Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1885)
- Date
- 1885-08-01
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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180 geben. Auch Philo hat diese Gesetze in mehreren Schriften behandelt, aber er legt bekanntlich auf die äußere Thätigkeit einen nur geringen Wert, als daß er diese allein als die einzigen Mittel zur sittlichen Vollendung des Menschen bezeichnen sollte. Er nennt daher drei Wege: 1. die Lehre oder den Unterricht, 2. die „Uebung oder die Entsagung" und 3. die Güte der Natur. Als biblische Vorbilder dafür gelten ihm die drei Stammväter, so daß Abraham den Weg durch die Lehre, Isaak den durch die Güte der Natur und Jakob den durch die Uebung vertritt. Von diesen drei Methoden wird der letzten, der durch die Natur, von den zwei ersten der durch die Lehre und Uebung der Vorzug gegeben, weil bei der Askese oft Ermüdung und Unterbrechung eher eintritt; die durch die Natur ist die vorzüglichste, weil sie bald vollendet und nicht erst der Vervollkommnung bedarf. (Schluß folgt). Kin Lehrbuch der christlichen Hletigion. Wir begrüßen es stets mit Freuden, wenn mutigem, männlichem Streben, freier, unbeirrter Ueberzeugung auf religiösem Gebiete Ausdruck gegeben wird. Es ist uns daher sehr erwünscht, in unsrer Gegenwart, die sich sonst' so sehr in religiöser Halt- und Farblosigkeit gefällt, eine Erscheinung verzeichnen zu können, die eine Ausnahme bildet von jener sich wolgefallenden Lässigkeit, die zu träge, den freien Zug der Zeit zu ertragen, sich ängstlich hinter der breiten Aegide hergebrachter Glaubensformeln verbirgt. Wir nähern uns immermehr einem Zeitpunkte, wo es endlich Wahrheit werden muß, daß Rechenschaft gefordert wird, auf dem religiösen, dem Menschen heiligsten Gebiete, wo die Wissenschaft als der Gesammtbegriff der Ideen und Empfindungen der Gebenwart, wo die wägende Vernunft dem starren Glaubensstandpunkte gegenüber ihr Votum in die Wagschale legt. Wir wollen hiermit auf ein Werk hinzeigen, dessen Erscheinen einen lebhaften Kampf hervorrief, weil es den Standpunkt der Wissenschaft gegenüber der urteillosen, blindannehmenden Glaubensweise zu wahren sucht, auf das Lehrbuch der christlichen Religion von C. Teichmann, Verlag von W. Rommel, Hierselbst. Während hiesige Kirchenblätter den frommen Wunsch äußern, Gott möge verhüten, daß jenes Buch Eingang finde in den Schulen, wird dasselbe besonders von Schulmännern, denen ein zeitentsprechendes, auf wissenschaftlichem Boden stehendes Lehrbuch der Religion ein längst empfundenes Bedürfnis war, dessen Befriedigung aber ein ganzes Heer von Vorurteilen und gräßlichen Maßregelungen entgegenstand, mit Freuden entgegengenommen. Warum wir, als. dem eigentlichen Wirkungskreise des Werkes fernstehend, uns dennoch mit demselben beschäftigen? Weil wir eben das Wissenschaftliche und die begründende Anlegung des Werkes lobend anerkennen müssen. Da der Drang unsrer Zeit besonders auf Einigung der Konfessionen geht, die Glaubenssatzung aber eine starre, unbewegliche Scheidewand bildet — so kann eine Annäherung nur auf wissenschaftlichem Gebiete Statt haben, als dem bemeinsamen Platze der Gesamtheit der Menschen ohne Unterschied der Konfession. Wir haben den Titel unseres Blattes als „populär-wissenschaftlich" bezeichnet und wollen damit ausdrücken, daß wir vor keiner noch so weit gehenden wissenschaftlichen Logik