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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-07-01 · Heft 7 (1.7.1885) · p. Seite 160

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 7 (1.7.1885)
Date
1885-07-01
Page
Seite 160 (sequence 16)
Language
German
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160 Bestreben habe, die Christen und das Christentnin zu vernichten, wird danach wenig zu bedeuten haben, auch wenn er ausruft: „Die Erde möge sich öffnen und mich verschlingen, oder Feuer voin Himmel fallen ititö mich töten für Zeit und Ewigkeit, wenn es anders ist mit dein Judentume wie ich sage." Man weiß es;etzt nur zu genau, daß Herr Prof. Rohling auch Dinge zu beschwören wagt, über die er nach eigenem Geständniß sich keine volle Klarheit zu verschaffen vermag. Daß es aber auch Katholiken giebt, die über das Judentum anders denken, zeigte der neue Erzabt von Martinsberg, Herr llnsjnvij, der jüngsthin zu einer Deputation jüdischer Lehrer aus Naab unter anderem auch sagte: „Wir werden Kollegen bleiben und wenn wir auch in verschiedenen Gotteshäusern unseren Gott anbeten, so giebt es doch einen Weg, auf dem wir uns stets zusaminenfinden können, es ist der Weg -der Liebe." — Die Juden in Oesterreich waren bei der jüngsten Reichstagswahl viel umworben und besonders die Polen und Clechen sprachen sich auf das Entschiedenste gegen den Antisemitismus aus; sie nannten ihn eine im Schlamme der niedrigsten Leidenschaften wurzelnde Giftpflanze, zu deren Vernichtung jeder ehrliche österreichische Patriot beitragen muß. Möchten doch diese Stimmen nicht nach den Wahlen verklingen und möchte besonders der Satz stets festgehalten werden, der sich int Rechenschaftsberichte des Klubs der vereinigten Linken an die Wähler findet: Wir verdammen auf das Entschiedenste alle gehässigen Agitationen gegen einzelne Klassen der bürgerlichen Gesellschaft, insbesondere aber die eines zivilisierten Landes unwürdige antisemitische Bewegung. — In Ungarn ist Ästocsi aus der Antiseiniten-Partei ausgetreten. — In Budapest sind 60 Prozent der Aussteller Juden, die nur 4 Prozent der Gesammtbevölkerung Ungarns ausmachen. — Nach Joseph Köröst's Schriftchen „Die Sterblichkeit der Stadt Budapest in den Jahren 1876—1881 und deren Ursachen" erfreuen sich die Juden daselbst der geringsten Sterblichkeit.— Fräulein Nasa Kusch»«) aus Budapest wurde am Hoftheater zu Cassel als Opernsängerin engagirt. — In Wien sind vom Jahre 1868—1884 1344 Personen zum Judentume übergetreten. Aus dem Judentum traten während dieser Zeit 1544 Personen. Im Jahre 1884 sind 263 Austritte aus dem Judentume angeineldet worden. — Am 8. März starb in Innsbruck der Professor der Philosophie an der Universität Or. Karl Kiginund-Baruch Rappaport, aus der bekannten jüdischen Gelehrtenfamilie dieses Namens stammend. Er hat sich zumeist mit der Philosophie des Mardono Bruno beschäftigt. — Am 26. April fand in Wien die 12. ordentliche General- Versammlung der Israelitischen Allianz statt. Aus den« Bericht über die Thätigkeit, erstattet von dem Präsidenten Joseph Ritter von Wertheimer, ist zu ersehen, daß der Verein im abgelaufenen Jahre sich um Hebung des Schulwesens in Galizien und uin Zuführung der jüdischen Jugend zuin Handwerk und zum Ackerbau sehr verdient gemacht hat. Dem Vereine der Vernstein-Mstung in Lemberg wurden für vier Jahre zusainmen 10000 fl. bewilligt, wodurch weitere 25 Zöglinge bei Handiverkeru untergebracht werden konnte««. Auch die Hilfeleistung für die rumänischen Flüchtlinge hat die Allianz in Anspruch genominen. Der Verein hat im Ganzen an Subventionen für Schulzwecke au 23 Gemeinden und Vereine 3954 fl., an litterarischen Subventionen und Stipendien 2555 fl. und für Unterstützungen an hilfsbedürftige Passanten und Emigranten, für Erziehung, Verpflegung, Bekleidung hilfsbedürftiger Kinder rc. 23.440 fl. verausgabt. Die Mitgliederzahl betrug 2730. Die Versammlung genehmigte den Bericht über die finanzielle Gebahrung im Jahre 1884 und wählte in den Vereinsvorstand die ausscheidenden Herren Cmanuel Baumgarten, Moritz Aub, vr. Arthur

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