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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-08-01 · Heft 8 (1.8.1885) · p. Seite 182

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 8 (1.8.1885)
Date
1885-08-01
Page
Seite 182 (sequence 14)
Language
German
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182 hat im Jahre 1884 neun Kranke mit freien Bädern, mit Wohnung, Kost und Medikamente unterstützt und einen Fahrstuhl für Gelähmte angeschafft. — Der Penfionsfond für ifrael. Lehrer und Kantoren in Baden macht, wie aus dem ausgegebenen zweiten Rechenschaftsberichte zu ersehen ist, erhebliche Fortschritte. Ende Dezember 1884 besaß der Verein 2506 Mk. gegen 881 Mk. 71 Pf. am Ende des Jahres 1883. — Ein Apothekebesitzer in Ujest soll den neu engagierten Provisor entlassen haben, weil die Frau Herzogin von Ujest durch einen Juden in der Apotheke nichts zubereitet haben wollte. Die hohe Frau sympathisirt darin mit jenem Antisemiten, der, jüngst in Jaffa angelangt, nach Jerusalem reisen wollte und zum Wagenmeister sprach: „Besorge mir einen Platz auf einem Wagen doch darf weder ein jüdischer Kutscher, noch ein jüdischer Passagier, noch sonst irgend etwas Jüdisches darauf und daran sein!" und die Antwort erhielt: „Es thut mir leid, mein Herr, daß ich Ihrem Wunsche nur in einem Stücke Nachkommen kann, die Pferde werden sicher keine—Juden sein." — Ein trauriges Zeichen der Zeit ist die Ausweisung fleißiger und redlicher russischer Juden, die besonders in Posen und Hannover in größerer Zahl ansäßig waren. In Ichildberg mußte sogar der Rabbiner, Herr Mormorstein, die Stadt verlassen. — Bei der Ausstellung in Budapest erhielt ein deutscher Jude, Herr Salomo» aus Hohenhausen, den Preis von 10000 fl. für seine Leistungen auf der dortigen Viehausstellung. — Die Gemeinden Dresden und Leipzig haben einen Verwaltungsbericht ausgegeben. Dieses Verfahren verdient besonders in Großgemeinden Nachahmung, weil dadurch bei den einzelnen Mitgliedern ein regeres Interesse für die Gemeinde als Ganzes wach gehalten wird. — Herr I. B. Deutsch, ein altes Mitglied der israel. Gemeinde in Kanih, teilt aus seiner Erfahrung in der „jüdischen Wochenschrift" mit, daß Rabb. Hirsch in Mähren für einen Ketzer und Am-ha-Arez gehalten wurde. Er weist dabei auch auf Hirsch's Unwissenschaftlichkeit hin. der z. B. „Korah“ Holzsparren" von dem gleichlautenden hebräischen Stamme, welcher „rufen" bedeutet, ableiten will, weil die gegenüberliegenden Dachsparren sich zu rufen scheinen!!! Mit Recht wird der alte Pilpul dieser Art von Wissenschaft, die davon Zeugnis ablegt, daß die neuorthodoxen Rabbiner die gerade Bahn des gesunden Denkens verloren haben, noch vorgezogen. Aber für das Judentum bleibt es traurig, so mißhandelt zu werden. Das Judentum dieser Herren gleicht in der That einem morschen Stamme, in dem sich Parasiten ansiedeln, um die letzten Reste des alten Geistes auszubeuten. Ein reisender Rabbiner, der ein geschärftes Auge für jüdische Zustände besitzt, hebt mit Recht hervor, daß er in Süddeutschland äußerliche Ceremonie allenthalben, innere Frömmigkeit und Begeisterung für die prophetischen Ideen des Judentums nur selten gefunden. Wer uns doch wieder die Männer erwirkte, die gleich Einhorn voin prophetischen Feuereifer erfüllt, wie Herr M. Ellinger schreibt, die Schäden und Auswüchse, die wie ein giftiges Unkraut hervorwuchern, bloslegten, und durch kühnes Ausschneiden der fressenden Wunde dem kranken Körper des Judentums Heilung bringen könnten! Ja, der Compromiß, welcher die am Althergebrachten hängenden erbittert und die Neuaufstrebenden nicht befriedigt, ist viel Schuld an der einreißenden Indifferenz, an der Gleichgiltigkeit, welche wie ein nagender Wurm alles Religionsgefühl und jede Begeisterung für die Sache des Judentums zerstört. — Unserem Mitarbeiter, Herrn vr. S. I. Kämpf, wurde in Anerkennung seines 25jährigen verdienstvollen Wirkens als Professor der semitischen Sprachen an der Prager Universität der Charakter und Titel eines k. k. Regierungsrates erteilt. — In Prag starb am 11. Mai der Landesadvokat vr. jur. Jacob Kram». Er war

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