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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-07-01 · Heft 7 (1.7.1885) · p. Seite 159

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 7 (1.7.1885)
Date
1885-07-01
Page
Seite 159 (sequence 15)
Language
German
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159 anläßlich der Bismarkfeier ein antisemitisches Stück „Moderne Freiheiten" aufgeführt. — Herr Hofprediger Stöcker hat in einem am 21. April gehaltenen Vortrage „Semit, Atheist und Sozialdemokrat" die alte Kol-Nidre-Geschichte, air die sich vernünftige Judenfeinde nicht mehr heranmachen, aufgewärmt und wurde von Herrn Prof. Hermann L. Strack belehrt, wie falsch es sei, aus dieser Formel auf leichtfertige Begriffe des Talmuds über den Eid zu schließen. Uebrigens wurde in reformistischen Kreisen längst schon von dem Kol-Nidre nur noch die schöne Melodie beibehalten und wäre es an der Zeit, daß die Orthodoxen, zumal sogar die Gaonini von Kol-Nidre als von einem „unwesentlichen Branche" sprechen, den Reformern auch darin folgen würden. Was Herr Stöcker in derselben Versammlung von einem Vereine „Esra, Sammelbüchse für Palästina" mitgeteilt, daß in dessen Statuten Paragraphe lauten: „Jedes Mitglied ist verpflichtet, für Zwecke des Vereins zu schnorren, wo und wie es kann" — „es soll geschnorrt werden mit Unverfrorenheit und Verwegenheit, wo immer sich findet Gelegenheit." —„Wer 16 Mitglieder erwirbt, heißt Büchsengabbe, wer 100, Ober-Büchsengabbe", so zeigt dieses allerdings von der Geschmacklosigkeit der Gründer dieses Vereines. Aber Unverfrorenheit und Verwegenheit sind doch Herrn Stöcker nicht so fremde Begriffe wie allerdings der „Büchsengabbe." In einer anderen Versammlung wurde der Satz hervorgehoben „das einzige welthistorische Judentum ist das talniudische, der Talmud ist die einzige Quelle, aus der das Judentum geflossen ist, der Grund, auf welchem es besteht, die Lebensseele, welche es gestaltet und erhält", als wäre das Judentum identisch mit der Neu-Orthodoxie und mit den Auslassungen des Herrn Hirsch in Frankfurt a. M., der diese seltsame, unwissenschaftliche nicht einmal orthodox zu nennende Behauptung in die Welt hinausgesendet hat. Daß ein in Berlin eingeführtes jüdisches Religionsbuch nach Dr. May den Satz enthält: „Derjenige, welcher sagt, daß das mündliche Gesetz (der Talmud) oder auch nur ein Wort daraus nicht von Gott sei oder daß ein Wort dieses Gesetzes schon seine Gültigkeit verloren habe, hat keinen Anteil an der ewigen Seligkeit", werden wir dann glauben, bis wir es init eigenen Augen sehen werden. Wir bitten unsere Freunde in Berlin nach diesem Buche zu suchen, denn solch unjüdische Gedanken dürfen nicht als Judentum gelten. — Hat schon Herr Prof, pidtell früher Herrn Dr. Elbogen gegenüber die Aeußerung gethan „Denken Sie, wenn die Juden wüßten, daß die Herren Ecker und Rohling kein Wort von Talmud verstehen, wie würden sie das für ihre Zwecke ausnützen," so ist es in jüngster Zeit dem Verteidiger des famosen Dr. Justus-Brimann, genanntem Herrn Di-. Elbogen, der vor Kurzem auch in Irchshans einen Vortrag über „die Arbeiter und der Antisemitismus" gehalten hat, gelungen Herrn Prof. Rohling zu entlarven und nicht nur dessen Unwissenheit, sondern auch dessen Gewissenlosigkeit klar zu legen. Dr. Justus schreibt an Herrn Dr. Elbogen, er hätte Rohling unterrichtet, mußte aber aufhören, weil schon das Lesen rabbinischer Schriften dem Herrn Professor so schwer fiel, daß an eine Möglichkeit, ihm die Fähigkeit des Uebersetzens jemals beizubringen, nicht zu denken war. Prof. Rohling schrieb an Dr. Justus, daß, obschon er von der Richtigkeit aller CMte in seinem Werke keineswegs vollkommen überzeugt sei, er es dennoch gewagt habe, einen Eid abzulegen und zwar that er dies, wie er sich ausdrückte, „der guten Sache willen". Rohling hat es verdient, daß er von dem charakterlosen Justus-Brimann durch Veröffentlichung der zwischen Beiden gefiihrten Korrespondenz an den Pranger gestellt wird. Ein neuerdings von Rohling angebotener Eid, daß das Judentum nur das

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