Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1885)
- Date
- 1885-07-01
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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154 göttliche Kraft, ein Theil Gottes, ein Ausfluß aus Gott, gleich den Engeln eine Teilkraft des Logos Wie könnte denn der Geist, sagt er, ein kleines Ding, eingeschlossen im Herzen oder Gehirn, die Größe der Welt und des Himmels fassen, wenn er nicht ein Bruchstück der göttlichen Seele wäre? An einer anderen Stelle lesen wir bei ihm: „Gott hauchte dem Menschen einen lebendigen Odem ein; diese Worte sind so zu verstehen, ein Teil seiner seligen himmlischen Natur habe sich nach unten gewendet". Philo weicht schon darin von den biblischen Angaben ab, welche die Seele gleich andere Wesen der Schöpfung für durch Gott geschaffen halten. Der Leib, lehrt er, ist die Stätte des Bösen, der Begierden und Leidenschaften, der Quell des Unfriedens. Sv ist er für die Seele ein Uebel, ein Kerker, aus dem sie sich wegsehnt wie Israel aus Aegypten, ein Leichnam, den die Seele mit sich herumschleppt, ein Gxab oder ein Sarg. Ihre Verbindung mit dem Leib ist eine Befleckung, wodurch keine Gemeinschaft mit Gott möglich ist. Erst nach dem Tode erwacht der Mensch zum neuen Leben. Die Verheißung Gottes an Jakob (1. M. 28. 15) wird hier auf diese Rückkehr der Seele gedeutet: „Sie hat den himmlischen Raum verlassen und ist nun in ein fremdes Land, in den Leib, eingewandert. Aus diesem führt Gott wieder diejenigen zurück, die ihm Wohlgefallen". So heißt der Leib bildlich Aegypten, in dem der wahre Weise nicht wohnen darf, die Erde, die Abraham verlassen soll u. a. m. Daß auch diese Darstellung eine antibiblische ist, haben wir an anderer Stelle nachgewiesen. Die Sinnlichkeit als die dem Leiblichen und Irdischen zugewendete Seite der menschlichen Seele nennt er „Erde", und als unvernünftiger Theil derselben heißt sie „Gras", die Nahrung der unvernünftigen Tiere, ebenso „Esel", eine Bezeichnung, die sich auch bei den jüdischen. Mystikern „eselhaft", „sinnlich", wiederfindet. Ihr Sitz ist im Leibe, sie vermittelt durch ihre fünf Organe jede sinnliche Erkenntniß, doch ist sie für die höhere Erkenntniß etwas Störendes; sie schwindet, sobald die reine Vernunft erwacht; ihre Verbindung mit der Vernunft ist schädlich, denn sie öffnet ihre Mündungen, um den Verstand durch die Einströmung sinnlicher Dinge überfluten zu lassen. Der Mensch verläßt (nach einem bibl. Bilde l. M. 2. 14) des Weibes (der Sinnlichkeit) wegen, seinen Vater (Gott) und seine Mutter (die Weisheit) und hängt ganz an der Sinnlichkeit. Der Weise soll daher auch sie, wie oben, den Leib verlassen. In der Schädlichkeit ihres Wesens ist sie vorbildlich gezeichnet in den Töchtern Moabs (4. M. 21.19), von denen das Feuer der Leidenschaft ausgeht und in Mirjam (4. M. 12. 14), die sich gegen Moses d. h. gegen die höhere Natur der Seele anflehnt. Die Vernunft dagegen, als die dem himmlischen Dinge zugewandte Seite der Seele, ist der Hauch, den Gott (1. M. 2. 7) dem Menschen als die wahrhafte Lebenskraft einblies, der ihr eigentliches Wesen bildet, vermöge dessen wir zur Erkenntnis Gottes gelangen und uns in den Himmel erheben können. Die Affekte sind die Geburt der Sinnlichkeit, durch welche die Lust, „Hedone“, erzeugt wird. Aegypten gilt auch da als das Land der Sinnlichkeit und der Affekte. Letztere wenden sich gegen Erstere, um die Seele zu zerrütten. Allegorisch ist dieses iin 1. M. 14. 1 in dem Kampf der 4 gegen die 5 Könige angedeutet; erstere sind die 4 Affekte und letztere sind die 5 Sinne. Auch sie haben ihre symbolische Typen in der Bibel. * Die schädlichen Affekte in Amalek, denn sie sind ein in die Seele würgendes Volk; in Syrien — Aram, als die sich gegen die Seele erhebende Macht, in den wilden Tieren (1. M. 3. 10) den Töchtern des Menschen (1. M. 6. 4), die sich mit den abgefallenen Geistern verbinden. Die Lust, „Hedone", ist der lüsterne Genuß des Sinnlichen oder das Verlangen nach demselben. Die Schlange