Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1885)
- Date
- 1885-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Kuranda wieder, ferner an Stelle des erkrankten Di-. Leopold Pompert und des Herrn Mar Theodor Schiff, welche eine Wiederwahl ablehnten, die Herren Julius Keitlinger und A. Löivy. — In Prag fand jungst ein Gottesdienst mit Predigt in czechischer Sprache statt. Am 3. April fand im israelitischen Tempel zu Prag der Feldgottesdienst für die jüdischen Mannschaften der dortigen Garnison statt! Unter den Klängen der Orgel wurde der Gottesdienst eröffnet. Herr l>r. Ale-kander Pi sch, k. k. Feldrabbiner! hielt eine patriotische Predigt. — In Lemberg wurde Herr Rabbiner Heilprin zum Prediger (Maggid) erwählt. — lieber den Bischof Wronowsby von Lublin berichten „Polnische Blätter", daß er nicht nur ein seltener Judenfrennd, sondern auch ein tüchtiger Kenner der jüdischen Litteratur gewesen. Eine Stunde vor seinem Tode unterhielt er sich noch mit dem Rabbiner von Lublin und verlangte dessen Segen, der ihm tiefgerührt von dem jüdischen Geistlichen erteilt wurde. Bei dem am 15. April stattgehabten Begräbnisse beteiligten sich auch die Juden. Der Kranz, den sie aufs Grab gelegt, trug die Inschrift „Gerechtigkeit geht vor ihM her". — Der in Wien ins Leben zu rufende jüdische Verein macht sich auch die Bekämpfung der auf Verschärfung der konfessionellen und Racengegensätze gerichteten Bestrebungen zur Aufgabe. Er will in Wien eine Hochschule für die Wissenschaft des Judentums gründen und das Judentum in eigenen und fremden Augen heben. — In Rußland machen die Juden 10 Prozent der Gesammtbevölkerung aus und beträgt ihre Zahl 2,930,639. In Mchlania in Rußland haben Mitglieder einer christlichen Sekte, wie „Ilssspliiro." berichtet, den Priester Vastlewslry gebunden. Sie wollten ihn morden und sein Blut trinken, er wurde jedoch noch rechtzeitig gerettet. Da haben wir doch wenigstens einmal eine christliche Blutgeschichte, über die die Presse auf allen Linien schweigt. — In St Petersburg hat Eliesrr LeisrroivsKi eine von ihm angefertigte Uhr ausgestellt, welche die Zeitdifferenzen in acht verschiedenen Residenzstädten Europas anzeigt. — In Amsterdam' verstürben der Rabbinatsassessor der portugiesischen Gemeinde A. v. I. pa; Via; und der letzte jüdische Veteran, der noch die Schlacht bei Waterloo mitgemacht, L. G. Ta;. — Die jüdische Gemeinde in Gothenburg hat an den Abgeordneten Godin ein Dankschreiben gerichtet, weil er im schwedischen Parlamente den Antrag gestellt, die Juden von der Pflicht, zur Bestreitung des Kultus der herrschenden Religionen beizutragen, zu befreien. — An den Eingangsthüren zu den Kirchen von Paris war vor Kurzem die Aufforderung zur Beteiligung an kirchlichen Uebungen vom 14.—16. April zu Ehren der heiligen Hostie von 1290 wahrzunehmen. Durch diese Feier soll eine traurige Geschichte aufgefrischt werden, bei der ein Jude, Namens Jonathan, weil er eine Hostie gestochen haben soll, eingekerkert, gefoltert, gemartert und schließlich lebendig verbrannt wurde. In Paris, der Stadt der modernen Wissenschaft, meint man, sollte man solch' traurige Geschichten von Blut und Folterqualen nicht neu beleben, denn echt religiöser Sinn wird dadurch in keiner Weise gefördert. — Die wertvollen Ratschläge der Untersuchungskommission voin Vorstande der United-Ignagoge in London auf Veranlassung des Präsidenten Herrn Uathaniel v. Rothschild gewinnen feste Gestalt. Es wird eine Gesellschaft unter beschränkter Verantwortlichkeit gegründet mit dem Zwecke, Häuser für die Armen zu errichten, in denen sie uin geringen Miethzins wohnen können. Auch ein Armenbesucher wurde angestellt in der Person des Herrn Koppervater, eines geborenen Polen, der mit seinen Landsleuten, deren Weise und Gewohnheiten er versteht, in jüdisch-deutschem Jargon sich verständigen kann. Ferner hat Herr Rabbiner Ä. Kohn-Zedelr es übernommen, eine Reihe von 15