Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1885)
- Date
- 1885-07-01
- Page
- Seite 163 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Milteitungen. Herr H. Bloch in Breslau hat unter dein Titel „Omri Anschi" 107 Volkssprüche und Volkssagen, die als solche im babylonischen Talmud beiläufig erwähnt worden, frei bearbeitet, herausgegeben. Die deutsche Bearbeitung dieser im Volksmunde meist lebendig gewesenen Sprüche ist durchweg ansprechend. Durch dieses Schriftchen kann der Talmud sich den Lesern von einer Seite zeigen, die geeignet ist, eine bessere Würdigung desselben herbeizuführen. Möge das, was früher der Volksmund gesprochen, auch vom Volke selbst gelesen'und beachtet werden. — In Warschau erscheinen in hebräischer Uebersetzung Erzählungen der Schriftsteller Berthold Auerbach, Kompert, Kranes «. A. - Ein Bericht über die Lehranstalt (Hochschule) für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, erstattet vom Curatoriuin, ist erschienen. Beigegeben ist ein Vortrag des Herrn Prof. I)i\ Bteinihal: Hainau, Bileam und der jüdische An bi. Wie aus dem Berichte zu ersehen ist, erhielt die Lehranstalt mittelst Allerhöchster Cabinetsordre vom 7. Mai 1883 die Rechte einer juristischen Person. Viele Hörer der Anstalt wirken bereits als Rabbiner, Prediger und Religionslehrer. Im Jahre 1884 zählte die Anstalt 30 Hörer. Die Bibliothek hatte Ende 1884 6343 Bücher in 7795 Bänden. Vorträge zu Gunsten des Stipendienfonds hielten außer den Lehrern der Anstalt, auch andere Gelehrte. Es wäre an der Zeit, daß diese Lehranstalt von dem gebildeten Teile der deutschen Judenheit mehr beachtet werde. Von Frankfurter immerwährenden Mitgliedern finden wir den auch sonst durch seinen Wolthütigkeitssinn und durch sein Verständnis für bessere geistige Bestrebungen innerhalb des Judentums bekannten Herrn Theodor Ster» erwähnt, der auch unseren Mendelssohn-Verein seit dessen Bestehen kräftig unterstützt. Aus Prof. Bteinthal's geistvollem Vortrage heben wir den tief psychologisch erfaßten Unterschied zwischen Haman und Bileam mit seinen eigenen Worten hervor: Das Buch Ester berichtet einen Wandel des äußeren Geschickes, die Erzählung Bileams einen Wandel der inneren Ueberzeugung. Der Prophet Klabi, kann sich ebensowenig wie der heutige Geschichtsphilosoph eine Menschenwelt ohne Nationalität denken. Die Propheten verlangen nur, daß die Nationen in ihrer Verschiedenheit verbleibend, in dem einen alle gleich seien, daß sie in Frieden mit einander Gott dienen. — Von der im Verlage von Levy ic Müller erscheinenden Geschichte der Erziehung und des Unterrichtes bei den Israeliten von B Straßburger (siehe Monatsblätter Jhrg. I V, 269) sind weitere sieben Hefte ausgegeben worden, in welchen die talmudische Zeit ausführlich und lichtvoll behandelt wird. Der Verfasser beschreibt dann mit vieler Sachkenntnis und in lebendiger Anschaulichkeit die jüdischen Schulanstalten in Deutschland während der letzten Jahrhunderte und den Stand der Schule von Mendelssohn bis auf die Gegenwart. Das jüdische Schulwesen in Württemberg wird im achten Hefte ganz besonders ausführlich behandelt. — In der Marian Vereins-Buchhandlung und Buchdruckerei in Innsbruck ist erschienen: Pie Kabbala, ihre Hauptlehren und ihr Verhältnis zum Christentum (1 Mk. 20). In dieser Schrift wird in einem ersten Teile Geschichtliches über die Kabbala, Atter der Kabbala, das Sepher Jezirah oder das „Buch der Schöpfung", den Sohar oder das „Buch des Glanzes" Zusammentragen. In einem zweiten Teile werden die Lehren der Kabbala mit klarer Durchsichtigkeit, was bei dem spröden Stoffe nicht immer leicht ist, dargethan. Aus Seite 44 heben wir die Worte des namenlosen Verfassers hervor: Man begeht ein un- 15*