Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1885)
- Date
- 1885-08-01
- Page
- Seite 181 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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181 zurückschrecken und den wissenschaftlichen Standpunkt trotz des Zetergeschreis der Heuchler und Fanatiker auch dem Glauben gegenüber als berechtigt ansehen. Wir handeln damit im Geiste des echten Judentums. Eine Stelle im Talmud sagt: „Der Messias wird erst dann kommen, wenn die Welt von Wissenschaft erhellt sein wird." Um ein Beispiel aus jenem Lehrbuche anzuführen, welches für uns besonders Interesse hat, erwähnen wir nur, daß der Verfasser die wissenschaftlichen Resultate über die Entstehung der neutestamentarischen Bücher sehr gut benutzt hat. So z. B. zu der Apokalypse 13, 18: „Hier ist die Weisheit. Wer Verstand hat der berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist 666." Bei den Griechen wie bei den Juden wurden nämlich die Buchstaben zugleich als Zahlzeichen benutzt. Die hebräischen Buchstaben aber des Wortes: Neron Kesar (Kaiser Nero) bezeichnen die Zahl 666. Noch zu des Kirchenvaters Jrenäus Zeiten kannte man die Lösung dieser Bezeichnung, später verlor man mit der historischen Auslegung dieses Buches auch den Schlüssel zu dieser Stelle. Man deutete die Zahl mit allerlei Zwang, bald auf Muhamed, den Papst, auf Luther, und Napoleon u. s. w. Daß aber die Zahl 666 nur den Kaiser Nero bezeichnen soll, ist heutzutage wieder allgemein anerkannt. (Seite 56.) Mit Vergnügen sehen wir, wie eine bei den Juden — zu deren Eiferern ja Johannes gehörte — („die ganze Anschauung, welche aus diesem Buche spricht, ist streng jüdisch-christlich," Teichmann) so gewöhnliche Spielerei mit Zahlen und Buchstaben so viel Kopfzerbrechen und wunderbare Hypothesen veranlassen konnte, und wird es auch hier klar, wie ohne genaue Kenntnis jiidischer Sitten, Gebräuche und, Wissenschaft jede Bibelforschung, auch die des neuen Testamentes, nur Stümperei ist. Frankfurt a. M. N. II. Monatsfchau. Am 18. August begeht der im 78. Lebensjahre stehende Herr Rabbiner Dr. E. Griinebaum in Landau sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum. Grünebaum ist unter schweren Kämpfen für den Fortschritt in Leben, Schule und Synagoge eingetreten und war ununterbrochen erfolgreich litterarisch thätig, er war einer der ersten Mitarbeiter an der durch Dr. Abraham Geiger im Jahre 1835 begründeten wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologie und hat auch in eigenen Schriften über den Lehrinhalt und die Geschichte des Judentums viel Licht verbreitet. — In pleß wurde an Stelle des in Ruhe getretenen greisen Predigers Herrn Iimou Alexander, der seit 1854 daselbst wirkte, Herr Dr. M Braun berufen. — Zum Bezirksrabbiner von Kühl wurde Herr Dr. K. Meyer erwählt. — In Colberg fand am 10. Mai die feierliche Einweihung eines neuen jüdischen Friedhofes statt. — Wie uns berichtet wird fand am 8. und 9. Mai die Einweihungsfeierlichkeit der neu erbauten Synagoge in Hagenbach statt, wobei Herr Rabbiner Dr. Griinebaum mit gewohnter Meisterschaft die Festrede hielt. — In Berlin verstarb der Buchhändler Ztargardl, berühmt als Kunstkenner und Autographensainmler. — Die Erben des jüngst verstorbenen Gutsbesitzers Kohr haben 200000 Mk. für ein in Äarotschin zu gründendes Waisenhaus bestimmt. Der Unterstützungsverein für arme jüdische Kurbedürstige in Nauheim