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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-08-01 · Heft 8 (1.8.1885) · p. Seite 171

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 8 (1.8.1885)
Date
1885-08-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 Anschauungen und Lehren bewirkt; jetzt gelte das Gebot von der Ermordung Un- und Andersgläubiger bei den Juden nicht mehr. Dies ist der kurze Inhalt der vorliegenden'Schrift; sie ist also nicht in Feindschaft und Fanatismus, sondern in wohlwollender Absicht geschrieben. Nur ein wissenschaftlicher und theologischer Irrtum liegt vor, und es ist Pflicht darüber zu belehren. Nehmen wir einmal einen Augenblick an, es fänden sich vereinzelte derartige Aussprüche in angegebenen Sinne in jüdischen Schriften vor, gelten diese darum als allgemein recipirte und maßgebende Grundsätze des Judentums? Und fänden sie sich selbst im Talmud, in Maimonides und Karo, ist dagegen kein Widerspruch gestattet, ist dafür das ganze Judentum verantwortlich? Der Verfasser selbst gesteht doch zu, daß die angegebenen Grundsätze von späteren Lehrern des Judentums für ungültig und unanwendbar erklärt werden, also ist doch Widerspruch gestattet und vorhanden. Und glaubt er, daß die Grundlehren des Judentums so kurzer Hand in ihr Gegenteil verdreht werden könnten und dürsten? Aber hat nicht auch die Kirche und der Staat des Mittelalters, wie die heidnische Vorzeit judenfeindliche Gesetze erlassen, wie sie hier seitens des Judentums gegen Un- und Andersgläubige, Heiden und Christen, vorliegen sollen? Der Umgang und Verkehr mit Inden war verboten und gehemmt und ist es teilweise noch; Juden durften nicht bei Christen und Christen nicht bei Juden dienen und für einander arbeiten; man durste nicht jüdische Arzte konsultiren, von Juden nicht Arzneien acceptiren, als Apotheker werden ja Juden erst seit neuester Zeit zugelassen, man durfte Juden nicht helfen, ihre Krankheiten nicht heilen, keine Hebammendienste bei ihnen verrichten, bei ihnen nicht kaufen, ja dieser Ruf ertönt auch neuerdings wieder, bis auf den heutigen Tag werden Juden von Christen mit Ungerechtigkeit behandelt und blutig verfolgt, im politischen wie sozialen Leben, alles dies aus religiösem Gegensätze, durch kirchliche, oder doch religiöse und fanatische Hetzerei, und alles dies bei ruhigem Verhalten der Juden, die loyal und treu, fleißig und ehrlich kein Wässerchen trüben, kein Haar krümmen. Denn wenn einzelne Juden dem Strafgesetze zuwider handeln, so geht dies die Gesamtheit der Juden nicht an; es leben ja auch nicht alle Christen als schuldlose Engel. Feindselige Aussprüche der Juden aber gegen Heiden und Christen giengen nicht spontan aus religiösem Gegensätze und Fanatismus hervor, sondern wurden notgedrungen von der Erfahrung und Ueberzeugung eingegeben und aufgezwungen, daß Vergewaltigung und Vernichtung der Juden und des Judentums beabsichtigt seien; da war alles nur Ab- und Notwehr, kein Angriff. So war es bei Griechen und Römern, bei Antiochus, Epiphanes und verschiedenen römischen Kaisern, Feldherren und Procuratoren. Selbst Herodes, der König der Juden, war ein Fremder, ein Edomit; er rief zuerst die feindlichen Römer ins jüdische Land. Dies ist auch der Grund, daß Rom „Edom" heißt; der Römer und der Edomit waren identisch. Die Judenchristen wurden von den Juden nicht behelligt. Jesus galt als Jude, er widersprach dem Judentum nicht und lehrte für die Juden; er war gegen die heidnische Propaganda und nannte diese „Heiliges den Hunden geben und Perlen vor die Säue werfen." Die Bekehrung der Heiden zum Judentum kam damals nur vereinzelt, bei durch Geist und Stellung hervorragenden Personen, vor. Für diese stützte sich Jesus auf den bezüglichen Ausspruch Hillel's, der Liebe und gute Werke in den Vordergrund stellt. *) Abweichende theologische Ansichten und Schulspaltungen gab es *) Monotheismus und Humanismus, Gotteseinheit und Menschenverbrüderung, sind 16*

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