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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-08-01 · Heft 8 (1.8.1885) · p. Seite 178

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 8 (1.8.1885)
Date
1885-08-01
Page
Seite 178 (sequence 10)
Language
German
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I — 178 — „Wer nach dem göttlichen Gesetz lebt, wer sich von der göttlichen Vernunft bestimmen und leiten läßt, ist frei". Es ist unzweifelhaft, daß er hier den jüdischen Lehren gefolgt ist, die mit seinen obigen Lehren vom Bösen und Guten unvereinbar sind. In den Lehren von der Sünde steht Philo in der Mitte zwischen der biblischen Lehre von der menschlichen Freiheit, die er, wie bereits angegeben, zur seinigen gemacht hat und der Annahme, der menschliche Leib sei die Stätte des Bösen. Er sagt, daß die Seele durch ihre Verbindung mit dem Leibe die Reinheit ihrer Natur verloren habe; allen Menschen sei vermöge ihres Eintrittes in die Welt die Sünde gleichsam angeboren. In Folge dessen könne Niemand frei von Sünden bleiben. Ausführlich hören wir ihn: „Der Mensch habe von Jugend auf viele Anleitung zum Bösen \ durch seine Ammen, seine Eltern und Lehrer, durch geschriebene und ungeschriebene Gesetze, aber auch ohne diese Lehrer sei seine Natur von selbst zum Bösen geneigt, so daß er unter dem üppigen Anwüchse dem Laster beinahe erliege, denn, sagt die Schrift (1. M. 8. 21), das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf". An einer andern Stelle sagt er: Jedem Geborenen kleben, so gut er auch sein mag, insofern er geboren ist, Sündhaftigkeiten an. deren wegen man die Gottheit versöhnen muß, damit sie nicht ihre Strafen verhänge. Deutlicher: „Zahllos sind die Verunreinigungen der Seele, die Niemand abzuwaschen vermag. Denn notwendig bleiben in Jedem angeborene Fehler zurück, die man wohl vermindern, aber nicht ganz entfernen kann. Daher suche keinen ganz Reinen und Guten im menschlichen Leben. — Die Abwesenheit des Lasters genüge dir, denn vollkommener Besitz der Tugenden ist einem Menschen, wie wir sind, nicht gegeben". Wir haben in diesen Aussprüchen durchaus nicht die Lehre von der Erbsünde, nicht die Lehre der heidnischen Ananke, daß der Mensch zur Sünde gezwungen sei und sich über dieselbe nicht erheben und ihrer enthalten könne. Vielmehr spricht er an mehreren Stellen es aus, daß der Mensch vermöge seiner Freiheit sich ja der Sünde zu enthalten vermag. Wenn er anderwärts sagt, daß bei dem sterblichen Geschlechte die Unterlassung der Sünde der Tugend gleichgerechnet werden müsse", so ist darin jedenfalls das Geständnis der Möglichkeit der Sündenunterlassung ausgesprochen. In Bezug auf die Willensfreiheit lautet seine Lehre, daß der Leib den Hang zum Bösen zwar bewirke, aber die Sünde selbst erst durch die Nachgiebigkeit des Willens gegen diesen Hang zustande komme. So spricht Philo von zweierlei Menschen, von solchen, die im Geiste und in der Tugend leben, und von solchen, die im Sinnlichen verharren. Letztere kennzeichnet er durch den Namen: „Damascus" (1. M. 15. 2), d. h. „Blut des Sackes", wovon „Sack" auf den Leib und „Blut" auf das tierische Leben deuten soll. „Die Seelen der Einen sagt er ferner, steigen in den Leib, wie in einen Fluß, und werden von ihm im gewaltigen Wirbel fortgerissen. Sie verachten die Weisheit und suchen nur solche Beschäftigung, die sich auf den Leib oder auf irdische Dinge beziehen. Aber die der Andern, es sind die Seelen der Philosophen, trachten dem Leibe abzusterben, damit sie des unvergänglichen Lebens bei Gott teilhaftig werden". Endlich unterscheidet er drei Menschenklassen: irdische, himmlische und göttliche. Erstere sind die, welche den sinnlichen Freuden nachjagen, die Zweiten die, welche der Kunst und Wissenschaft ergeben sind und endlich sind die Dritten die Priester und Propheten, die nicht Teil haben wollen an dem Bürgerrecht dieser Welt, sondern alles Sinnliche überfliegend, in die Welt des Geistes sich begeben. Wir sehen wie Philo dem Menschen vollständig das Vermögen, sich über die Sünde zu ererheben und der Tugend sich zuzuwenden, zuerkennt; er steht damit wieder ganz

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