Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1885)
- Date
- 1885-08-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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t — 177 — wir heute an den besten Frauen der Kulturvölker bewundern und als eines der köstlichsten Besitztümer unserer Gesittung betrachten. In jenen Kreisen freilich,, in denen weibliche Keuschheit und Demut, Gattenliebe und mütterliche Zärtlichkeit als specifisch christliche Tugenden angesehen werden, wird man das nicht zugeben, und man wird fortfahren, wie bis allher, alle Errungenschaften jüdischen Geistes¬ und Gemütslebens für sich in Anspruch zu nehmen und auf das geplünderte Israel verächtlich herabzusehen. Woher kommt aber aus unserer eigenen Mitte die so weitverbreitete Meinung, daß das Weib des jüdischen Altertums noch nicht in dem Vollgenusse seiner Rechte stand? Offenbar daher daß man den Begriff des „jüdischen Altertums" viel zu weit faßt und nicht bedenkt, welche Veränderungen während der nachbiblischen Zeit und vollends seit der Zerstörung des zweiten Tempels und der Zerstreuung Israels im Leben unseres Stammes eintraten. Ich will hier nur eins Hervorheven. Seitdem es kein eigentliches Volksleben mehr in Israel gab; seitdem die Religion allein das ganze Fühlen und Denken des Israeliten immer mehr ausfüllte, galt ihm auch die Frau nur soviel, als sie in der Religion galt. Die Religion aber, früher eine Aeußerung des Gemütslebens, geweckt durch die unmittelbare Anschauung erhabener Symbole, wurde besonders seit der Zerstörung des zweiten Tempels immer mehr zu einem Gegenstände des Wissens, zu einer Sache der Spekulation. Und da unter dem Drucke der folgenden Jahrhunderte in der Religion, wie sich ein späterer jüd. Philosoph ausdrückt: die „Gliederpflichten" immermehr die „Herzenspflichten" überwucherten, mußte das Weib naturgemäß zurücktreten, es flüchtete aus der Synagoge in das Heiligtum des Hauses, wo es durch die Innigkeit des Familienlebens vor der völligen Verkümmerung des Herzens bewahrt wurde. In unserer Zeit aber, wo man, belehrt durch die traurigen Erfahrungen der sog. Aufklärungsperiode, wo besonders die Frauen die religiöse Befriedigung, die ihnen das Judentum nicht gewähren wollte, außerhalb desselben suchten — in unserer Zeit, sage ich, wo man den Frauen die Gleichberechtigung in der Synagoge wieder einrämt und das berechtigte Sehnen derselben durch verständlichen und wahrhaft erbauenden Gottesdienst zu befriedigen sucht — braucht man hierin blos an die alte biblische Zeit anzuknüpfen, wo das Weib religiös gleichberechtigt neben dem Manne stand, und wo überhaupt für die gesammte Stellung des Weibes bezeichnend ist das stolz-bescheidene Wort, das einst die Sunamitin dem Propheten Elisa erwiederte, als dieser ihr seinen Einfluß bei dem Könige zur Verfügung stellte: „Ich lebe inmitten meines Volkes!" Me Glßik Mlo's in ihrem Mrhättniß zu den ethischen Lehren der Molks- und KeseHestehrer der Inden in Hatästina und Wabytonien. i Fortsetzung.) Wie die Volks- und Gesetzeslehrer in Palästina die Sätze aufstellen: „ Es giebt keinen Freien, als den, der sich mit der Gotteslehre beschäftigt". „Solange der Mensch sich mit der Gotteslehre und der Liebeswerke beschäftigt, hat er den Trieb zum Bösen in seiner Gewalt, sonst ist er in dessen Macht"; so lehrt Philo: