Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1885)
- Date
- 1885-07-01
- Page
- Seite 162 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Vorträgen in den kleinen Synagogen von London zu halten, in deren Nachbarschaft die Mehrzahl der armen Juden sich anhäuft. Diese Ansprachen werden sich nicht auf religiöse Gegenstände beschränken, sondern mit besonderer Rücksicht die moralische und materielle Besserung der Zuhörer bezwecken. — Herrn Baron Marcus v. Marpurgo in Triest wurde das Koniniandeurkreuz des päpstlichen Pius-Ordens verliehen. — Für die fleißigste Schülerin an der von der Regierung in Rom errichteten höheren Töchterschule wurde als Prämie nach stättgehabter Prüfung eine goldene Medaille bestimmt. Nun hatten zwei Schülerinnen Anspruch auf diese Medaille nach ihren Leistungen, eine Christin und eine Jüdin, und es war vorauszusehen, daß erstere die Prämie erhalten werde; die Königin erfuhr davon und schickte an den Direktor der Schule ein mit ihrem Namenszeichen geschmücktes Juwel mit der Bitte, dasselbe der zweiten begabten Schülerin als Prämie zu überweisen. — Herr Baron Astiiwff in Jaffa erhält auf eigene Kosten ein Hospital, in dem auch Juden freundliche Aufnahme finden. — Das Grab der Stammmutter Nahet wollten die Einwohner des Dorfes Namra vermauern. Die Juden von Hebro» wandten sich an den Pascha von Jerusalem und dieser ließ die bereits aufgeführte Mauer niederreißen und die Rädelsführer verhaften. Der Pascha stellte zugleich Wachen vor dem Eingänge des Grabes auf, damit Niemand verhindert werde, daselbst sein Gebet zu verrichten. — Das österreichische Kronprinzenpaar hat am 6. März im Hause des Herrn Lisbona in Damaskus einer glänzenden Soiree beigewohnt. Herr Lisbona, einer der reichsten Männer des Landes, besitzt auch eine ansehnliche hebräische Bibliothek.— Am 28. März wurde in Cincinnati die neue Synagoge der „Scheerith- Israet"-Gemeinde eingeweiht. Zu dieser Feier wurde auch der Präsident des Staates Ohio eingeladen und richtete aus dieser Veranlassung folgendes Schreiben an den Sekretär der Gemeinde: „Geehrter Herr! Ihren Brief, der mich zu der Einweihung Ihres neuen Tempels am Freitag den 28. d. M. einladet, habe ich erhalten. Ich bedauere sehr, daß es nicht in meiner Macht stehen wird, der Einladung Folge zu leisten; öffentliche Pflichten werden meine Anwesenheit in Kolumbia erheischen. Die intimen Beziehungen, in welchen ich seit zwanzig Jahren und mehr zu Israeliten mich befunden habe, haben mir die höchste Achtung vor der Tugend, der Moral und der Religion der Einzelnen und der Gesammtheit eingeflößt. Ob sie je das auserwählte Volk Gottes in der Vergangenheit oder nicht waren, bleibe dahingestellt; die Prinzipien, die sie jetzt leiten, ihren Lebenswandel einzurichten, verdienen ihnen diesen Titel. Sehr wenige Israeliten sind in unseren Strafanstalten, noch weniger verlangen Unterstützung aus öffentlichen Mitteln. In Bezug auf Selbstachtung, Gewerbfleiß, Ehrgefühl und Begabung stehen die Kinder Israel jetzt unübertroffen unter allen Klassen, aus denen sich unsere konglomerate Nationalität zusammensetzt ... Ich hoffe, daß Jahr nach Jahr die Mauer der Vorurteile und des Haffes zerfallen und verwesen wird, und die Christen auch den realen und gegenwärtigen Wert des großen Volkes begreifen werden, welches der Welt die besten Religionen gegeben hat, ein Volk, dessen zähe Lebenskraft seine Individualität zum Heile der ganzen Welt durch achtzehnhundert Jahre der Verfolgung erhalten hat. Mit bester Hochachtung rc. Georg Hoadtey". — In der Gemeinde Iidney herrscht Aufregung wegen der Frage, ob der Almemor aus der Synagoge entfernt werden soll oder nicht. — In Louisville hat sich ein Verein von Damen gebildet, um einen besseren Besuch der Synagoge herbeizuführen.