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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-08-01 · Heft 8 (1.8.1885) · p. Seite 175

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 8 (1.8.1885)
Date
1885-08-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 Bis er sitzt im Rat des Volkes Mit den Aeltesten des Landes. — Darum preisen sie die Söhne Und der Gatte mit den Worten: Viele Frauen sind zwar tüchtig, — Du hast alle übertroffen. Schwand auch Anmut hin und Schönheit. Gottesfurcht ist dir geblieben: Uud dein edles Schaffen wird man Ewig preisen in den Thoren."- II. Ueber das Leben des Weibes außerhalb des Dauses will ich nur Einiges anführen, das aber genügen wird, um Ihnen zu zeigen, daß die Stellung des Weibes auch im öffentlichen Leben, selbst nach unseren modernen Begriffen, nur wenig zu wünschen übrig ließ. Ungleich freier und ungezwungener als bei den andern Völkern des orientalischen Altertums durste die Frau in Israel an dem öffentlichen Leben thätigen Anteil nehmen, ohne darum an ihrer sittlichen Würde irgendwie Schaden zu nehmen. Sie war im öffentlichen Leben gegen jede Anfechtung gesichert durch das Gesetz und durch die Gesittung Israels, die zwar die Galanterie noch nicht kannte, die aber dem Manne eine hohe Achtung vor der Frauenwürde einflößte und es ihm, wie aus dem Benehmen Moses gegenüber den Töchtern Jetro's zu ersehen ist, zur Pflicht machte, das schwächere Weib gegen jedes Unrecht in Schutz zu nehmen. Die israelitische Frau erschien im öffentlichen Leben der einfachen Sitte gemäß in schlichter Gewandung. Nur ein einziges Mal wird, u. z. von dem Propheten Jesaia (3, 18 ff.), bitterer Tadel ausgesprochen gegen die Prunksucht und Gefallsucht, gegen den entarteten Toiletten-Aufwand der „Töchter Zions". Aber diese Töchter Zions, deren Putzsucht und Uebermut der Prophet geißelt, gehören ohne Zweifel zu den Frauen des Hofstaates und können allenfalls nur als Beispiele für die Ueppigkeit des königlichen Hofes gelten, dessen Frauen sich schon zur Zeit Sauls (2. Sam. 1, 24.) in Purpur kleideten und mit Vorliebe goldenes Geschmeide anlegten. Im bürgerlichen Leben aber herrschte auch hierin zumeist die einfache Sitte. Wir begegnen nun den Frauen zu wiederholten Malen im öffentlichen Leben des biblischen Altertums; sie nehmen vollen Anteil an dem Geschicke ihres Volkes. Wie in den Tagen nationalen Unglücks das Klagelied der Frauen auf den offenen Plätzen ertönte (Jer. 9, 17.), so empfingen sie auch das siegreiche Heer mit fröhlichen Reigentänzen und rhythmischen Gesängen. Aus ihrem Liede spricht die Volksmeinung und es ist hierfür bezeichnend die Thatsache, daß die Eifersucht Sauls gegen David von der Stunde begann, da die Frauen aus allen Städten Israels den heimkehrenden König mit dem Liede begrüßten: „Saul hat seine Tausend geschlagen und David seine Zehntausend (1. Sam. 18, 7.)." Beim öffentlichen Opferdienst im Tempel erschienen Frauen als vollständig gleichberechtigt neben den Männern, sie bringen selbständig Schuld- und Dankopfer dar, nehmen Teil an der festlichen Opfermalzeit, wie denn überhaupt in dem Tempel der alten Zeit, in Jerusalem wie in den zahlreichen Landstädten, der Zutritt den Frauen in gleicher Weise wie den Männern gestattet war. Erst, der nachexilische Tempel hatte in seinen Vorhöfen besondere Räume je für die

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