Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1885)
- Date
- 1885-07-01
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Flucht ist seine Rettung. Eine Zeichnung der stürmenden Leidenschaften im Menschen findet er in der alleg. Auffassung von 2. M. 32. 17. „Unser Inneres, sagt er, ist bald ruhig, bald in großem Sturm und Lärm. Die Ruhe ist der tiefe Frieden, der Lärm der zerstörende Krieg. Der Oberaufseher der Dinge, Moses, der Geist, ruft: Ist Streit im Lager? So die vernunftlosen Triebe im Bunde mit den Leidenschaften, sie erregen Getümmel in der Seele und Krieg. Das Gute, das ebenfalls nach der Bibel als durch den Menschen zu vollbringen sei, lehrte er im Gegensätze hierzu, kann nicht durch den Menschen, sondern allein von Gott kommen. Der Mensch vermag nur Böses zu vollziehen. Gott pflanzt die Tugenden in die menschliche Seele, durch die das Gute vollzogen wird. Es wäre eine Anmaßung, wollte sich der Mensch selbst dieselben zuschreiben, sich einbilden, selbst das Gute vollbringen zu können. Es läuft hier Alles auf die Lehre von den göttlichen Gnadenmitteln und deren Bedürftigkeit für den Menschen aus, die im Christentume durch Paulus zu einem Hauptdogma wurde und in Philo ihren Vorläufer hatte. Die Proteste dagegen von Seiten der Volks- und Gesetzeslehrer haben wir anderwärts dargethan. In strengem Gegensatz zu dem Bisherigen steht Philo's Lehre von der menschlichen Willensfreiheit, die ganz im Sinne der biblischen gehalten ist. So lehrt er: „Der Mensch ist aus demselben Stoffe, wie die Himmelsnaturen, und deshalb unvergänglich. Denn ihn allein hat Gott der Freiheit gewürdigt, und die Bande der Notwendigkeit, die alle Geschöpfe fesseln, für ihn aufgehoben; er hat ihn an dem herrlichsten eigenen Vorzug, soviel der Mensch davon fassen konnte, teilnehmen lassen. Deswegen ist er auch zurechnungsfähig; den Tieren und Pflanzen kann man weder Fruchtbarkeit als Verdienst, noch Unfruchtbarkeit als Schuld anrechnen, aber er allein verdient Tadel, wenn er Böses thut, wofür er auch bestraft wird". An einer andern Stelle sagt er: „Um seiner Gerechtigkeit willen habe Gott der menschlichen Seele Geist eingehaucht (1. M. 2. 7), denn wäre dem Menschen nicht das lvahre Leben eingegeben worden und wäre er also der Tugend unfähig gewesen, so hätte er, für seine Sünden bestraft, sagen können, er werde ungerecht bestraft: Gott selbst sei an seinen Vergehungen schuld, weil er ihm die Möglichkeit, Gutes zu thun, nicht verliehen, denn Fehler ohne Freiheit seien keine Fehler. Auch die Mittel zum Schutz und zur Erhaltung der Freiheit werden ganz im bibl. Sinne angegeben. (Schluß folgt.) Kirchenväter und christliche Heletjrte über Kalmudisten und den Hatmud. Bon A. Löwit. Hieronymus. Der heil. Hieronymus hatte das Hebräische mit großer Anstrengung erlernt, mit einem Aufwand von Fleiß und Zeit, über welchen er oft Klage führt (Ep. ad Eustachium XXII. f. ad Rustic. IV.). Nachdem er 385 sich nach Palästina eingeschifft, suchte er mit Beihilfe sachkundiger Juden aus der talmudischen Hoch-