findet und seine unzerbrechliche Stütze. Viele Zeitalter sind dahingeflossen, zahllose Menschengeschlechter untergegangen, mächtige Weltreiche von der Erde verschwunden, Israel ist geblieben und steht heute noch da, ein Greis unter den Völkern und zugleich ein Jüngling in ihrer Mitte, ein Zeuge des ewigen Lebens. Und daß es so ist und immer so sein wird, daß auch in den düstersten Zeiten, in denen der Fortbestand Israels bald durch den Ansturm blinden Verfolgungseifers von außen her, bald durch die klägliche Erschlaffung des Geisteslebens im Kreise seiner eigenen Angehörigen von den schwersten Gefahren bedroht ist, der Herr uns seine Hülfe senden, da, wo wir dem Grabe uns nahe glauben, zu neuem Leben uns erwecken wird, das ist in der Botschaft des Heiles unb der Hoffnung, die uns heute zugerufen wird, mehrfach bezeugt und angekündigt. — Abraham ist alt geworden und dem Tode nahe'gekommen. Mit Wehinut blickt er in die Zukunft hinaus, keinen Erben seines Glaubens, keinen Träger seines Geistes sieht er Nachkommen, der sein Heileswerk fortsetzen wird. Herr der Welt! Was sollen mir alle Schätze, mit denen du mich beschenkt hast, ruft er zu seinem Gotte, wenn ich den herrlichsten Schatz, den ich besitze, in die Erde mitnehmen muß und Niemand da ist, der ihn übernehmen und bewahren kann? Diese Sorge überlasse mir, erwiederte der. Herr. In deinem Alter wirst du dich verjüngen und nach deinem Tode wirst du noch fortleben; du kannst in Frieden von dieser Erde scheiden, denn deines

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