Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-07-01 · Heft 7 (1.7.1885) · p. Seite 164

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 7 (1.7.1885)
Date
1885-07-01
Page
Seite 164 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969726-2969734--1405-2971863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

164 verantwortliches Verbrechen, wenn man das Volk Israel nebst seiner Lehre in Bausch und Bogen verwirft, wenn man seine Lehre verachtet und nicht der Mühe werth hält, einen tieferen Blick in dieselbe zu werfen. Wie viele leider giebt es, die aus Unwissenheit glauben oder aus Bosheit Andere glauben machen wollen, daß die Kabbala nichts anderes enthielte als Mord und Brand, Abschlachtung von Jungfrauen, Niedermetzlung von Königen und Herrschern. Welch eine Schmach und eine Schande für unser Jahrhundert, ein Jahrhundert der. Civilisation und der Bildung, daß sich noch Thoren finden, die solchen boshaften Verleumdungen ihr Ohr leihen. Diese Schrift ist dem Fürsterzbischof von Salzburg, Or. Iran? Albert Eder, gewidmet. Solche Stimmen von Zimsbruik haben immer etwas Erfreuliches und verdienen in christlichen Kreisen verbreitet zu werden. — Bei Oscar Deiner in Leipstq ist erschienen: Die Leiden der rumänischen Juden und Vorschläge zur Abhülfe ihrer Notlage von Or. Zmiius. Es werden in diesem Schriftchen die Leiden der Juden in Rumänien seit den fünfziger Jahren und ihre gegenwärtige traurige Lage geschildert und Vorschläge gegeben, wie man deren Zustände verbessern könnte. Es hat bereits bei den Juden in Rumänien eine Art Stumpfheit und Indifferenz für die Leiden Platz gegriffen, so daß an Selbsthülfe nicht zu denken ist. Die Auswanderung hat sich nicht bewährt, es wurde nur Elend mit Elend vertauscht, eher ist noch Aussicht auf Besserung vorhanden im Ausharren und Weiterkümpfen, dazu gehört aber materielle und moralische Unterstützung von außen. Man müsse die Juden vom Kleinhandel abbringen und dem Ackerbau zuführen, sie mit Pflug- und Ackergeräten ausrüsten und ihnen die Möglichkeit geben, sich ein Stück Erde zu pachten. In dem industriearmen Rumänien müßten die Juden zur Industrie herangezogen werden. Diese Schrift ist sowohl wegen ihres Inhalts als auch wegen der Art der Darstellung zu empfehlen. — In Bukarest hielt ein rumänischer Advokat, Constanti» C.Mille, einen Vortrag über die Judenfrage. Er teilt dort die Juden in zwei Klassen, in Herrschende und Beherrschte und der Kampf der rumänischen Bourgeoisie, die sich von der jüdischeu überflügelt sah, veranlaßt, wie er ausführt, aus Furcht, materiell geschädigt zu werden, allerlei gesetzliche und ungesetzliche Maßregeln gegen die Juden, an welchem Kampfe aber die rumänische Arbeiterklasse nicht Teil nehme. Mille verlangt am Ende seines Vortrages, was bei einem Rumänier viel sagen will, der den Judenhaß gewissermaßen mit der Muttermilch eingesogen, man solle den Juden brüderlich die Hand reichen. — Aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens der Zpgediner Eultusgemeinde ist eine Schrift „Die Juden in Szegcdin von 1785—1885" erschienen. Die Gemeinde Szegedin war durch Rabbiner Leopold Löw, dessen Andenken auch das Buch gewidmet ist und dessen Leben im 7. Eapitel ausführlich beschrieben wird, eine Zeit lang der Mittelpunkt besserer Bestrebungen innerhalb des Judentums gewesen und weithin als eine Leuchte bekannt. Im Jahre 1781 ließ sich in Szegedin der erste Jude Michael Cliajim Pollak nieder. Der erste Rabbiner Äechiel wurde am 22. Februar 1789 gewählt, dann folgte Ursch Kak. Der Vorgänger Löwe, der am 10. Dezember 1850 fein Amt antrat, war Daniel pillih, ein Mann, der schon unter dem Fanatismus der Orthodoxen zu leiden hatte. Mögen andere Gemeinden der Szegediner in der Veröffentlichung ihrer geschichtlichen Erinnerungen, die die Bausteine zu einer ausführlichen Geschichte des Judentums bilden, folgen. — Die Zeitschrift des Deutschen Palästina-Kereins (B. VIII. I. Heft) enthält einen Aufsatz zur neueren Geschichte Jerusalems von vr. Ph. Wolfs, aus dem zu ersehen ist, daß der erste Bäcker, der für Europäer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.