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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-08-01 · Heft 8 (1.8.1885) · p. Seite 184

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 8 (1.8.1885)
Date
1885-08-01
Page
Seite 184 (sequence 16)
Language
German
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184 gedanken des heiligen Landes, der ins Volk geworfen wurde, für seine Zwecke. Eine Gesellschaft in London wolle, sagt er, die armen russichen Juden in ihr Land bringen, dort sollen sie Boden zn beackern, Ochsen zum Pflügen, Kühe zu melken finden und jeder soll nebstdem noch 30 Rubel bekommen. Die englische Judenmissionsgesellschaft, die bei einem Einkommen von 700000 Mark nur 10 Bekehrungen zu verzeichnen hat, wird wohl durch Rabbinowitz thätig sein wollen. — In Aorohoi hat die Polizei den Juden die gewöhnliche Huttracht verboten und ihnen eine schändliche aufgezwungen. Auf Wochenmärkten dürfen sie erst nach 12 Uhr einkaufen. Die Regierung erwiederte auf die diesbezügliche Beschwerde der Juden, jede Stadt habe das Recht, ihre Marktordnung einzurichten, wie sie wolle. — In Cleoeland wurde auch in der orthodoxen Synagoge konfirmiert. Die Deborah ruft aus: Jetzt kommt der Messias, der Geist der Reform klopft auch dort schon an die Thüre. — In Amerika findet eine christliche Sekte immer mehr und mehr Anhänger, deren Mitglieder an Stelle des Sonntags den Sabbath heiligen. Es giebt manche kleine Stadt in Amerika, wo man am Sabbath nur noch von einem Juden etwas kaufen oder von einem Juden eine Arbeit verrichten lassen kann, denn alle Christen feiern den Sabbath aufs strengste! Die Sabbathianer haben in Amerika mehrere Zeitschriften, in welchen sie für den Sabbath mit Erfolg kämpfen. Amerika wird uns zu der novellistischen Figur einer „S ch a b b e s - goje" noch eine „Schabbesjüdin" liefern. — Der Präsident der Sinai- Congregatian in Chigago, Herr $. Löwenstein, hat ein Schreiben erlassen, das, wenn es auch nur individuell-subjektive Bedeutung hat, doch immerhin von dem Ernste und der Begeisterung des Abfassers Zeugnis giebt und uns ein Stimmungsbild gewährt. Wir heben darum aus diesem Schriftstücke einzelne Sätze hervor: „Erlauben Sie mir zu sagen, daß noch vieles zu thun übrig bleibt, bevor wir mit Recht sagen können, daß wir ein Judentum in Uebereinstimmung mit der Lehre auf der Kanzel haben. — Und wenn wir, ungetrübt von der Macht der Gewohnheit, mit von früherer Erziehung unbeeinflußtem Verstände, mit einem Geiste, ungetrübt vom Gewölle des Vorurteils, die seit Jahrhunderten zusammengehäuften religiösen Trümmer beobachten, so können wir nicht umhin zu bemerken, daß große Massen derselben noch die Grundlage des Judentums bedecken. Unser Werk wird nicht eher vollendet sein, bis daß wir auf die alte Grundlage ein neues Gebäude errichtet haben, welches in Uebereinstimmung ist mit dem modernen Stile religiöser Architektur, bei dessen Schöpfung die Wissenschaft mitwirkt — — der Einfluß der sinai-Congregation im Aufbau und Befördern eines geläuterten Judentums reicht weit über die Wände unseres Tempels hinaus. Jeder unserer Schritte wird überwacht. Verharren wir daher fest und treu in unserer Bahn und laßt uns nicht durch Furcht vor ungerechter Kritik von der Ausführung dessen zurückweichen, was wir für recht und übereinstimmend mit den Prinzipien der jüdischen Reform halten. Wenn Vorurteil und Aberglaube der Vernunft und Aufklärung gewichen sein werden, sei es in naher oder ferner Zukunft, so werden unsere Bemühungen erkannt und nachgeahmt werden. Wir können abwarten und inzwischen unsere Pflicht thuu ohne Furcht und Gunst und wenn die Finsternis dem Lichte weicht, wird die Sinai- Congregation die stolze Genugthuung Habens in de:: ersten Reihen u.rter den Gründern einer Religion gedient zu haben, die weit genug sein wird, daß eine Welt in ihr Raum findet. — Der Selbstmord greift in Folge der Religionslosigkeit in erschreckender Weise um sich. Man hat in letzter Zeit aus Centren des Judentums auffallend viel Trauriges hören müssen, doch haben alle diese Fälle

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